Foto: Hill of Grace / Henschke
Foto: Hill of Grace / Henschke

Eine Frage der Lage

Was bestimmt das Renommee eines Weins? Die Lage! Die Lage. Die Lage? Nun ja, die alte Immobilienweisheit bildet in der Weinbranche nur die halbe Wahrheit ab. Schließlich bestimmt nicht immer die Herkunftsangabe auf dem Etikett den Kultstatus eines Weins wie Penfolds Grange, Vega Sicila Unico oder Riesling G-Max demonstrieren. Eigentlich auch plausibel, dass die Weinerzeuger hinter den Gewächsen einen erheblicheren Anteil an deren Erfolg haben. Wer eine Spitzenlage besitzt, produziert eben nicht automatisch einen Spitzenwein. Dennoch gibt es sie, Rebflächen, die über jeden Zweifel erhaben sind und unumstritten das Potenzial für Gewächse von Weltruf bieten. In der Meiningers Weinwelt 3/2021 haben wir den Bernkasteler Doctor an der Mosel, Tignanello im Chianti Classico, Montrachet im Burgund und Monte Bello in Kalifornien bereits genauer unter die Lupe genommen. Hier nehmen wir Sie mit nach Australien und schauen uns hier eine ganz besondere Rebfläche an…

Text: Christine Neubecker

Hill of Grace (Eden Valley, Australien)

Würde man einen Weinberg kopieren, also auf ähnlichem Boden, in der gleichen Höhe, mit gleicher Ausrichtung, Erziehungsmethode und so weiter ein Pendant anlegen … Es würden doch nicht die gleichen Weine entstehen. Zu speziell, zu unverkennbar ist der Ausdruck so manch eines Terroirs. Davon weiß auch Stephen Henschke zu berichten, der im gleichnamigen Familienweingut die Trauben aus der Lage Hill of Grace vinifiziert: „Jahr für Jahr zeigt er sich mit einem einzigartigen Aroma und Geschmack von Five-Spice-Gewürz, Waldbeeren und Pflaumen sowie Schichten samtartiger Tannine – ein Shiraz mit einem „Duft des Ortes“, der so unverkennbar Hill of Grace ist.“ Völlig anders präsentiert sich hingegen der Henschke Mount Edelstone „obwohl er nach den gleichen traditionellen Methoden von ähnlich alten Shiraz-Reben hergestellt wird und der Weinberg nur drei Kilometer südlich liegt“, fügt Stephen Henschke hinzu.

Nur vier der acht Hektar großen Lage, die zu Deutsch den Namen Gnadenberg trägt, sind mit Shiraz bepflanzt. Einige Rebstöcke blicken dabei auf eine lange Tradition zurück, die eng mit der Familiengeschichte verknüpft ist. „Die Errichtung des Weinbergs geht auf die frühe Ansiedlung der deutsch-schlesischen Pioniere in Südaustralien zurück. Mein Vorfahr Nicolas Stanitzki war einer dieser Pioniere“, berichtet Henschke. In den 1860er Jahren pflanzte Nicolas Stanitzki Shiraz-Reben auf dem fruchtbaren Schwemmlandboden auf einer Höhe von circa 400 Metern.

Noch heute ist der 0,56 Hektar große Bereich, der liebevoll The Grandfather Block genannt wird, ein entscheidender Traubenlieferant für den Kultwein. Generell stammen die Trauben hierfür nur aus den besten Teilbereichen: „Ja, nur aus den ältesten Blöcken, die zwischen 1860 und 1965 gepflanzt wurden“, klärt Stephen Henschke auf. Darunter zählen neben dem Grandfather Block noch fünf weitere: Post Office Block 1 (0,33 Hektar, 1910 gepflanzt), Post Office Block 2 (0,57 Hektar, 1965 gepflanzt), Church Block (0,70 Hektar, 1952 gepflanzt), House Block (1,08 Hektar, 1951 gepflanzt) und Windmill Block (0,70 Hektar, 1956 gepflanzt). Als Einzellagenwein erstmals von Cyril Henschke 1958 abgefüllt, schrieb der Hill of Grace Geschichte. Noch heute gilt er als Ausnahmewein und wird in den Jahren, in denen er erzeugt wird, mit den höchsten Bewertungen geadelt.  

Noch mehr berühmte Weinlagen
Die Lagen Bernkasteler Doctor, Tignanello, Montrachet und Monte Bello stellen wir Ihnen in der Meiningers Weinwelt 3/2021 vor.
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