Zwei Generationen von Chef de Caves bei Krug: Julie Cavil und ihr Vorgänger Eric Lebel; Foto: Michael-Ferire
Zwei Generationen von Chef de Caves bei Krug: Julie Cavil und ihr Vorgänger Eric Lebel; Foto: Michael-Ferire

Horizontal oder vertikal?

Wer sich ernsthaft und intensiv mit der Philosophie von Krug befassen möchte, dem bieten sich zwei Möglichkeiten.

Die eine Option besteht schon länger: Seit vielen Jahren kommuniziert Krug sein Sortiment ohne Hierarchie. Die Grande Cuvée hat den gleichen Anspruch wie ein Clos du Mesnil oder Clos d’Ambonnay. Die unterschiedlichen Preise (190 vs. 1900 Euro) erklären sich im Wesentlichen mit der Verfügbarkeit. Natürlich wird für die beiden Einzellagen ein großer Aufwand betrieben, inklusive einer jeweils eigenen Mikrokellerei auf dem Gelände des betreffenden Clos. Hier arbeitet man bei Krug allerdings an einer Veränderung des Konzeptes. Doch das ist noch nicht spruchreif. Abgesehen davon, werden alle Krug Champagner auf die gleiche Weise vinifiziert: Vergärung im gebrauchten Barrique, anschließend Lagerung im Stahltank. Bei der Grande Cuvée kommen als Besonderheit die zahlreichen Mikrotanks hinzu, für die vor wenigen Jahren eine eigene Abteilung im Keller angelegt wurde, damit auch kleinste Partien vom Volumen eines halben Barriques separat gelagert werden können, um späteren Assemblagen zur Verfügung zu stehen. 

From Solo to Orchestra 

Auf horizontaler Ebene lässt sich dies perfekt verkosten mit einer „From Solo to Orchestra“-Verkostung. Aktuell erhältlich ist das Paket auf Basis der Ernte 2006. Beginnend mit 2006 Clos de Mesnil, 100 Prozent Chardonnay, 100 Prozent Le Mesnil-sur-Oger, ein Jahrgang. Ein Solo für einen der ausdruckvollsten Chardonnays aus dem vielleicht puristischsten Cru der Champagne für Blanc de Blancs. Es folgt Krug Vintage 2006. Den Jahrgang vergleicht Julie Cavil, seit 2020 Chef de Caves bei Krug, mit 1989 und 2002, beides ebenfalls warme bis heiße Jahrgänge. Die Assemblage setzt sich aus 45 Prozent Pinot Noir, die von Parzellen im Norden und Süden der Montagne de Reims und aus Les Riceys ganz im Süden der Champagne stammen, dazu 35 Prozent Chardonnay und 20 Prozent Meunier aus Leuvrigny und Sainte-Gemme, also vom rechten und linken Ufer des Marnetals. Wenn man dem Bild der klassischen Musik treu bleiben möchte, handelt es sich beim Vintage gewissermaßen um ein Kammermusikensemble, dem dann die Grande Cuvée 162ième Édition als das große Orchester gegenübersteht. Die Ernte 2006 bildet auch hier die Basis, jedoch ergänzt um Reserveweine, die bis ins Jahr 1990 zurückreichen. Insgesamt sind 163 Weine aus 11 Jahrgängen in der Assemblage enthalten. (Beschreibungen und Bewertungen der Champagner auf Seite 42.)

Vertical Edition

Die 162ième Édition trug ursprünglich noch gar nicht ihre Nummer auf dem Etikett. Diese Neuerung wurde ein Jahr später mit der 163ième Édition eingeführt. Dennoch wurden rückwirkend auch die Flaschen im Archiv gemäß der Nummer der Tirage etikettiert. So eröffnet sich jetzt eine zweite Möglichkeit, sich dem Mythos Krug zu nähern: Vertical Edition nennt Krug die Kiste mit sechs aufeinanderfolgenden Nummern, aktuell erhältlich ist die Kiste mit der Grande Cuvée von der 161. bis zur 166. Edition. Darunter auch die sehr limitierte Nummer 165, die gar nicht auf allen Märkten erhältlich war. In der Tat lässt sich die unverwechselbare Krug-Stilistik als roter Faden deutlich verfolgen, die spezielle Verbindung von Kraft und Frische, von Reife und pikanter Würzigkeit. (sas) 

Spezieller Six Pack: Édition 161 bis 166; Foto: Champagne Krug
Spezieller Six Pack: Édition 161 bis 166; Foto: Champagne Krug
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