Fabrice Rosset, der CEO von Champagne Deutz, ©Leif-Carlsson
Fabrice Rosset, der CEO von Champagne Deutz, ©Leif-Carlsson

“2021 ein gutes Jahr für Champagne”

Herr Rosset, wie war die Ausgangslage für Deutz vor der Pandemie?
2019 war für uns ein Rekordjahr hinsichtlich Umsatz und Absatz.

Wie stellt sich im Vergleich die Bilanz 2020 dar?
Der Rückgang im Volumen betrug 18 Prozent. Das entspricht dem Schnitt der gesamten Champagne. Vor allem in den Sektoren Horeca und Fluglinien gab es gravierende Einbrüche. Trotzdem war 2020 unter dem Strich noch ein gutes Jahr, weil gerade die lukrativen Sparten ohne Einbußen geblieben sind. Bekanntermaßen sind die Margen bei einem Deal mit einer Fluggesellschaft nicht die besten. So gesehen ging zwar der Umsatz zurück, kaum jedoch die Rentabilität.

Kann man in diesem Jahr schon von einer Erholung sprechen?
Horeca bleibt ein Schlüsselmarkt für uns, und zwar weltweit. Hier war ein deutlicher Nachholeffekt zu spüren. Wir waren schon in 2020 sehr aktiv, haben unsere Keyaccounts intensiv betreut, das hat geholfen, in 2021 gleich durchzustarten. Aktuell liegen wir um 20 Prozent über 2019! Das Jahr 2021 ist aber nicht nur für uns, sondern insgesamt ein sehr gutes Jahr für die gesamte Champagne.

"Paris tut sich schwer, denn die großen Hotels und Spitzenrestaurants sind extrem abhängig von den internationalen Touristen – und die fehlen nach wie vor."

Gibt es regionale Unterschiede? 
Auf jeden Fall. Der französische Markt bleibt sehr wichtig. Auch hier liegen wir im Plus, aber Paris tut sich schwer, denn die großen Hotels und Spitzenrestaurants sind extrem abhängig von den internationalen Touristen – und die fehlen nach wie vor. Die ganze Mittelmeerküste hingegen läuft touristisch auf Hochtouren. Auf der anderen Seite haben wir exzellente Absätze bei den Pariser Weinhandlungen. Die Franzosen haben 2020 in den eigenen vier Wänden deutlich mehr und besser konsumiert.

Die Entwicklung von Deutz verläuft sehr dynamisch. Verlagert sich das Geschäft? 
Vor 25 Jahren haben wir 600.000 Fl. Champagne Deutz verkauft, davon 60 Prozent in Frankreich. Den Absatz haben wir seither auf 2,5 Mio. Fl. gesteigert, aber das Verhältnis ist das gleiche geblieben, wobei zuletzt eine gewisse Verschiebung Richtung Export festzustellen ist. Unser Ziel für 2024 liegt bei einem Absatz von 3 Mio. Fl., das ist auch realistisch. Unsere Tirage lag 2020 bei 2,8 Mio. Fl. 

Wo sehen Sie die Grenzen?
Wir sind jetzt tatsächlich an einer gewissen Kapazitätsgrenze angelangt. Wir werden investieren müssen, zum Beispiel in den Maschinenpark. Doch das wird uns nicht abhalten. Ich bin vor 25 Jahren angetreten mit der Ambition, 1,5 Mio. Fl. zu verkaufen. Das hat mir damals niemand geglaubt. Wie heißt es so schön: Der Appetit kommt mit dem Essen. Es darf aber nicht so klingen, als ginge es uns in erster Linie um Wachstum. Die Qualität ist und bleibt die Priorität.
 

Ausgabe 03/2021

Cover Meiningers Sommelier

Themen der Ausgabe

Fernbeziehung

Johannes Schellhorn und der Seehof in Goldegg

Weißes Burgund

Bezahlbarer Nachschub für die Weinkarten

Panorama

Ruwer – das leise Seitental der Mosel