MEININGERs SOMMELIER: Spitzen-Silvaner

>Eigentlich ist es beim Silvaner sehr einfach, von einem klaren Profil zu sprechen: Im Gegensatz zu Deutschlands Weißwein-Ikone Riesling, der von Mittelrhein, Mosel, Rheingau, Rheinhessen bis zur Pfalz und mitunter auch in Baden und Württemberg seine Hochburgen hat, gibt es beim Silvaner ein Herkunftsgebiet, das untrennbar mit der Sorte verbunden ist. In Franken wurden im 17. Jahrhundert die ersten Silvaner-Stöcke gepflanzt und diese Region steht bis heute für die prestigeträchtigsten Weine. Rein rechnerisch hat sich über die Jahre allerdings Rheinhessen an Franken vorbeigeschoben, was aber auch am schieren Größenunterschied liegt (Rheinhessen verfügt insgesamt über etwa 25.000 Hektar Rebfläche, Franken über ca. 6.000 Hektar). Von gut 5.000 Hektar deutscher Gesamtfläche stehen fast 2.400 Hektar in Rheinhessen, in Franken sind es gut 1.400 Hektar. Einige Winzer in der Pfalz (723 Hektar Silvaner) widmen sich ebenfalls der recht spät reifenden Sorte. Außerhalb Deutschlands ergänzen noch verschiedene Spezialisten im Elsass die Silvaner-Riege – und genau so setzte sich letztlich auch die Liste für unser Silvaner-Gipfeltreffen zusammen.>Auch das Erzeugerfeld war spannend besetzt: Von Würzburger Silvaner-Flaggschiffen wie Juliusspital, Staatlicher Hofkeller oder Weingut Am Stein über zeitlose Klassiker wie Johann Ruck bis hin zur jungen Winzergeneration Frankens mit Paul Weltner, den Geschwistern Melanie und Matthias vom Weingut Bickel-Stumpf oder Christian Stahl aus Tauberfranken. Viel Freude machte nicht zuletzt die stilistische Bandbreite innerhalb Frankens. Doch auch aus Rheinhessen stand viel Überzeugendes auf den Tischen, allen voran ein großartiger, burgundisch anmutender Silvaner von Jürgen Hofmann – es geht also doch mit gekonntem Holzeinsatz. Stark präsentierten sich auch hier einige Betriebe, die wir (bislang) noch nicht auf dem Zettel hatten, etwa die Brüder Thörle in Saulheim oder Weinreich aus Bechtheim. Für die Pfalz setzten Boris Kranz und der „Mann mit Hut“, Lukas Krauß, Ausrufezeichen. Der wohl extremste Wein der Probe war ebenfalls ein Pfälzer: der in der Amphore ausgebaute 2012er Silvaner vom Odinstal forderte die Verkoster heraus und sorgte für viel Gesprächsstoff fernab einer bloßen Bepunktung des Weines. Was im Elsass in Sachen Silvaner möglich ist unterstrich André Ostertag mit seinem schon jetzt voll zugänglichen, ganz eigenständigen 2013er „Les Vieilles Vignes de Sylvaner“.>Erdigkeit, Würze sowie eine engmaschige, positiv-phenolische Struktur: Das waren die meistgenannten Attribute der Sommeliers, die mit uns verkosteten, auf die Frage, was gute Silvaner denn alles mitbringen sollten. Eine „im positiven Sinne grüne Art“ zeichne hochklassige Silvaner aus, erklärte beispielsweise Martina Kraemer-Stehr bei der Probe. Zuviel Holz, das die sortentypische Aromatik überdeckte, stieß nicht nur bei ihr auf wenig Gefallen. Wenn die erdig-kräutrige, wenig auf Primärfrucht bauende Charakteristik zum Tragen kommt, können die Weine auf sehr ansprechende, elegante Art reifen und an Komplexität gewinnen, was sich beim Tasting immer wieder bestätigte.>101 verschiedene Silvaner aus den genannten Gebieten gingen ins Rennen, das breite Spektrum reichte von frischen und straffen 2013ern über starke 2012er, erstaunliche 2010er bis hin zu wunderschön gereiften Weinen, etwa aus 2009, 2007 und 2004. Im Folgenden unsere Gesamt-Favoriten und die besten Weine in den jeweiligen Anbaugebieten.>Christoph Nicklas
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