Die Kategorie American Whiskey ist in Bewegung und bittet zum wilden Ritt (Foto: AdobeStock.com/Quattrophotography)
Die Kategorie American Whiskey ist in Bewegung und bittet zum wilden Ritt (Foto: AdobeStock.com/Quattrophotography)

5 American Whiskey-Trends

Der US-Whiskey ist in Aufbruchstimmung und bittet zum wilden Ritt: Historischen Marken wird neues Leben eingehaucht, während junge Brands den Weg über den "großen Teich" wagen. Alte Konventionen werden aufgebrochen und mit verschiedenen Fasssorten experimentiert. Die fünf wichtigsten Trends im Überblick.

Text: Maximilian Jopp

Dieser Artikel erschien in der fizzz #08-22 und wurde für diese Veröffentlichung stark gekürzt. Die Printausgabe können Sie hier einzeln oder als Abo bestellen.

Trend #1Roggen-Renaissance hält an

Rye Whiskey war lange Zeit die vorherrschende Whiskeysorte in weiten Teilen der USA, besonders im mittleren Westen und in nordöstlichen Bundesstaaten wie Pennsylvania und Maryland. Vor gut hundert Jahren beendete die Prohibition in den USA die Erfolgsstory jedoch. Wie einigen Traditionsspirituosen weltweit verhalf der neuerliche Cocktail-Boom auch dem Rye Whiskey zu einer Renaissance, die weiter anhält.

Ein Maryland Rye, der die Phase der Prohibition als einziger überlebt haben soll, ist der der Marke Pikesville (Borco). Auf die Destillation auf Grundlage einer Mashbill aus Roggen, Mais und gemalzter Gerste folgt die sechsjährige Reifung in neuen, ausgebrannten Fässern aus amerikanischer Weißeiche. Die Alkoholstärke beträgt hohe 55 Prozent. Mit Redemption (Bremer Spirituosen Contor) oder Rossville Union Rye (Prineus) bereichern weitere neue Marken, die sich am Pre-Prohibition Style orientieren, den deutschen Markt. 95 Prozent Roggenanteil bringen würzige Power und Mixability ins Spiel.

 

Trend #2Mehr Getreidevielfalt

Doch Bourbon und Rye sind nicht mehr die einzigen Whiskeysorten aus den USA. Die Woodford Reserve Distillery im Bundesstaat Kentucky startete bereits vor ein paar Jahren mit neuen Sorten durch. Zunächst nahm man einen Kentucky Straight Malt Whiskey mit einer Mashbill aus 51 Prozent Gerstenmalz, 47 Prozent Mais und zwei Prozent Roggen in das Sortiment auf. Kurz darauf folgte dann ein Kentucky Straight Wheat Whiskey mit  52 Prozent Weizen. Die neueste Veröffentlichung ist der limitierte Woodford Reserve Master’s Collection Five-Malt Stouted Mash, dessen Maische im Stil eines Irish Stout verarbeitet wurde.

Besonders auf dem Vormarsch befindet sich der American Single Malt Whiskey. Vorne mit dabei ist Westward Whiskey (Kirsch Import) aus Portland im US-Bundesstaat Oregon. Es wird ausschließlich lokale Gerste verwendet und in Anlehnung an die Craft-Beer-Kultur in Portland wird die Maische wie für ein Pale Ale mit Ale Yeast fermentiert. Destilliert wird zweifach in Kupferbrennblasen. Die mindestens dreijährige Reifung läuft in neuen, leicht ausgebrannten Fässern aus amerikanischer Eiche ab. Optional wird in anderweitigen Fasssorten nachgereift.

In Seattle im Bundesstaat Washington hat sich auch die Westland Distillery (Reidemeister & Ulrichs) ganz dem American Single Malt verschrieben. Die in zwei Kupferbrennblasen stattfindende Herstellung basiert primär auf einer Mashbill aus den fünf Gerstenmalzsorten Washington Select Pale Malt, Munich Malt, Extra Special Malt, Brown Malt und Pale Chocolate Malt. Alternativ wird Heavily Peated Malt mit einem sehr hohen Phenolgehalt von 55 ppm hinzugefügt. 

Trend #3Nachreifen im Trend

Das Nachreifen in den immer außergewöhnlicheren Fasssorten trendet weltweit. Doch bei American Whiskey herrschte lange Zeit eine große Zurückhaltung, vom Gewohnten abzurücken. In Deutschland fand das Thema erstmals Ende 2019 mit der Markteinführung des Legent von Beam Suntory größere Beachtung. Dieser Kentucky Straight Bourbon Whiskey wird zunächst für vier Jahre in neue, ausgebrannte Fässer aus Weißeichenholz und anschließend noch teils in Ex-Wein- und teils in Ex-Sherryfässer gegeben.

Wie kaum eine andere Brennerei in den USA hat sich die Louisville Distilling Company auf das „Double Maturation“-Verfahren spezialisiert. Das Aushängeschild der Brennerei in Louisville im Bundesstaat Kentucky ist der Angel’s Envy Kentucky Straight Bourbon Finished in Port Wine Barrels (Bacardi). In Deutschland kommt erst einmal die Gastronomie in Berlin, in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet in den Genuss.

Die Printausgabe
fizzz #08-22

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Außerdem im Heft:

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Trend #4Kapazitätsausbau

Die Nachfrage nach American Whiskey ist so rasant gestiegen, dass der Ausbau der Kapazitäten kaum mithalten kann. Große Investitionen in neue Brennereien wie auch in den Ausbau bestehender Produktionsstätten sollen es richten. 

Beachtliche 1,2 Milliarden US-Dollar hat die Sazerac Company in jüngster Zeit in ihre Buffalo Trace Distillery in Frankfort im Bundesstaat Kentucky investiert. Auf dem Plan stehen unter anderem eine zusätzliche Brennapparatur zur Verdoppelung des Produktionsvolumens und zahlreiche neue Lagerhäuser. Bis sich die Investition auszahlt, werden allerdings noch einige Jahre vergehen müssen, denn der Bourbon reift zwischen acht und zehn Jahren.

Für seinen Bulleit Bourbon errichtete Diageo vor Kurzem eine neue Brennerei in Lebanon im Bundesstaat Kentucky und nimmt damit zukünftig die Herstellung vollends in die eigenen Hände.
 

Trend #5Flavoured Bourbon

Der Trend hin zu Flavoured Spirits erfasst nun auch den American Whiskey. Vorgemacht hat es der deutsche Spirituosenexperte Alexander Stein mit der neuartigen Spirituose „Horse with no Name“. Für die Innovation wird ein drei Jahre gereifter Straight Bourbon Whiskey aus dem Bundesstaat Texas mit einem im Schwarzwald erzeugten Destillat der eigens angebauten Habanero-Sorte Red Savina angereichert.

Brandneu ist die Marke Old Soggy No. 1 des norddeutschen Unternehmens Aromex. Ganz im Mittelpunkt steht der Old Soggy No. 1 Spiced Bourbon Vanilla Oak. Die Spirituose basiert auf einem Bourbon Whiskey aus dem Bundesstaat Indiana, der im Zuge einer Aromatisierung mit einem Extra an Vanille daherkommt. 

fizzz 08/2022

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