Best of Chianti Classico

MEININGERS WEINWELT
Giovedì, 29. Gennaio 2015 - 10:15
Tastings

Chianti ist längst mehr als das, was es beim Italiener um die Ecke gibt. Doch der herzhafte, fruchtig-würzige, bisweilen erfrischende Pasta-Begleiter ist zu anspruchsvollen Tropfen mutiert. Wir probierten uns durch die Stile.

Foto: www.chianticlassico.comInsgesamt verkosteten wir 230 Chianti Classico, vorwiegend natürlich aus den aktuell verfügbaren Jahrgängen 2010 bis 2012. Die meisten stammten aus 2011, darunter die aktuell jüngsten Riserva, die ja mindestens zwei Jahre vor der Vermarktung in Fass und Flasche reifen müssen. Das bringt mehr Struktur und Tiefe. So schaffte es unter den Riservas auch jede zweite Probe ins Heft, vom „normalen“ Chianti Classico nur jede dritte. Spannend zeigten sich auch die 2009er und einige noch ältere Jahrgänge sind natürlich auch zu haben, die wir besonders empfehlen.

Im Grunde gibt es drei Chianti-Typen: sortenreine Sangiovese (der immer zu mindestens 80% im Chianti Classico enthalten sein muss), dann Sangiovese in der Cuvée mit lokalen Sorten (Canaiolo, Colorino) oder internationalen Stars (Cabernet Sauvignon, Merlot). Das ergibt natürlich völlig unterschiedliche Typen.

Der dickhäutige Canaiolo, mit einer dezenten, eigentümlichen Bukettwürze, bringt Farbe und einen Bitterton, der in Maßen reizvoll sein kann. Der tiefblau-violette Colorino sorgt, wie der Name schon vermuten lässt, ebenfalls für Farbe, bringt ein bisschen Duft dunkler Beeren mit und kann vor allem die Säure des Sangiovese abpuffern, was in unreifen Jahren schon mal hilfreich ist. Etwa ein Drittel der Anstellungen waren allerdings Cuvées mit den internationalen Sorten. Hier kommt dem Cuvée-Partner Cabernet Sauvignon die Aufgabe zu, das Tannin-Gerüst zu stärken.

Unter den Verkostern waren wohl mehr Traditionalisten, denn die reinsortigen Sangiovese und die traditionellen Cuvées aus lokalen Sorten wurden von ihnen gegenüber den Cuvées mit internationalen Reben bevorzugt. Möglicherweise liegt dies auch daran, dass die Winzer, die auf internationale Sorten setzen, auch vom Ausbau im neuen Holz überzeugt sind, was den Chianti-Typ globalisiert und von den Verkostern weniger honoriert wurde. So waren einige Weine arg konfektioniert und ließen nicht an Italien denken. In der Regel schafften es diese Gewächse nicht in die Top-Bewertungen.

Ein weiteres Thema ist der Alkohol. Mit der Reife, zumindest der Zuckerreife, scheint man in der Toskana keine Probleme zu haben, im Gegenteil: Die meisten Chianti treten heute voluminös auf. Über die Hälfte der von uns verkosteten Proben lag im Alkohol über 13,5%vol., darunter gerade mal 13 Prozent. Jede fünfte der 230 Proben brachte sogar 14,5%vol. auf die Waage, ein paar noch mehr, die es aber nicht ins Heft schafften. Angesichts dieser real erzielten Gradationen erscheint der für einen Chianti gesetzlich vorgeschriebene Mindestalkoholgehalt von 12%vol. geradezu absurd.

Das Upgrading der Weine hat auch seinen Preis. Chianti ist längst kein Billig-Produkt aus der Korbflasche mehr. So um die 15,- Euro muss man für einen guten Chianti Classico schon rechnen. Etwa ein Drittel der von uns verkosteten Proben lag sogar über 20,- Euro. Bei den zwei Dritteln unter 20,- Euro verteilten sich die Weine etwa gleichmäßig in die Preisklassen über oder unter 15,- Euro, sodass Sie auch zwischen 10,- und 15,- Euro viele Empfehlungen finden. Wir haben sogar ein paar gepflegte Vertreter unter 10,- Euro heraus probiert. Lesen Sie die Verkostungsergebnisse.
 

Award-winning wines

87
Tasted on: 
26.11.2014
Rocca di Castagnoli, Castagnoli Gaiole in Chianti (SI) (Italien)

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