Wein & Zigarre Teil I

Teil I: Die Zigarre   Teil II: Zigarrenfarben   Teil III: Zigarren aus aller Welt

 
Beides sind Naturprodukte, die sich perfekt ergänzen. Beide werden als Spitzenprodukte ausschliesslich aus natürlichen Zutaten hergestellt und beide vermögen es, ihre Herkunft und teilweise auch die spezifischen Charakteristika ihres Jahrgangs sensorisch erkennbar in sich zu tragen.

Entdeckungsreise in die wunderbare Welt der Zigarren

In der dreiteiligen Serie „Zigarre & Wein“, erschienen in MEININGERs WEINWELT, möchten wir Sie auf eine Entdeckungsreise in die wunderbare Welt der Zigarren mitnehmen. Diesen ersten Teil beginnen wir mit einem kurzen historischen Abriss über die Geschichte des Tabaks und den langen Weg der Zigarre vom rituellen Räucherwerk der Maya zum weltweit geschätzten Genussmittel. Sie erfahren mehr über die verschiedenen Zigarrentypen Short-, Medium und Longfiller und am Ende dieses ersten Teils erhalten Sie eine kurze Anleitung zum richtigen und genussvollen Umgang mit Zigarren. Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre – und mit Zigarre & Wein.

 

Eine kleine Geschichte des Tabaks

Das genetische Ursprungsgebiet der zunächst wilden Tabakpflanze befindet sich, da sind sich die Wissenschaftler einig, nicht etwa in Kuba, Nordamerika oder der Dominikanischen Republik, sondern in jener Gegend Südamerikas, die heute als Staatsgebiet der Länder Peru und Bolivien bekannt ist. Von dort aus breitete sich das Nicotiana tabacum über den mittel- und südamerikanischen Raum aus.
 
Die Maya waren es schließlich – jedenfalls entfallen auf sie die ersten Zeugnisse einer Nutzung des schnell wachsenden Nachtschattengewächses – die Tabak kultivierten und zu rituellen Räucherungen und zur Inhalation nutzten. Aus ihrem Stammgebiet im mexikanischen Yukatan brachten die Maya den Brauch Tabak zu rauchen auch zu den nahe gelegenen karibischen Inseln. Und dort fand dann schließlich auch der erste Kontakt der Europäer mit Tabak statt. Als am 27. Oktober 1492 Christoph Kolumbus’ Schiffe in der Vermutung, Japan erreicht zu haben vor einer Insel ankern und die Matrosen Rodrigo de Jerez und Luis de Torres erste Erkundungen an Land anstellen, treffen sie auf Eingeborene die, wie sie später berichteten, getrocknete, zu Stäben gerollte Blätter an einer Seite in Brand setzen und den an der anderen Seite austretenden, wohlriechenden Rauch inhalieren.
 
Die beiden hatten also nicht nur Bekanntschaft mit einer bis dato in der alten Welt unbekannten Zivilisation gemacht, sondern zeitlich mit der Urform der Zigarre. Bei der Besatzung von Kolumbus’ Schiffen und auch bei ihnen folgenden Seefahrern fand das Inhalieren des Rauchs von getrockneten Tabakblättern schnell Anklang und spätestens Mitte des 16. Jahrhunderts wurde in den Heimathäfen der Expeditionsschiffe geraucht. Dem Rauch wurde heilende Wirkung zugesprochen, ebenso dem Pulver zerriebener Tabakblätter. So sicherte sich die neu entdeckte Tabakpflanze schnell einen festen Platz in der europäischen Gesellschaft. Die alte Welt hatte das neue Rauchen für sich entdeckt. 
 
Gehobener Service mit dem Tisch-Humidor
Bis zur heutigen Zigarre war es indes noch ein weiter Weg. Mitte des 16. Jahrhunderts 
wurde in den neuen Kolonien bereits fleißig Tabak kultiviert und die Blätter exportiert. Bedingt durch die Besitzverhältnisse an Ländereien in der neuen Welt waren es vor allem Häfen in Spanien und Portugal, in denen Ballen getrockneter Tabakblätter entladen wurden und in Sevilla entstanden ab 1676 dann schließlich die ersten in Europa gefertigten Zigarren. Ein halbes Jahrhundert später gelangte die spanische Krone zu der bis heute gültigen Erkenntnis, dass Tabakprodukte die Staatskassen füllen und gründete die Königlichen Zigarrenmanufakturen mit Monopolrecht. Damit wurde gleichzeitig ein Schlussstrich unter die Diskussion um das häufig geforderte Verbot des Tabaks wegen vermeintlicher weltlicher oder religiöser Schäden durch die Inhalation des Rauchs gesetzt. Das Geschäft florierte, und immer mehr Menschen in Europa und über alle Gesellschaftsschichten verteilt, genossen Zigarren. Ein Jahrhundert später trat dann Kuba plötzlich als übermächtiger Herausforderer der Königlichen Zigarrenmanufaktur in Erscheinung.
 
Hatte man sich fast einhundert Jahre einzig der Produktion von Rohtabak und dessen Export verschrieben, so gingen die Nachkommen der spanischen Kolonisten nun zusehends dazu über, alle Produktionsschritte in Kuba zu verrichten. Es war einfacher, fertig gerollte Zigarren als getrocknete Blätter zu exportieren, und die allgemeine Qualität der in Kuba produzierten Zigarren war den spanischen Produkten weit überlegen. Die Zigarrenproduktion begann sich immer mehr nach Kuba zu verlagern und mit dem Gewähren eines Freihandelsabkommens zwischen Kuba und Spanien unter König Ferdinand VII. begann die erste Hochphase Kubas. Viele der heute noch präsenten Zigarrenmarken entstanden, Gustav Bock entwickelte die Bauch-binde als zumindest für kurze Zeit optisches Alleinstellungsmerkmal seiner Zigarren und immer mehr Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Künstler, Politiker und Intellektuelle wurden zu bekennenden Anhängern kubanischer Zigarren. Der spanisch-amerikanische Krieg 1898 brachte Kuba schließlich in den Einflussbereich der USA und sorgte für einen enormen Boom der Havanos in der florierenden Großmacht.
 
Das Ende der kubanischen Marktdominanz beginnt mit dem Sieg des Revolutionsführers Fidel Castro 1959 über die staatlichen Truppen von Hauptfeldwebel Batista. Eine der ersten Amtshandlungen des Máximo Líder war die Verstaatlichung der Zigarrenproduktion. Viele Produzenten verließen daraufhin schlagartig das Land. Sie brachten Saatgut und Wissen in die Dominikanische Republik, in die USA, nach Honduras, Jamaika, Mexiko und Venezuela, aber auch auf die kanarischen Inseln und verhalfen der dortigen Tabakproduktion zum Aufschwung.
 
Erstmals wurden auch außerhalb Kubas absolute Spitzenqualitäten produziert. In Kuba selbst wurden derweil die Betriebe auf einheitliche Größen zurechtgestutzt und jede Zigarrenfabrik verpflichtet, mehrere Marken zu produzieren. Spätestens mit der Abwendung Zino Davidoffs von kubanischem Tabak und der Verlagerung seiner gesamten Produktion in die Dominikanische Republik endet die kubanische Vorherrschaft in der Zigarrenproduktion, auch wenn die Qualität der kubanischen Zigarren wieder deutlich besser geworden ist und die Exporte steigen. Uns Aficionados kann der neue Wettbewerb und viele neue Herkünfte nur freuen!

 

Die Machart macht den Unterschied

Noch vor Herkunft, Größe, Ringmaß und anderen Kriterien wird in der Welt der Zigarren zunächst einmal immer nach der Herstellungsart und damit nach sogenannten Short-, Medium- und Longfillern unterschieden. Die Namen haben übrigens nichts mit der Länge der Zigarre zu tun! Eins schon mal vorweg. In jeder der drei Zigarren-Kategorien gibt es hervorragende Produkte, und ein sehr guter Shortfiller ist einem schlecht gearbeiteten Longfiller jederzeit vorzuziehen. Denn die drei Typen unterscheiden sich vielmehr in der Art der Verarbeitung denn in der Qualität des Tabaks.
 

Die verschiedenen Zigarrentypen: Short-, Medium- und Longfiller

SHORTFILLER
 
Wer auch beim Shortfiller keinerlei Kompromisse eingehen möchte, sollte unbedingt auf das Qualitätsmerkmal 100 Prozent Tabak achten. So kann ausgeschlossen werden, dass ein Anteil „Homogenized Tobacco Leaf“, kurz HTL, ein Mix aus feingemahlenem Tabak und Bindemittel in die Tabakmischung eingearbeitet wurde. Prinzipiell besteht ein Shortfiller genau wie alle Zigarrentypen aus einem Deckblatt, einem Umblatt und der sogenannten Einlage. Letztere besteht beim Shortfiller aus kleingerissene Tabakblätter, was zu einem sehr guten Zug, aber auch zu einem etwas schnelleren Abbrennverhalten führt.
 
 
MEDIUMFILLER
 
Genau wie beim Shortfiller besteht die Einlage aus Blattteilen und nicht aus ganzen Blättern. Allerdings werden für die Einlage des Mediumfillers ausschließlich sogenannte table scrapes verwendet, das sind Überbleibsel der Longfillerproduktion und damit des bestmöglichen Ausgangsmaterials. Die Tabakstücke werden in drei bis fünf Zentimeter lange Streifen gerupft, in ein Umblatt gewickelt und schließlich noch durch ein Deckblatt veredelt.
 
 
LONGFILLER
 
Die edelsten und teuersten Zigarren der Welt sind Longfiller. Und wer einmal einen perfekt verarbeiteten Longfiller genossen hat, weiß, dass jeder Cent weise investiert war. Longfiller werden ausschließlich aus ganzen Tabakblättern gefertigt und das fast immer von Hand. Die meisten Longfiller bestehen aus fünf Blättern: Drei Blätter, und daher als Tripa bezeichnet, dienen als Einlage. Es folgt die Capote, das Umblatt. Den optisch letzten Schliff erhält der Longfiller schließlich durch das bestmögliche Deckblatt, die Capa.

 

Klassische Zigarrenformate

Eins schon mal gleich zu Beginn: großformatige Zigarren sind wesentlich milder und rauchen sich auch deutlich kühler als kleine Formate, bei denen sich die Aromatik innerhalb eines viel kleineren Körpers entfalten muss und dadurch auch deutlich konzentrierter ist. Also keine Angst vor großen Formaten! Das größte gebräuchliche Zigarrenmaß ist übrigens die Giant, die es in ihrer klassischen Form auf eine Länge von 229 mm und ein Ringmaß von 46 Inch (18,26 mm) bringt und damit bis zu drei Stunden vollendeten Rauchgenuss bietet.

 

Der richtige Umgang

Ein sauberer Schnitt steht immer am Anfang
Das Rauchen einer Zigarre gilt es zu zelebrieren,
schließlich geht es hier nicht um möglichst schnellen Genuss, sondern genau um das Gegenteil: Ruhe, Abkehr vom Alltag und ein intensives, lang anhaltendes Raucherlebnis. Um genau das zu erreichen, gilt es ein paar kleine aber essentielle Details zu beachten. Format wählen – das hängt nicht nur von der Lust, sondern auch von der verfügbaren Zeit für den Genuss ab. 
 
Sensorische Beurteilung – ein leichter Druck auf die Zigarre zeigt, ob diese gut gelagert wurde. Gibt sie ein wenig nach und geht dann wieder in ihre ursprüngliche Form zurück, ist sie bereit für den Genuss. Starkes Knirschen oder gar Aufplatzen des Deckblattes lässt erkennen, das die Zigarre zu trocken gelagert wurde. Bleibt die Zigarre nach leichtem Druck eingedrückt, so wurde sie zu feucht gelagert.
 
Hat die Zigarre den ersten Qualitätscheck problemlos überstanden, nehmen Sie die noch kalte Zigarre an die Nase und atmen ihr Aroma – die Vorfreude steigt. Der Schnitt – zunächst die Zigarre leicht mit der Zunge anfeuchten – das verhindert eine Beschädigung des Deckblatts beim Schneiden. Nun am Zigarrenkopf ein kleines Stück mit professionellem Zigarren-Werkzeug abschneiden, sei dies nun ein cutter, ein Rundcutter oder eine Zigarrenschere. Anderes Werkzeug ist tabu!

 

Feuer

Auch hier gibt es eine klare Regel: niemals Benzinfeuerzeug oder Kerze als Feuerquelle nutzen – der Geschmack würde sich übertragen! Bitte verwenden Sie ausschließlich ein langes Streichholz, ein Stückchen Zedernholzspan (das oft als Umhüllung um die Zigarre mitgeliefert wird und sich leicht teilen lässt) oder ein Gasfeuerzeug. Wichtig ist auch, dass die Zigarre keinen direkten Kontakt mit der Flamme hat. Feuerquelle und Zigarre in je einer Hand halten, Zigarre langsam drehen, so dass ein gleichmäßiger Brandring entsteht. Wenn die erste gleichmäßige Glut an der Zigarre sichtbar wird, diese kurz schwenken und dann genussvoll den ersten Zug nehmen.  

 
Richard Grosche

 

Zigarren

Double corona: Länge 171-202 mm, Ringmaß 49 inch / 19,45 mm

Churchill: Länge 171-202 mm, Ringmaß 46-48 inch / 18,26-19,05 mm 

Grand corona: Länge 141-170 mm, Ringmaß 45-47 inch / 17,86-18,65 mm 

Lonsdale: Länge 165-190 mm, Ringmaß 40-44 inch / 15,88-17,46 mm 

Panatela: Länge 140-177 mm, Ringmaß 35-39 inch / 13,89-15,48 mm

Corona: Länge 133-145 mm, Ringmaß 40-44 inch / 15,88-17,46 mm

Robusto: Länge 114-140 mm, Ringmaß 48 inch / 19,05 mm

Petit corona: Länge 95-132 mm, Ringmaß 40-44 inch / 15,88-17,46 mm

Ausgabe 01/2022

Nederburg Wine Estate im Portrait // Weine ohne Schwefel // Die besten Lagerungsmöglichkeiten
MEININGERS WEINWELT Ausgabe 1/22

Themen der Ausgabe

Das hat Pfeffer

Pfeffrig-würzig fällt dieses Mal unser Gericht für die kühle Jahreszeit aus: Zu Pfeffersteaks mit Paprikastreifen kombiniert Stéphane Gass, langjähriger Chef-Sommelier im Hotel Traube Tonbach in Baiersbronn, eine kraftvoll-harmonische Gigondas-Cuvée aus den Sorten Grenache und Syrah. Ein geschmacklicher Volltreffer. Das Rezept finden Sie »hier.

Schwefelfrei – geht das?

Kaum ein anderer Stoff ist in der Weinbereitung so allgegenwärtig wie Schwefel. Durch seine antioxidative und antiseptische Wirkung scheint SO2 für viele Winzer in Weinberg und Keller unverzichtbar. Dennoch nimmt die Zahl der Weine ohne zugesetzte Sulfite ständig zu. Was verbirgt sich hinter dem Trend und wo liegen die Vorzüge und Nachteile schwefelfreier Gewächse? Eine Auswahl an Weinen, die ohne zugefügte Sulfite oder mit insgesamt weniger als 30 mg/L auskommen, haben wir »hier für Sie zusammengestellt. 

Gut gelagert

Dunkel, gleichmäßig gekühlt, nicht zu trocken sowie frei von Erschütterungen und Gerüchen – so die wichtigsten Eckpfeiler der professionellen Weinlagerung. Mit welchen Systemen die Hersteller die perfekte Reifung Ihrer Gewächse garantieren wollen und welche Weinregale durch eine herausragende Optik punkten, können Sie im Artikel unserer neuen WEINWELT-Volontärin Sophia Langhäuser nachlesen.