Tobias Lindner ist Barchef des Stuttgarter Jigger & Spoon und amtierender Champion der Made in GSA Competition (Foto: Leo Dörfler)
Tobias Lindner ist Barchef des Stuttgarter Jigger & Spoon und amtierender Champion der Made in GSA Competition (Foto: Leo Dörfler)

"Man sollte sich Obstbrände trauen"

Heimischer könnte eine Spirituose kaum sein, doch an der Bar und in Cocktails sind Obstbrände dennoch die Exoten. Warum eigentlich? In unserer brandneuen Printausgabe haben wir die Destillateure nach ihrer Einschätzung gefragt. Außerdem stellen wir die besten Obstbrände und -geiste des Jahres beim International Spirits Award vor. Tobias Lindner ist Barchef im Stuttgarter Jigger & Spoon und benutzt Obstbrand gerne in vielfältigen Cocktailkreationen. Wir haben drei Fragen an den Gewinner der Made in GSA-Competition 2021 gestellt.

Interview: Mia Bavandi

Was fasziniert dich an Obstbränden?

"Meistens handelt es sich um Produkte, die jeder kennt und die Regionalität widerspiegeln. Die Heimat auch im Glas in wunderbarer Qualität zu schmecken, finde ich spannend. Zudem lässt sich Nachhaltigkeit in der Gastronomie gut durch den Einbezug von Bränden abbilden. Man hat die Möglichkeit, die Aromen von Früchten weit über ihre Saison hinaus zu konservieren. Mir persönlich macht es besonders viel Spaß, meine Gäste mit Produkten zu begeistern, die sie vielleicht sogar im eigenen Garten finden können."

Bei der Made in GSA-Competition hast du in deinem Siegerdrink auf Quittenbrand gesetzt. Warum?

"Quitte ist eine unverwechselbare und vielseitige Frucht, die zum einen Tiefe und Wärme, zum anderen Exotik und Komplexität zeigt. Sie kann sehr viel Länge und Körper in einen Drink bringen. Außerdem verbinde ich damit viel Persönliches: meine Großmutter hatte einen Quittenbaum im Garten, was den „goldenen Apfel“ zum Steckenpferd der Familie machte. Es ist schön, mit der etwas in Vergessenheit geratenen Quitte zu arbeiten. Sie verkörpert Regionalität und vermittelt als Teil der Kulturlandschaft ein wenig über Land und Leute."

fizzz #04-22: Dustin Franke, fotografiert von Ben Fuchs
Die Printausgabe
fizzz #04-22

Keine 30 und schon Multi-Bar-Betreiber: Wir porträtieren Dustin Franke und seinen Weg zum prägenden Bar-Entrepreneur der Hauptstadt. Sechs Gastro-Objekte und eine eigene Spirituosenlinie hat der gelernte Betriebswirt mit zwei Partnern bereits an den Start gebracht - einiges davon mitten in der Pandemie.

Außerdem im Heft:

  • Neue Burger-Vielfalt
  • Aperitifkultur in Deutschland
  • Eierlikör ist Kult
  • Obstbrände halten Einzug in die Bar
  • und viele weitere spannende Themen!

Was zeichnet Fruchtbrände aus? Was macht ihren Einsatz in der Bar besonders?

"In unseren Breitengraden ist der Obstbrand als regionales Produkt ein besonderes Thema. Oft reichen zehn bis 15 Milliliter in einem Drink aus, um die bereits erwähnte Tiefe und Komplexität zu entfalten. Ich finde es spannend, im Jigger and Spoon mit Obstbränden und Geisten zu arbeiten. Generell sollte man sie viel stärker in der Kreation berücksichtigen, aber die Menge macht den Unterschied. Manchmal sind es auch nur ein paar Tropfen, die dem Drink einen Mehrwert verschaffen. Ein oder zwei Milliliter von Humbels Bio Rüebli-Brand reichen bereits aus, um eine einzigartige kraftvolle Erdigkeit zu vermitteln. So bleibt auch der Wareneinsatz pro Drink überschaubar. Man sollte sich trauen und sich vorsichtig herantasten. Auch in der Kombination mit Gin oder Tequila sind Obstbrände eine gute Basis."

Der Siegerdrink
"Der Goldene Apfel" heißt Lindners Siegerdrink mit Quittenbrand (Foto: Mixology)
"Der Goldene Apfel" heißt Lindners Siegerdrink mit Quittenbrand (Foto: Mixology)
Der Goldene Apfel
  • 2 cl Humbel No.12 Quittenbrand 2018
  • 2 cl Gilka Kaiserkümmel
  • 2 cl Companion Aperitivo Amalfi Lemon
  • 1,5 cl The Seventh Sense Falernum
  • 2,5 cl Kegler Riesling Verjus

Alle Zutaten auf Eis rund 20 Sekunden lang kalt rühren und in eine vorgekühlte Cocktailschale abseihen. Mit einer frischen Lavendelblüte garnieren. 

fizzz 05/2022

fizzz #05-22

Themen der Ausgabe

Ashkan Mahmoud, Mannheim

Sie sind so vielfältig wie der Stadtteil selbst: Ashkan Mahmouds Konzepte prägen das Mannheimer Szeneviertel Jungbusch. Doch dahinter steckt die Frage, wie Menschen ihre Stadt gestalten. Ein Gastronom zwischen Investoren und Bewohnern, zwischen Luxusloft und Kiezkiosk.

Cityspecial Hamburg

Von Specialty Coffee über Grilled Cheese Sandwiches bis vegetarische Döner – Hamburgs Newcomer des Frühjahrs 2022.

Konzept-Switch

Wie grenzt man sich vom Alten ab und nimmt Bewährtes dennoch mit? Drei gastronomische Relaunch-Geschichten aus der Praxis.