Beschir Hussain & Egor Korolkov, Chefly, Berlin (Foto: Ben Fuchs)
Beschir Hussain & Egor Korolkov, Chefly, Berlin (Foto: Ben Fuchs)

Food Brands & Communities

Chefly, formerly known as Vertical Food, ist angetreten, um den Delivery-Markt zu revolutionieren. Produktionsküchen, virtuelle Restaurantmarken und Food-Kuriere sind dabei nur die Basis einer Business-Idee, die zum Game-Changer in der deutschen Gastronomielandschaft werden könnte.

Text: Barbara Becker

Dieses Close Up erschien ursprünglich in der Ausgabe #06-22 des fizzz Magazins. Für diese Veröffentlichung wurde der Text an einigen Stellen gekürzt. Die Printausgabe können Sie hier bestellen.

Ihr Ziel: der Auf- und Ausbau einer Infrastruktur für populäre Food-Angebote aus ganz Deutschland – und darüber hinaus. Die beiden Männer an der Spitze von Chefly vereinen internationale Business-Erfahrung mit Delivery-Know-how: Bevor CEO Beschir Hussain 2017 Vertical Food – das nach der Beteiligung von Unilever in Chefly umbenannt wurde – gründete, hatte er bereits in sechs Ländern den Liefer-Marktplatz Hellofood aufgebaut und an Delivery Hero verkauft. Grenzerfahrung sammelte der passionierte Sportler als Profi-Kletterer auf den höchsten Bergen der Welt wie dem Kilimandscharo und dem Mount Everest. 

Abholung, eigene Lieferung oder über den Delivery-Partner? Die Order-Terminals sind die Schaltzentrale (Foto: Ben Fuchs)
Abholung, eigene Lieferung oder über den Delivery-Partner? Die Order-Terminals sind die Schaltzentrale (Foto: Ben Fuchs)
Pizza ist das Lieblingsessen der Deutschen und spielt auch bei Chefly eine große Rolle (Foto: Ben Fuchs)
Pizza ist das Lieblingsessen der Deutschen und spielt auch bei Chefly eine große Rolle (Foto: Ben Fuchs)

Co-Founder Egor Korolkov, der als CFO das Finanzmanagement des Unternehmens verantwortet, bringt Erfahrung aus seiner Tätigkeit für das Beteiligungsunternehmen Rocket Internet und der Investmentgesellschaft BlackRock mit, wo er in verantwortlicher Position unter anderem die Implementierung der Risiko- und Investmentplattform Aladdin steuerte. Das sind keine schlechten Voraussetzungen für den Aufbau einer zukunftsorientierten Business-Idee, die gemeinsam mit einem finanzstarken Partner umgesetzt wird. 

Beschir Hussain gründete 2017 das Vorgänger-Unternehmen Vertical Food (Foto: Ben Fuchs)
Beschir Hussain gründete 2017 das Vorgänger-Unternehmen Vertical Food (Foto: Ben Fuchs)

Die Plattform Chefly.de soll einerseits Beständigkeit bieten und andererseits die Möglichkeit eröffnen, mit verschiedenen Konzepten zu experimentieren: Spannende Angebote können über diese Infrastruktur immer wieder Fuß fassen und Reichweite generieren. Weniger beliebte Angebote können deaktiviert oder entfernt werden. Aber niemand muss einen Laden schließen. Wie bei Netflix, das als Businessmodell Inspiration liefert, werden Inhalte, die nicht mehr so spannend sind, durch den Algorithmus nach hinten geschoben. 

Beschir Hussain (Foto: Ben Fuchs)
Beschir Hussain (Foto: Ben Fuchs)

„Die Küche funktioniert wie der Server von Netflix: Statt Filme findet der Endkunde auf der Oberfläche die verschiedenen Food-Brands, die entweder von uns entwickelt oder von Kooperationspartnern aufgeschaltet wurden.“

Beschir Hussain
CEO Chefly

Egor Korolkov: „Für die gastronomische Expansion in neue Regionen gibt es verschiedene Optionen: Alleine, was die Entwicklung eines Standortes voraussetzt, als Franchise-Konzept oder, als neue dritte Option, die Zusammenarbeit mit uns. Wir sehen das als Symbiose zweier Partner, die ihre Stärken zusammenbringen und die Reichweite qualitätsbewusst erweitern können. Basis ist ein hybrides Logistik-Modell, bei dem wir auch mit Anbietern wie Uber Eats, Wolt und Lieferando kooperieren.“

CFO Egor Korolkov bringt unter anderem Erfahrung aus dem Investmentbereich mit (Foto: Ben Fuchs)
CFO Egor Korolkov bringt unter anderem Erfahrung aus dem Investmentbereich mit (Foto: Ben Fuchs)
Die Printausgabe
fizzz #06-22

In der Juni Ausgabe haben wir mit Beschir Hussain und Egor Korolkov von Chefly zwei digitale Gastro-Vorreiter im Porträt.

Außerdem im Heft:

  • City Special London
  • moderne Hotel-Gastronomie
  • AFG-Trend
  • Gin & Tonic-Matches
  • und viele weitere spannende Themen!

Umsatz mit Retail-Waren 

„Dem Kunden ist die Foodqualität wichtig“, betont Egor Korolkov. „Wir haben als Kitchen-Operater vieles gelernt, was funktioniert, und was im Delivery Channel zu berücksichtigen ist. Da wir mehrere Marken betreuen, können wir das Angebot effizienter gestalten, denn es handelt sich bei der Zusammenstellung des Portfolios um Warengruppen, die teilweise ineinandergreifen. Die einzelnen Marken im Portfolio sind komplementär, d. h. sie sprechen unterschiedliche Kundenbedürfnisse an, denn wer isst schon eine Pizza um 10 Uhr morgens? Das hilft, die Auslastung der Ressourcen konstant zu halten und reduziert Abfälle.“

Egor Korolkov (Foto: Ben Fuchs)
Egor Korolkov (Foto: Ben Fuchs)

„Die Gründung einer neuen Food-Marke ist zwar einfach, der Aufbau ist aber teuer. Starke externe Brands können dabei sehr hilfreich sein. Deshalb wurde in Kooperation mit Unilever unsere neue vegetarisch-vegane Burgermarke BunUp in Zusammenarbeit mit dem niederländischen Unternehmen The Vegetarian Butcher entwickelt."

Egor Korolkov
CFO Chefly

Chefly selbst hat aktuell sieben verschiedene Marken im Portfolio: Fünf Food (Restaurant)-Marken und zwei Retail-Brands. Dass Beschir und Egor mit ihren Gastronomie-Lizenzen Handelsware auch sonntags ausliefern dürfen, ist ein enormer Vorteil: Rund 50  % des Retail-Umsatzes wird an Sonntagen getätigt. Der Fokus liegt auf 100 Produkten, die statistisch betrachtet wöchentlich gekauft werden – die Bestseller aus dem Handel, sozusagen. Dabei greifen Synergieeffekte mit Waren, die Chefly in seinen Küchen ohnehin für die Zubereitung der Speisen benötigt.

Egor Korolkov gibt Einblick in die Systematik, mit der das Angebot effizient und synergetisch auf- und ausgebaut werden soll: „Der operative Aufwand, um einen neuen Store im Marktplatz aufzusetzen, ist relativ gering. Aber die kulinarische Ausrichtung muss stimmen – wie bei italienischer Pizza, die viele Deutsche als ihr absolutes Lieblingsessen bezeichnen, was eine Vielzahl an Bestellungen mit sich bringt. Darüber wächst das Unternehmen. Eine populäre Ableitung davon wäre eine vegane Pizza, die dem Trend zu nachhaltigem Essen folgt.“

Next step: Frankfurt am Main 

Aktuell sucht Chefly passende Objekte, die zu Lieferküchen umfunktioniert werden können. Die Liefergebiete und damit die Standorte werden unter Aspekten wie Besiedelungsdichte und Kaufkraft beurteilt. Es läuft gut bei Chefly, auch nachdem jetzt die stationäre Gastronomie wieder geöffnet ist. Die Nachfrage wächst kontinuierlich.

„Der Delivery-Anteil im Food-Markt liegt aktuell bei rund 5 %, im Bereich Fashion oder Elektronik wird inzwischen über 30 % des Umsatzes über Online-Kanäle generiert.", meint Egor Korolkov zum nach wie vor großen Potential. 

Bisher produziert und liefert Chefly nur in Berlin. Der nächste Schritt sind Openings in Frankfurt am Main, dort stehen zwei Küchen kurz vor der Fertigstellung und sollen zeitversetzt eröffnet werden. Weitere Standorte sollen folgen. Das Ziel von Chefly bis Ende 2024: 15 Liefer­küchen und 150 digitale Restaurants. 

Weitere Informationen: www.chefly.de

fizzz 08/2022

Themen der Ausgabe

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Selbstbewusst geht Anja Hirschberger, älteste Tochter der „Hans im Glück“-Gründer Gunilla und Thomas Hirschberger, ihren Weg in der Gastro-Branche. Der große Name war dabei nicht nur von Vorteil.

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Eine unschlagbare Vielfalt an Gastronomie-Objekten macht den ehemaligen Industriestandort in Münchens Osten zum Must See mit nach wie vor gewaltigem Potential für die zukünftige Entwicklung.

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