Dreielf, Hildesheim (Foto: Golden Cut Media)
Dreielf, Hildesheim (Foto: Golden Cut Media)

Öffnen in der Krise: Dreielf, Hildesheim

Wie geht es Cafés und Röstereiprojekten, die im Corona-Jahr 2020 eröffnet haben? Was treibt sie um, was treibt sie an?

Teil 2: Dreielf Rösthandwerk, Hildesheim

Jonas Husarek hatte sich das erste Jahr seiner Selbstständigkeit sicherlich anders vorgestellt. Sein „Dreielf Rösthandwerk“, Kaffeeladen mit kleinem Ausschank im niedersächsischen Hildesheim, wollte er bereits Mitte März eröffnen. Coronabedingt stand die Baustelle gut zehn Wochen still, die Eröffnung Mitte Juni schließlich kam pünktlich zu Beginn des Kaffee-Sommerlochs. Lockdown Nummer zwei und alle weiteren Einschränkungen sollten erst noch folgen. Doch im Rückblick zeigt er sich keineswegs verdrossen: „Die Situation hat mir in gewisser Weise geholfen, etwas entspannter in die Sache hineinzuwachsen und meine Kräfte einzuteilen.“ Den Baustopp nutzte er, um den Aufbau des Webshops vorzuziehen. So waren die „Dreielf“-Kaffees (der Name steht für die ersten drei Stellen der Hildesheimer Postleitzahlen) in der Stadt bereits verfügbar, noch ehe die Marke in Form des kleinen Geschäfts im Stadtteil Moritzberg ein Gesicht erhielt.

Dreielf, Hildesheim (Foto: Golden Cut Media)
Dreielf, Hildesheim (Foto: Golden Cut Media)
Dreielf, Hildesheim (Foto: Golden Cut Media)
Dreielf, Hildesheim (Foto: Golden Cut Media)

Trotz bereits zwei aktiver Röstereien in der 100.000-Einwohner-Stadt sieht der studierte Ökotrophologe, der in Fulda bei der Reinholz Rösterei das Handwerk lernte, noch genug Potenzial für sein Unternehmen. „Man muss die Leute nach und nach von ihren jahrelang eingetrunkenen Kaffeemustern wegbringen, ihnen den Weg vom Supermarkt- zum Spezialitätenkaffee ebnen. Das ist wie eine Reisebegleitung.“ Er versucht dies mit einem Sortiment von je drei Espresso- und Filterkaffees, von denen einer das klassische, dunkle Geschmacksmuster trifft, ein weiterer schon etwas filigraner daherkommt und der dritte den Blick Richtung fruchtige Röstungen weitet. Das heißt täglich: viel beraten und Denkanstöße geben. „Anfangs mussten wir den Leuten aktiv erklären, dass es primär um den Kaffeeverkauf geht und wir keine klassische Gastronomie sind.“ Die Tatsache, dass die gut zehn Innen- und wenigen Außenplätze die meiste Zeit des Jahres ohnehin nicht bewirtet werden durften, hat dabei geholfen, das „Dreielf“ so zu positionieren, wie es Jonas Husarek von Beginn an geplant hatte. Den Verkauf von Equipment und Röstkaffee indes durfte der gebürtige Hildesheimer auch zu Lockdown-Zeiten weiterführen, gerade in der Weihnachtszeit konnte er von seiner Firmierung als Einzelhandel profitieren.  

Jonas Husarek, Dreielf, Hildesheim (Foto: Golden Cut Media)
Jonas Husarek, Dreielf, Hildesheim (Foto: Golden Cut Media)

"Die Situation hat mir geholfen, etwas entspannter in die Sache hineinzuwachsen."

Jonas Husarek
Inhaber Dreielf Rösthandwerk, Hildesheim

Mit Blick auf die Zahlen sagt er: „Es hätte viel schlimmer kommen können.“ Ein solides finanzielles Polster und auf ein Minimum gedrückte private Ausgaben verleihen ihm zusätzlich Luft zum Atmen. „Das Dreielf ist langfristig geplant“, wischt er Corona-Bedenken beiseite und lenkt den Blick auf die kommenden Pläne. Gastronomiekunden will Jonas Husarek hinzugewinnen, lokale Genusspartnerschaften wie mit der Hildesheimer Braumanufaktur ausbauen und irgendwann sich nicht mehr einmieten müssen, sondern auf der eigenen Röstanlage produzieren.

Dreielf Rösthandwerk
Dingworthstraße 20
31137 Hildesheim
www.drei-elf.de

(Text: Benjamin Brouër)

Dreielf, Hildesheim (Foto: Golden Cut Media)

Dreielf, Hildesheim (Foto: Golden Cut Media)

Dreielf, Hildesheim (Foto: Golden Cut Media)

Dreielf, Hildesheim (Foto: Golden Cut Media)

Dreielf, Hildesheim (Foto: Golden Cut Media)

Dreielf, Hildesheim (Foto: Golden Cut Media)