Auch in Corona-Zeiten wagen sich neue Projekte an den Start, wie etwa die Weinbar Trier (Foto: Weinbar Trier)
Auch in Corona-Zeiten wagen sich neue Projekte an den Start, wie etwa die Weinbar Trier (Foto: Weinbar Trier)

Mosel-Ambitionen

Trier war lange mehr für kulinarische Nonchalance bekannt als für höchste Gourmandise. Rustikale Weinstuben im Vorort Olewig, Studententreffs in der Innenstadt und Ausflugslokale am Zurlaubener Moselufer prägten die Szene. Doch zuletzt hat sich eine dynamische Szene an Weinbars und Restaurants entwickelt – in der Stadt und im Umkreis. Einige werden allerdings erst nach Ende des Lockdowns starten.


Weinbar Trier 

Pläne kann man auch in Zeiten der Krise machen – man sollte es vielleicht sogar. So macht es die noch nicht eröffnete Weinbar Trier nahe der Porta Nigra, geleitet von ­Carlo Calchera, den Einheimische aus der hiesigen Speiseeis-Branche kennen. Derzeit wird eingerichtet, die Regale waren bei Redaktionsschluss noch teilweise leer. Sobald sie gefüllt sind – Valeria Trohan zeichnet für den Wein verantwortlich –, stehen dort natürlich viele Flaschen von Mosel, Saar und Ruwer. Neben ganz großen Namen sind auch Aufsteiger wie Hüls oder Köwerich eingeplant. Dazu wird es ein beachtliches Sortiment an Rheingauern und internationalen Weinen geben: Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Luxemburg und Südafrika sind vorgesehen. Als kulinarische Unterlage dienen Flammkuchen, allerdings soll zu jeder bestellten Flasche auch ein kleiner Snack aus Oliven, Käse und Crackern gereicht werden. Ein bisschen italienische Lebensart an der Mosel! 
www.weinbar-trier.de 

 

Das Ju Zwölf bietet neben Wein auch eine stattliche Gin-Auswahl (Foto: Ju Zwölf)
Das Ju Zwölf bietet neben Wein auch eine stattliche Gin-Auswahl (Foto: Ju Zwölf)

Ju Zwölf

Marco und Kaboura Justinger – er stammt aus Trier, sie ist in Traben-Trarbach aufgewachsen – haben die Location des Weinsinnig übernommen und werden nach dem Lockdown als Ju zwölf eröffnen. Für den Wein ist neben der Chefin auch Ingrid Toonen zuständig. Der Name der Bar hat übrigens mit dem Hauptberuf von Kaboura Justinger zu tun, die als Flugbegleiterin arbeitet. Er ist eine Anspielung auf ihren Vornamen und die Hausnummer in der Palaststraße, soll aber auch an das legendäre Flugzeug Tante Ju erinnern. Weingüter von Mosel, Saar und Ruwer bilden den Schwerpunkt des Angebotes, aber internationale Sorten ergänzen das Programm. Kulinarisch beschränkt man sich auf Ergänzungen zum Getränkeangebot: Flammkuchen, Quiche, kalte Platten. Wer ausnahmsweise mal keinen Wein trinken mag, findet in der überdurchschnittlich großen Auswahl an Gin-Sorten mit Sicherheit ebenfalls einen Grund für den Besuch.
www.ju12.de


 

Uli Wagner und Katharina Merl setzen in Ulysses Weinreise auf Bio-Moselaner und ein Portions-Ausschanksystem (Foto: Ulysses)
Uli Wagner und Katharina Merl setzen in Ulysses Weinreise auf Bio-Moselaner und ein Portions-Ausschanksystem (Foto: Ulysses)
Kulinarisch und weintechnisch ein Anziehungspunkt in der Eifel: Das von Sandra und Sebastian Poss geführte Schloss Niederweis besuchen nicht nur Trierer. (Foto: Frank Martini)
Kulinarisch und weintechnisch ein Anziehungspunkt in der Eifel: Das von Sandra und Sebastian Poss geführte Schloss Niederweis besuchen nicht nur Trierer. (Foto: Frank Martini)

Ulysses Weinreise 

Neu und zentral: Das sind Attribute, die auch auf die kleine Weinbar Ulysses Weinreise zutreffen. Uli Wagner und Katharina Merl eröffneten sie im vergangenen Jahr mit überschaubarem, aber fokussiertem Sortiment. Es besteht aus Moselweinen überwiegend biologischen Anbaus, die sich dank eines Konservierungssystems spielerisch entdecken lassen. Die 28 Weine können in drei unterschiedlichen Größen gezapft werden: als Probierschluck, in 0,1- oder 0,2-Liter-Portion. Bekannte Winzer wie Franz-Josef Eifel aus Trittenheim und Nachwuchskönner wie Inga Schmitt aus Oberemmel gehören ins Programm, das sich auch den Luxemburger Weinen (Guy Krier) nicht verschließt. Kulinarisch gibt es, wie in den Trierer Weinbars fast schon üblich, vor allem rustikale Kleinigkeiten: Oliven mit Meersalz und Brot, Käse vom Bio-Bauern, diverse Antipasti oder Demeter-Schinken. Weinflaschen darf der Kunde, zu reduzierten Preisen, mit nach Hause nehmen.
www.ulysses-weinbar.de


Schloss Niederweis

Ein paar Kilometer sind es hinaus aus Trier in die dünn besiedelte Eifel. Der Standortnachteil ist bei genauer Betrachtung keiner, denn ins Schloss Niederweis reisen nicht nur Trierer, sondern auch Bitburger und Luxemburger. Sandra und Sebastian Poss haben das Mitte des 18. Jahrhunderts erbaute Anwesen zu einer kulinarischen Attraktion gemacht – nicht nur der Küche (Bib Gourmand, 15 Gault-Millau-Punkte), sondern auch der Weine wegen. Sandra Poss kalkuliert extrem trinkfreundlich, bietet ein Großes Gewächs von Schloss Lieser bereits für 48 Euro pro Flasche an, ist aber nicht auf die Mosel beschränkt. Philipp Kuhn, Rings oder von Winning aus der Pfalz, Salwey aus Baden, Velich aus Österreich. Dank Coravin gibt es beispielsweise auch ein 2013er Großes Gewächs von Robert Weil (15 Euro pro Deziliter) oder den 1997er Siepi aus der Toskana (17 Euro) glasweise. Mal eben einen Spitzenwein trinken, ohne sich zu verausgaben, funktioniert hier auf einzigartige Weise. 
www.schloss-niederweis.de 

Wolfgang Fassbender