Neu im Glockenbachviertel: Künstlers Weinbar & Handel (Foto: Künstlers Weinbar)
Neu im Glockenbachviertel: Künstlers Weinbar & Handel (Foto: Künstlers Weinbar)

Isarmetropole holt auf

Für eine Metropole wie München ist die Anzahl spannender Weinbars unterdurchschnittlich. Doch abschreiben sollte man die Stadt nicht, denn die Lichtblicke sind unübersehbar, und selbst in der Pandemie tat sich was. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist speziell bei jenen Adressen fair, die sich an die Kenner wenden.

Grapes

Als das Grapes Ende 2016 eröffnete, bedeutete dies für München eine Zeitenwende. Gewiss, es gab schon damals etablierte Adressen, in denen man ausgezeichnet trinken konnte – aber eine moderne, coole, ambitionierte Weinbar wie diese war neu. Stefan Grabler und Markus Hirschler, die Sommeliers, sind beide Österreicher und haben es verstanden, die Bar up to date zu halten. Mit einer unglaublichen Auswahl an Champagner – allein von Jacquesson sind acht Sorten da –, mit einer bemerkenswerten Jahrgangs- und Lagentiefe bei Bürklin-Wolf oder Tement. Mehr gute und folglich nicht ganz billige Burgunder sind wohl in ganz München nicht zu bekommen, aber wer nicht allzu viel Geld ausgeben und dennoch Spannung trinken will, bestellt von Kanaren-Winzer Suertes del Marqués. Im kleinen Speisenangebot stehen bayerische Produkte ganz oben. Während die Winemaker-Nächte längst etabliert sind, ist der Schnitzelmontag vergleichsweise neu.
www.grapes-weinbar.de 

 

Künstlers Weinbar

Auch dem Unangenehmen kann man Gutes abgewinnen. Im Falle von Künstler’s Weinbar ist das der kleine Schanigarten vor der Türe, also dort, wo vor der Pandemie nur Parkplätze zu finden waren. Der in Sachsen-Anhalt geborene Michael Künstler hätte sich die letzten eineinhalb Jahre dennoch einfacher vorgestellt. Mitte 2019 gründete er sein eigenes Lokal und verband zusammen mit seiner Frau Alexandra Weinbar und Weinhandel. Die Leidenschaft für deutsche Gewächse ist unverkennbar, von Alexander Gysler reicht das Angebot bis zu Stephan Kraemer aus Auernhofen oder Ziereisen aus dem Markgräflerland, aber auch Juliana Wieder aus dem österreichischen Neckenmarkt ist beispielsweise vertreten. Die Preise sind für Münchner Standards recht verhalten: Das Glas zu 0,1 Liter kostet von 4 bis maximal 10 Euro. Kalte Kleinigkeiten ergänzen den Wein, an Winzerabenden gibt es aber vielleicht selbstgekochten Coq au Vin. 
www.kuenstlers-weinbar.de

 

Münchens Pflichtadresse in Sachen Wein: das Grapes mit Stefan Grabler (l.) und Markus Hirschler (Foto: Grapes)
Münchens Pflichtadresse in Sachen Wein: das Grapes mit Stefan Grabler (l.) und Markus Hirschler (Foto: Grapes)

Champagne Characters

Tagesbar nennt sich das Konzept des Weinladens Champagne Characters, den man ohne Widerspruch immer noch als einzige Champagner-Boutique Deutschlands bezeichnen kann. Der Unterschied zu einer „normalen“ Bar? Erstens ist nur bis 19 respektive 20 Uhr geöffnet, und zweitens muss man sich mit Champagner begnügen, denn gekocht wird nicht. 
Inhaberin Nicola Neumann erlaubt allerdings das Selbstmitbringen von Essen, verrät aber auch gern, dass es im L’Oca Bianca nebenan reichlich italienische Delikatessen zum sofortigen Naschen zu kaufen gibt. Das Glas Champagner kostet ab 8 Euro, aber die Bestellung einer ganzen Flasche (lediglich 5 Euro Aufschlag auf den Mitnahmepreis) lohnt sich sehr. Schließlich sind mehr als 600 Sorten im Sortiment! Inzwischen existiert auch eine Champagne-Characters-Dependance in Wien, die mit gleichem Konzept arbeitet – und ebenfalls das Mitbringen von Essen gestattet.
www.champagne-characters.com

Bambule

Erst mal muss man sie finden, die neue Bar. Sie befindet sich nämlich versteckt im Schwan Locke Apart­hotel, und man läuft, weil die Ausschilderung dezent gehalten wurde, fast daran vorbei. Drinnen muss man erst die Rezeption passieren, um dann in einer überraschend grossen Bar zu stehen, die fast schon wie ein Restaurant wirkt und auch über Sitzplätze im Hof verfügt. Wolfgang Hingerl und sein Team führen die Dependance des Mural, das ja schon eine Weile lang für kulinarische Furore sorgt, mit jugendlichem Charme. Die Speisekarte ist klein, aber enorm pfiffig, listet Highend-Barfood wie Schweinenacken mit Brioche und Spitzkraut oder Aubergine mit Bergkäse. Die Weinkarte ist smart und bietet keineswegs nur Deutsches. Von Franco Cirellis Frizzante über Odinstal-Weine bis zu Martin Gojers Gemischten Sätzen reicht das Angebot. Dass wirklich manchmal Radau herrscht, wie der Name „Bambule!“ suggeriert, ist übrigens unwahrscheinlich.
www.bambule.bar

Wolfgang Fassbender

Nicola Neumann ist Münchens First-Champagne-Lady (Foto: Miriam Mehlmann)
Nicola Neumann ist Münchens First-Champagne-Lady (Foto: Miriam Mehlmann)
Wolfang Hingerl hat mit der Bambule Bar eine spannende Mural-Dependance geschaffen (Foto: Bambule)
Wolfang Hingerl hat mit der Bambule Bar eine spannende Mural-Dependance geschaffen (Foto: Bambule)

02-2022

Themen der Ausgabe

Panorama

Pechstein - die dunkle Seite von Forst

Pairing

Alexandra Rehberger und Hannah Müller – Weinkompetenz im Schloss Hohenstein

Probe

Brunello – Die neue Hierarchie