Von dreifach besternt bis leger bietet Basels weinaffine Gastro-Szene die volle Bandbreite (Foto: Jürg Waldmeier)
Von dreifach besternt bis leger bietet Basels weinaffine Gastro-Szene die volle Bandbreite (Foto: Jürg Waldmeier)

Drei-Länder-Genuss

Baseler halten sich für besonders weltoffen – und sind es in aller Regel auch. In der Stadt am Rhein ist man es gewohnt, mal eben über die Grenze nach Baden zu fahren oder im Elsass auf ein Glas Gewürztraminer und eine Portion Foie gras einzukehren. Doch auch in Basel selbst haben sich entspannt agierende Weinbars 
und moderne Gastrokonzepte etabliert. 

Chez Grisoni

Man könnte glauben, dass es die Weinbar Chez Grisoni schon immer gegeben hätte. Dafür sprechen die stilvolle Einrichtung mit Fliesenboden im Schachbrettmuster, die Holzregale und die zentrale Lage zwischen Bahnhof SBB und Rhein. Doch eröffnet hat der Laden tatsächlich erst im vergangenen Jahr, und hinter ihm steckt mit Scherer & Bühler ein Weinimport-Unternehmen, das auch über eigene Güter verfügt: die Domaines Grisoni und Grillette. Dass sich Chez Grisoni für Baseler so vertraut anfühlt, könnte auch an René Graf Grandits liegen, einem gelernten Koch, der jahrelang als Sommelier des Restaurants Stucki by Tanja Grandits fungierte und sich hier um den Wein kümmert. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe war erst die Terrasse geöffnet, weshalb das Angebot offener Weine noch auf rund 20 Sorten beschränkt war. Zu essen gibt es, bald auch wieder drinnen, kalte Imbisse à la Trockenfleischplatte, Käse oder Tapenade.
www.chezgrisoni.ch

Französisches Flair und Fondue Vigneronne warten im VinOptimum auf die Gäste (Foto: VinOptimum)
Französisches Flair und Fondue Vigneronne warten im VinOptimum auf die Gäste (Foto: VinOptimum)
Jonas Brucker sorgt im locker-modernen Roots für die passende Weinauswahl (Foto: Roots)
Jonas Brucker sorgt im locker-modernen Roots für die passende Weinauswahl (Foto: Roots)

VinOptimum

Nach der Eröffnung der Weinbar 2017 hatte sich das VinOptimum am Blumenrain im Nu etabliert – auch weil hier das eher selten servierte Fondue Vigneronne auf der Karte steht und die Bar à Vin fast schon einem richtigen Restaurant gleicht. Hinter dem Laden steckt mit der Buess Weinbau & Weinhandel AG übrigens ein etabliertes Handelsunternehmen, was sich am Sortiment (zum Mitnehmen oder zum Vor-Ort-Trinken) ablesen lässt. Myrjam Moriello ist die zuständige Weinfachfrau, Paul Schmutz firmiert seit Anfang als Leiter des VinOptimum. Französische, italienische und spanische Winzer stehen hier hoch im Kurs, allerdings werden die Schweizer Erzeuger im Zuge der Corona-Pandemie noch stärker unterstützt als zuvor. Inoffizieller Hauswein ist der Château Souaillon, der allemal zu Schweizer Snacks, diversen Trockenfleisch- und Käseplättli passt, die man hier findet. Die Buchweizencrêpes indes lassen eher an Frankreich als an Basel denken.
www.vin-optimum.ch
 

Roots

An traditionsreichen Restaurants mit ausgezeichneten Weinkarten und Flair mangelt es in Basel nicht. Im Trois Rois sorgt etwa Sommelier Christoph Kokemoor für die passende Begleitung zum Drei-Sterne-Menü, im Stucki by Tanja Grandits sind Grégory Rohmer und Christian Juppe für den Wein zuständig. Doch nirgendwo geht es so leger und ungezwungen zu wie im Roots, das als Shooting Star unter den Baseler Gourmet-Adressen gilt. Es befindet sich gleich am Rheinufer und setzt auf puristische Moderne. Jonas Brucker trägt Verantwortung für die Weinkarte, der Caminada-Schüler Pascal Steffen ist für die Küche zuständig. Gemüse steht im Vordergrund – man muss nur nach dem Gemüseteller fragen –, die Kombination aus Fenchel und Rotbarbe ist den verliehenen Michelin-Stern wert. Entsprechend fokussiert ist auch die Weinkarte. Salzig-würzige Individualität steht im Zentrum, wie der Pouilly-Fumé von Régis Minet.  
https://roots-basel.ch/de/ 

Das Invino setzt auf ein kompaktes, häufig wechselndes Angebot offener Weine (Foto: Invino)
Das Invino setzt auf ein kompaktes, häufig wechselndes Angebot offener Weine (Foto: Invino)

Invino

Beat Rubitschung ist gleich in doppelter Weise gastro­nomisch aktiv – und das als weinliebhabender Quereinsteiger, der aus der Informatikszene kommt. Das von ihm geführte Rubino ist ein echtes Restaurant, in dem es allerdings keine Weinkarte gibt, sondern mündlich vorgetragene Empfehlungen des Chefs – je nach Zusammensetzung des Menüs. Das Invino befindet sich nur wenige Schritte entfernt und ist die kleine, feine Weinbar-Alternative. Überschaubar, aber sehr persönlich ist das Angebot offener Weine – es gibt jeweils fünf weiße und fünf rote Sorten, häufig wird gewechselt. Allerlei italienische Abfüllungen sind vorhanden, aber immer mehr setzt Rubitschung auf Weine aus Deutschland, der Schweiz und aus Österreich. Das kommt an bei den Baselern. Zumal Wasser, Brot und Olivenöl im Preis der offenen Weine inbegriffen sind. Wer mehr essen will: Jahrgangssardinen, Flammkuchen und die Pasta des Tages zaubern mediterrane Stimmung herbei. 

https://www.invino-basel.ch/de/ 

Wolfgang Fassbender