Galander Online Bar, Berlin - einer von drei Kandidaten für den Titel "Bar des Jahres"
Galander Online Bar, Berlin - einer von drei Kandidaten für den Titel "Bar des Jahres"

Nominiert für "Bar des Jahres": Galander Online Bar, Berlin

Wie lässt sich eine Bar erleben, wenn die Bars geschlossen haben? Der Berliner Gastro-Unternehmer Dominik Galander hat auf diese Frage mit seiner "Galander Online Bar" eine ganz eigene, ebenso charmante wie überzeugende und überraschende Antwort gegeben, bei der analoges und digitales Erlebnis verschmelzen.

In der Pandemie sind sie für viele Bars zur einzigen Einnahmequelle und Verbindung zu den Gästen geworden: Bottled Cocktails, die entweder verschickt oder vom Gast vor Ort abgeholt wurden. Auch Dominik Galander hat das mit seinen drei Bars in Berlin in die Tat umgesetzt, doch ihm fehlte dabei etwas Entscheidendes, nämlich das Zwischenmenschliche, die Kommunikation, die Atmosphäre, die einen Barbesuch so unvergleichlich machen. 

Über einen Freund der Bar stieß er auf eine Software, die in der Regel für digitale Messen und Konferenzen verwendet wird. Mit Bildern aus dem „Galander Kreuzberg" hat Dominik Galander die virtuelle Bar aufgebaut, und ein erfolgreicher Probelauf mit 80 Personen später war die "Galander Online Bar" geboren. Also holte er einen Teil seiner Mitarbeiter aus der Pandemie-bedingten Kurzarbeit und startete seine Version der digitalen Bar. 

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Und die funktioniert folgendermaßen:  

Die Gäste bestellen auf galander.berlin einen Drink vor und erwerben damit eine Eintrittskarte in die digitale Bar. Wer erstmal gucken will, kann für fünf Euro nur die Eintrittskarte kaufen und sich zu Hause selbst den Drink seiner Wahl bereitstellen. Der Drink wird frisch gemixt und in eine Flasche abgefüllt und kann per Bote gebracht oder im Liquor Store neben der Galander Bar in Kreuzberg abgeholt werden. Per Mail erhält man eine Bestätigung und einen Link zur digitalen Bar (Öffnungszeiten Freitag und Samstag ab 18 Uhr). Mit einem Avatar nähert man sich den anderen Gästen, dem Barkeeper, der live in der Bar steht, oder der Bühne, dann öffnet sich ein 2-Wege Video-Chat wie bei Skype oder Zoom, man kann sich individuell unterhalten, den nächsten Drink bestellen (und zusehen, wie er gemixt wird), der Live-Musik zuhören. Wer am selben Abend einen zweiten Drink bestellt, erhält ihn in weniger als 60 Minuten per Bote zugestellt. Das Liefergebiet ist ein 5-Kilometer-Radius um die Bar in der Großbeerenstraße in Kreuzberg.

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"Die Gäste sollen nach einer Viertelstunde vergessen haben, dass sie vor dem Laptop sitzen. Das klappt auch sehr gut. Wir können die echte Bar zu 95 Prozent abbilden", sagte Dominik Galander in einem Interview für den Bar Convent Berlin. In der Spitze haben sich bis zu 100 Gäste an einem Abend von dem nahezu authentischen Bar-Feeling überzeugt. Zu dem originalgetreuen Erlebnis trägt auch bei, dass die Mitarbeiter in ihrer Arbeitskleidung vor Ort in der Bar sind. Auf einem Flatscreen, der vor dem Tresen steht, sehen sie, wer sich online an den Tresen setzt und können die neuen Gäste begrüßen. Eine weitere Servicekraft läuft per Avatar herum und erkundigt sich, ob alles in Ordnung ist.    

Auch jetzt nach Wiedereröffnung der regulären Bars läuft die Online Bar vorerst weiter, parallel zum Real-Geschäft, schließlich könne man so auch viele Gäste empfangen, die nicht in Berlin wohnen, so Dominik Galander. Außerdem organisiert das Team pro Woche drei bis vier Firmen-Events online. Was zeigt: Die virtuelle Bar ist viel mehr als ein reines Corona-Hirngespinst, sie kann zum spannenden neuen Geschäftsmodell werden. 

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