Neue Welt: Weiß

MEININGERS WEINWELT
Issue: 
01
2019
Jeudi, 14. Février 2019 - 10:15
Tastings

Die Weißweine aus der Neuen Welt überraschten einst die Alte: modern und mit Schliff, aromatisch, stoffig, dicht ... Die Euphorie der Neunziger hat sich jedoch gelegt. Das aktuelle Angebot zeigt Höhen und Tiefen.

Text: Michael Hornickel

Foto: iStock.com/Silberkorn

Grasgrüne Sauvignons aus Neuseeland, nussig-cremig-buttrige Chardonnays aus Kalifornien, dicke, dichte Chenins aus Südafrika – der kellertechnisch hohe Standard der Übersee-Weine ist bekannt. Umso mehr verwirrte uns ein wenig das Gesamtergebnis unserer Verkostung von rund 200 Weißweinen aus Übersee. Die Vergleichsprobe war zwar nicht gesichert repräsentativ, erlaubte jedoch einen guten Einblick in das aktuelle Niveau, zumal alle Preisklassen (von 5,00 bis über 50,00 Euro) und Herkünfte breit vertreten waren.

So richtig überzeugen konnte das Gesamtniveau dann aber nicht. Immerhin drei Viertel der Proben erhielten zwar überdurchschnittliche Bewertungen (ab 81 Punkte aufwärts), ein Viertel aber eben nicht. Rund jeder zehnten Probe konnten die Verkoster nicht einmal einen zufriedenstellenden, technisch einwandfreien Standard attestieren, darunter sogar erschreckend viele hochpreisige Weine. Bei den Mängeln handelte es sich selten um klassische Weinfehler, vielmehr zeigten sich einige Proben strapaziert, gezehrt, unausgewogen, vom Holz erschlagen oder gar oxidiert.

Ein weiteres Thema sind die hohen Alkoholgrade: Während beim Sauvignon geschmacklich eher die leichte Frische gesucht wird (40 Prozent dieser Proben trotzdem 13,5 %vol. und mehr aufweisen), sind die Chardonnays meist voluminöser ausgelegt (beinahe jede vierte Probe mit 14 %vol. und mehr). Viele der alkoholreichen Weine (etwa um die 14,5 %vol.) erreichten keine hohen Bewertungen, auch nicht die in den höheren Preisklassen. Nur höhere Gradation, Extrakt, enorme Dichte und Konzentration machen noch lange keinen angenehmen Weingenuss.

Wir präsentieren hier unsere Auswahl innerhalb ihrer Preisklassen, wobei die Preisangaben von den Anstellern stammen und nicht immer am Markt auch zu diesen Kursen zu finden sind. Gerade die Preiseinstiegs-Klasse (unter 7,50 Euro) glänzte übrigens mit einer guten Ausbeute an „sehr gut“ (ab 85 Punkte aufwärts) bewerteten Tropfen. Das schaffte immerhin mehr als die Hälfte, also mehr als im Preisbereich darüber (7,50 bis 10,00 Euro). Unterhalb von 10,00 Euro sind also leckere Weine zu finden, ein paar Euro mehr aber keine Garantie.

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