Champagner 2012

WEINWIRTSCHAFT
Martes, 2. Octubre 2012 - 12:00
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Eines zeigte die mit 216 Proben größte Champagner-Verkostung in Deutschland ganz deutlich: Das Champagner-Angebot auf dem deutschen Markt war nie so groß und vielfältig wie heute. Das Geschäft in 2012 verlief bisher eher träge. Doch zum Jahresende wird ein Feuerwerk erwartet.

Es war die sehr wahrscheinlich größte Champagner-Verkostung, die bisher an einem Tag in Deutschland stattgefunden hat. Rekordverdächtige 216 Champagner waren eingereicht worden, von Winzerchampagner über die großen Marken bis hin zu den weltbekannten Prestigecuvées traditionsreicher Häuser. So liefert diese Verkostung einen sehr repräsentativen Überblick über die aktuell verfügbaren Qualitäten. Und diese sind mehr als beachtlich. Gerade mal sieben Champagner konnten kein wenigstens »gutes« Ergebnis erzielen, zwei davon wegen fehlerhafter Korken, die anderen fünf waren nur zufriedenstellend oder ausreichend. Eine wirklich sehr geringe Ausfallquote und ein klarer Beweis dafür, wie die Champagnerhäuser und Genossenschaften den Wert ihrer Marke zu schätzen wissen.

Das zeigt sich auch beim Blick auf die Bewertungen. Nur 16 Proben, und damit 7 Prozent der Champagner, erreichten gerade einmal »gute« Bewertungen (81 bis 84 Punkte). 104 Champagner (48%) waren »sehr gut« (85 bis 88 Punkte), was angesichts des Preisniveaus natürlich auch der Anspruch sein muss. Fast jeder vierte Champagner konnte »herausragende« Bewertungen (89 bis 91 Punkte) erzielen, weitere 34 Champagner wurden mit 92 bis 94 Punkten bewertet. Vier Champagner haben eindrucksvoll ihr Weltklasseniveau bewiesen. Einer davon kostet weniger als 50 Euro und ist damit das absolute Luxus-Schnäppchen (Alfred Gratien Vintage 1999). Bei den Jahrgängen sind aktuell der sehr gute, frische und saftige 2004er sowie die kräftigen, vielleicht etwas schwerfälligen 2005er und 2006er erhältlich, die jedoch aufgrund ihrer niedrigeren Säurewerte mit Sicherheit ihre Liebhaber finden und gut auf dem Markt ankommen. Endlich zeigen auch die hochgelobten 2002er ihre ganze Klasse: Nach acht bis neun Jahren Hefelager hat dieser kraftvolle, üppige Jahrgang offenbar sein Gleichgewicht gefunden.

Eine weitere erfreuliche Erkenntnis der Verkostung: Immer mehr Erzeuger geben auf dem Rückenetikett das Datum oder wenigstens den Zeitraum des Dégorgements an, hier und da wird auch die Höhe der Dosage verraten. Für den Verbraucher ist dies immer ein gutes Zeichen, denn es handelt sich garantiert um einen ambitionierten Erzeuger. Ein Zeichen für die Attraktivität des Champagner-Segments ist auch die wachsende Zahl an Importeuren und Agenturen mit einem breiten Champagner-Sortiment. Beispielhaft seien Sébastien Visentin Vin sur Vin in Berlin und Vin et Vie in Vallendar genannt.

Richard Grosche und Sascha Speicher

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