Deutscher Brauer-Bund warnt vor Pleitewelle

Wednesday, 16. September 2020 - 12:00
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Eine neue DBB-Umfrage zeigt die dramatischen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Brauwirtschaft. (Foto: Pixabay)

Die Corona-Krise hat massive Auswirkungen auf die deutsche Brauwirtschaft. Nach einer Branchenumfrage des Deutschen Brauer-Bundes (DBB) ist der Bier-Absatz im ersten Halbjahr 2020 in den Unternehmen um 16 Prozent zurückgegangen, der Umsatz lag im Schnitt um 19 Prozent unter dem Vorjahr. Wie stark die deutschen Brauer derzeit wirtschaftlich unter Druck stehen, belegen auch Zahlen des Statistischen Bundesamtes – Destatis.

Für das Gesamtjahr 2020 rechnen die Mitgliedsbrauereien des DBB eigenen Angaben zufolge mit einem Absatzminus von mindestens 14 Prozent und mit einem Umsatzeinbruch von durchschnittlich 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Je stärker Brauereien von Gastronomie und Veranstaltungen abhängig seien, desto höher der wirtschaftliche Schaden. In einzelnen Unternehmen seien die Umsätze existenzbedrohend um bis zu 70 Prozent zurückgegangen. Brauereien, die ihre Biere hingegen hauptsächlich über den Handel absetzen oder in den Sommermonaten vom Inlandstourismus profitieren konnten, kämen deutlich besser durch die Krise heißt es seitens des DBB. An der aktuellen Umfrage des DBB beteiligten sich 80 Brauereien aller Größen, so der DBB. Die Zusammensetzung des Panels spiegele in etwa die Größenrelationen der Branche wider, dennoch könne die Befragung nur als Stimmungsbild verstanden werden und sei nicht repräsentativ, macht der Verband deutlich.

Kritik an unzureichenden Hilfen von Bund und Ländern

Staatliche Hilfen, von denen Brauwirtschaft und Gastronomie profitieren könnten, werden laut DBB von der Branche überwiegend als nicht ausreichend bewertet. Mehr als die Hälfte der Brauereien (54 Prozent) wünsche sich mehr Hilfe von Bund und Ländern. Nur ein Viertel (25 Prozent) habe angegeben, dass die Unterstützung des Staates ausreichend sei.

Nach Angaben des Deutschen Brauer Bund  würden viele der befragten Brauereien eine Beibehaltung der bis 31. Dezember 2020 befristeten Mehrwertsteuersenkung fordern und analog zu Speisen eine Ausweitung auf Getränke in der Gastronomie. Eine zentrale Forderung an die Länder sei es, Außengastronomie auch im Herbst und Winter zu ermöglichen. Alle Betriebe mit reiner Schankgastronomie sollten die Möglichkeit erhalten, den Betrieb mit reduzierter Besucherzahl unter bestimmten Auflagen wiederaufzunehmen. Für die Braubetriebe wird laut DBB „mehr Flexibilität bei den Genehmigungen staatlicher Hilfsanträge bei gleichzeitig weniger Bürokratie eingefordert“. Ein wichtiges Anliegen sei auch die Verlängerung von Insolvenzmeldepflichten. Viele Betriebe sprächen sich explizit für eine Aufhebung der Stundungsregelung für die Biersteuer aus bzw. einen Erlass bis zum Ende der Corona-Einschränkungen. Ein häufig geäußerter Wunsch sei auch die Rückkehr zur alten Biersteuermengenstaffel.

Kritische Situation in der Gastronomie - Leergutversorgung bleibt angespannt

Die wirtschaftliche Lage der Gastronomiebetriebe in ihrem jeweiligen Kundenkreis stuften die befragten Brauereien überwiegend als kritisch ein. Auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 1 für eine eher entspannte und 10 für eine sehr kritische Lage steht, gaben sie dem DBB zufolge durchschnittlich einen Wert von 7 an.

Die Leergutsituation in der deutschen Brauwirtschaft bleibe ebenso angespannt, immer wieder komme es regional zu Engpässen bei Flaschen und Kästen. Die Brauereien schätzten die Leergut-Versorgung ihrer Brauerei gegenwärtig mit einem Wert von 4 ein, wobei auf der Skala 1 für "keine Engpässe" und 10 für "gravierende Engpässe" steht.

Knapp 70 Prozent der Brauereien kürzen ihre Werbeetats

So wie zahlreiche Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft bereits angekündigt hätten, ihre Werbeaktivitäten und Budgets in diesem Jahr zu reduzieren, wollten dem DBB zufolge auch mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der befragten Brauereien in 2020 die Werbeausgaben im Vergleich zum Vorjahr kürzen. Nur eine Minderheit von 23 Prozent der Brauereien hätten laut DBB-Umfrage angekündigt, die Werbeausgaben nicht zu verändern. 8 Prozent der Unternehmen wollen ihre Werbeaktivitäten ausweiten.

DBB-Präsident Dr. Jörg Lehmann warnt vor Pleitewelle

„Die Umfrage unterstreicht: Für die deutsche Brauwirtschaft ist 2020 eines der schwierigsten Jahre ihrer Geschichte", sagte der Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, Dr. Jörg Lehmann, anlässlich der Vorstellung der aktuellen Branchenumfrage in Berlin. Auch wenn sich der Handelsabsatz in Teilen erholt habe und sich die Situation in manchen Exportmärkten entspanne, bleibe der Fassbierabsatz im Keller. "Der stark eingeschränkte Betrieb der Gastronomie und die Absage zehntausender Veranstaltungen und Feste schlägt direkt auf die Brauereien durch", so Lehmann. Je höher der Gastronomie-Anteil einer Brauerei, desto massiver seien die Umsatzeinbrüche. "Einzelne Braubetriebe mussten in den zurückliegenden Monaten Umsatzrückgänge von mehr als 70 Prozent verkraften - und die Durststrecke ist noch lange nicht zu Ende."

DBB-Präsident Dr. Jörg Lehmann und Hauptgeschäftsführer Holger Eichele betonten, der Deutsche Brauer-Bund stehe solidarisch an der Seite der Hotel- und Gaststättenverbände sowie der Veranstaltungsbranche und fordere von der Politik ein klares Bekenntnis zum Erhalt der gastronomischen Strukturen in Städten und Gemeinden. "Die Gastronomie und die Veranstaltungswirtschaft befinden sich in akuter Not. Für die einen war der Neustart bislang wegen der niedrigen Gästezahlen wenig rentabel, die anderen werden noch auf Monate hinaus nicht öffnen dürfen", sagte Lehmann. Noch sei völlig unklar, wie die Branchen den Herbst und den Winter durchstehen sollen. Brauer-Präsident Lehmann: "Viele Hotels, Kneipen, Bars, Clubs, Restaurants, Konzerthallen und Messen stehen am Abgrund. Wir brauchen eine Politik mit Augenmaß, die bereit ist zu einer ehrlichen Analyse und einer offenen Diskussion. Ziel muss es sein, wirksame Strategien und Hilfen auf den Weg zu bringen, die dem in Not geratenen Gast- und Veranstaltungsgewerbe ein Überleben sichern. Wenn nichts geschieht, droht spätestens im nächsten Frühjahr eine Pleitewelle, wie wir sie nie zuvor erlebt haben." DBB//pip