Sri Lanka - Kuriose Tradition

Text: Martin Specht
2015
Thursday, 29. October 2015 - 10:15

Wein aus Sri Lanka? Viele würden schwören, dass es dort gar keinen Weinbau gibt. Aber im Norden der Halbinsel Jaffna wird im Rosarian Convent eine Tradition aufrechterhalten.

Unverkennbar: die Landschaft Sri Lankas / Credits: Martin Specht

Die Hand berührt eine Traube. Vorsichtig tasten die Finger mit den kurz geschnittenen Nägeln über die Oberfläche der Frucht. Mit dem Daumen der anderen Hand rückt die Nonne ihre Brille auf der Nase zurecht. In der Ferne fliegt ein Militärhubschrauber knapp über der Horizontlinie entlang. Das Geräusch der Rotoren wird lauter, als die Maschine näher kommt. Die schwarze Silhouette – Nase nach unten, wie ein neugieriges Insekt – schießt quer über die Wipfel der Palmen. Schwester Mary hebt den Kopf und schaut zum Himmel. Für einen Moment blitzt das Sonnenlicht in den dicken Gläsern ihrer Brille auf. Dabei hält sie weiter die Traube zwischen den Fingern. So, als wolle sie sich an ihr festhalten. Der Schatten des Helikopters rast über den Boden. Mit einem leisen Rascheln verschwindet eine große Eidechse zwischen den Weinreben. Das Geräusch der Rotoren verhallt in der Ferne. Dann wird es wieder still am Rande der verbotenen Zone. Ganz still.

„Es leben nicht mehr viele Menschen in der Gegend um Tholagatty“, erklärt mir Schwester Mary. „Das Verteidigungsministerium in Colombo hat uns erst vor einigen Monaten gestattet, in unser Kloster zurückzukehren. Seit langer Zeit machen wir hier zum ersten Mal wieder den Wein. Unseren Rosetto.“

Die Nonnen des Rosarian Convent mussten das Kloster im Norden der Halbinsel Jaffna während des Bürgerkriegs 1992 auf Befehl der Armee verlassen. Die ganze Gegend war zu einer „High Security Zone“ erklärt worden. Während des Konflikts wurden im Norden und Osten Sri Lankas Dutzende solcher Zonen eingerichtet. Die Bewohner mussten die Gebiete räumen und die Armee bekam das Recht, jeden, der sich dort aufhielt, zu bekämpfen. Straßen und Häuser wurden vermint, wahllos mit Artillerie beschossen, und Patrouillen machten Jagd auf die Tamil Tigers. De facto wurden diese Zonen zum Niemandsland zwischen den unklaren Fronten des Bürgerkriegs.

Nach dem Ende des Konflikts – im Jahr 2009 wurde die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) in einer brutalen Schlacht entlang der Nandikal Lagune besiegt – hat die Regierung des Landes damit begonnen, die vormals gesperrten Areale schrittweise wieder freizugeben. Ausländische Hilfsorganisationen beteiligen sich heute an der Räumung tausender Landminen. Auch die deutsche Bundesregierung unterstützt finanziell den Wiederaufbau im Norden Sri Lankas.

„Pray and work“, sagt Schwester Mary – „Beten und arbeiten“ – das sei das Motto des Ordensgründers Father Thomas gewesen. So sei auch der Weinbau im Kloster entstanden. Die 59-jährige Nonne streicht ein letztes Mal mit der Handfläche über die Blätter des Weinstocks, der sich neben ihr in die Höhe reckt. Zum Schutz vor den Krähen haben die Nonnen Netze über die Pflanzen gespannt. Mit langsamen Schritten geht Schwester Mary auf die kleine Kapelle neben dem Hauptgebäude zu.

Gründer des Klosters: Vater Thomas / Credits: Martin Specht„Father Thomas“, fährt sie fort, die Geschichte des Ordens zu erzählen, „wurde 1886 in Jaffna geboren.“ Damals hieß die Insel noch Ceylon und war britische Kolonie. Nach den Portugiesen und Holländern waren die Engländer 1796 während der Napoleonischen Kriege auf Ceylon gelandet und eroberten in den Folgejahren das gesamte Eiland. Die erste – wenn auch kryptische Erwähnung – von Wein auf Ceylon findet sich in einer zeitgenössischen Chronik aus dem 16. Jahrhundert. Der singhalesische Erzähler berichtet darin von der Ankunft portugiesischer Seefahrer an der Südküste Ceylons: „Es sind merkwürdige Menschen. Sie essen eine Art weißer Steine und trinken Blut.“ Wahrscheinlich hat es sich bei den „weißen Steinen“ um Käse gehandelt; das dazu getrunkene Blut war mit ziemlicher Sicherheit Rotwein.

Im 16. Jahrhundert war Ceylon – ähnlich dem Italien der Renaissance – ein Land der Fürstentümer und Königreiche. Die Vedda genannten Ureinwohner der Insel waren von singhalesischen und tamilischen Einwanderern aus Indien weitgehend verdrängt worden. Die aus Nordindien stammenden Singhalesen verehrten Buddha, die aus Südindien stammenden Tamilen waren überwiegend Hindus. Bereits im 12. Jahrhundert war in Jaffna ein tamilischhinduistisches Königreich entstanden. Im Landesinneren Sri Lankas dagegen beherbergt bis heute eines der wichtigsten Heiligtümer des Buddhismus, der Zahntempel, einen Eckzahn des Religionsstifters als Reliquie. Mit der Ankunft der Europäer auf Ceylon begann die christliche Missionierung auf der Insel.

Im Schatten der Kapelle angelangt, verharrt Schwester Mary einen Moment lang und streift die Flip-Flops von den Füßen. Sie trägt die Plastiksandalen zu ihrem weißen Habit. Die Steinplatten der Kapelle sind im Schatten angenehm kühl unter den Fußsohlen. Draußen ist es 38 Grad heiß. In einer Ecke des Raumes hängt ein Bild des Ordensgründers. Buntes Licht fällt durch die kunstvoll verglasten Fenster auf eine Marienstatue. „Die Statue kommt aus Indien“, sagt Schwester Mary mit einem Lächeln. „Es ist das Geschenk eines Ordens aus Tamil Nadu.“ Durch die geöffnete Tür schauen wir einem leuchtend gelben Vogel zu, der draußen pfeilschnell knapp über den Boden fliegt. Er trällert laut vor sich hin, als wolle er sein Revier gegen die menschlichen Störenfriede verteidigen. Wahrscheinlich müssen sich auch die Tiere erst wieder an die Anwesenheit von Menschen in der Zone gewöhnen. Schwester Mary geht zum Bild des Ordensgründers. „Father Thomas besuchte in Jaffna das St. Patricks College. Das war damals eine kirchliche Einrichtung.“ Während der Kolonialzeit führte der Zugang zu Bildung und dem damit verbundenen gesellschaftlichen Aufstieg meistens über christliche Schulen. Im 18. Jahrhundert kamen etwa dreiviertel aller Studenten Ceylons aus christlichen Missionsschulen.

Viele Tamilen sprachen hervorragend Englisch – auch wegen der Nähe zum benachbarten Indien – und stiegen in der ceylonesischen Gesellschaft auf. Überdurchschnittlich viele von ihnen – nur etwa ein Drittel der gesamten Bevölkerung sind Tamilen – bekleideten Positionen in der Verwaltung und im Bildungssystem.

„Nach dem College besuchte Father Thomas – damals hieß er noch Anthonipillai – das Priesterseminar in Jaffna, obwohl sich seine Eltern eine säkulare Laufbahn für ihn gewünscht hatten.“ – „Schwester“, wage ich zu fragen, „wie sind Sie eigentlich Nonne geworden? Wahrscheinlich nicht wegen des Weins ...“

Im Halbdunkel wendet sie mir ihren Blick zu. Die beleuchtete Marienstatue spiegelt sich in den Brillengläsern. Schwester Mary lächelt. „Nein, natürlich nicht wegen des Weins“, lacht sie vergnügt. „Es geschah im Jahr 1977. Ich besuchte eine Veranstaltung des Rosarian Convents. Ich sah zu und hörte genau hin. Da wusste ich: Das ist meine Bestimmung. Es war damals anders als zu Father Thomas’ Zeit.“ Sie zögert, weiterzusprechen. Denn die jüngste Vergangenheit ist für viele Einwohner Sri Lankas – Singhalesen, wie auch Tamilen – ein schwieriges Thema.

Im Jahr 1948 wurde Ceylon von den Briten in die Unabhängigkeit entlassen. Repräsentanten aller Bevölkerungsgruppen wurden in das Parlament der jungen Demokratie gewählt. Demographisch bedingt stellten dort die singhalesischen Parteien die Mehrheit dar. Etwa Dreiviertel der ungefähr zwanzig Millionen Einwohner der Insel sind singhalesischen Ursprungs. Im Norden und Osten der Insel dagegen sind die Tamilen die größte dort ansässige Gruppe. 1956 wurde der „Sinhala Only Act“ vom Parlament verabschiedet. Singhalesisch sollte zur offiziellen Sprache Ceylons werden; viele Tamilen begannen, um ihre Rechte zu fürchten. Vier Jahre später forcierte Premierministerin Bandaranaike – erste Premierministerin Asiens – die Implementierung des „Sinhala Only Acts“. Danach kam es zu Aufständen und Pogromen zwischen den beiden Volksgruppen.

„Ich ging in Jaffna zur Schule“, fährt Schwester Mary fort. „1972 war ich sechzehn Jahre alt. In diesem Jahr verschlechterte sich die Situation in Jaffna dramatisch.“ Während sie spricht, wirbelt der Wind etwas Staub über die Stufen zum Eingang der Kapelle. „Vielen Tamilen wurde in dieser Zeit bewusst, dass sich ihr bisheriges Leben ändern würde.“ 1972 war das Jahr, in dem die Verfassung geändert und der Buddhismus zur Staatsreligion erklärt wurde. Ceylon nannte sich von da an offiziell Sri Lanka. Ein radikales Gesetz schloss die Mehrheit der tamilischen Studenten von den Universitäten des Landes aus. Im selben Jahr gründeten sich die militanten Tamil Tigers. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis der Bürgerkrieg offen ausbrechen würde.

Bewässerung der Anlage / Credits: Martin Specht„There will be training tonight“, sagt Schwester Mary, als eine weitere Windböe den Staub der Erde um unsere Füße wirbelt. Ich verstehe nicht, was sie meint. „Training?“ Die Wipfel der Palmen biegen sich im Luftzug hin und her. „Training?“ Es gibt ein Militärcamp ein Stück weit die Straße hinunter. Die Soldaten bewachen die Sicherheitszone. Vielleicht trainieren sie irgendwas. Oder es geht um Sport. „Cricket?“, frage ich Schwester Mary. Cricket ist beliebt auf Sri Lanka. Jetzt schaut sie mich fragend an. „Training?“, noch mal.

„Yes“, sagt sie. „Raining. There will be raining tonight. That is good for our wine.“ Das phonetische Rätsel ist gelöst. Es soll in der Nacht regnen. Die Weinreben können das Wasser gut gebrauchen. Der Norden Sri Lankas ist heiß und – verglichen mit dem Süden – relativ trocken. Früchte gediehen schon immer gut auf der Jaffna-Halbinsel. Ich frage Schwester Mary, wie der Wein ursprünglich ins Kloster kam. „Father Thomas war der Erste und Einzige, der jemals erfolgreich Wein auf Ceylon angebaut hat“, sagt sie mit verhaltenem Stolz. „Er startete das ‚Wein-Experiment‘ in den 1930er Jahren.“

Dem „Wein-Experiment“ ging eine Reise nach Europa von Father Thomas voran. Nach dem Abschluss des Priesterseminars hatte der junge Geistliche einige Jahre lang am St. Patrick’s College in Jaffna unterrichtet. Während dieser Zeit sehnte er sich nach mehr Abgeschiedenheit, um seine Spiritualität zu intensivieren. Im August 1927 gründete er darum mit dem Einverständnis des Bischofs von Jaffna das Kloster in Tholagatty. Gemeinsam mit sechs Mönchen begann er, die Gebäude und die zukünftigen Gärten des Klosters herzurichten. Die Gegend um Tholagatty ist sehr karg und trocken. Ohne Pflege und Bewässerung gedeiht hier nichts. Außer Staub.

Die Regeln des Ordens bestimmen bis heute den Tagesablauf: „Pray and work“. Ein Drittel des Tages wird gearbeitet, ein Drittel gebetet und ein Drittel geruht. Die Arbeit diente von Beginn an der Selbstversorgung des Klosters. Die Mönche legten Felder an, auf denen Gemüse und Früchte wuchsen. Einige Jahre später wurde in der Nähe ein eigenes Kloster des Rosarian Convents für Nonnen gegründet.

Von Anfang an strebten die Nonnen und Mönche danach, sich selbst zu finanzieren. Der Anbau von Früchten und Obst bot die Möglichkeit, überschüssige Produkte, die sie nicht selbst benötigten, auf den lokalen Märkten zu verkaufen. Allerdings bewegten sich die Erlöse aus diesen Verkäufen in einem sehr bescheidenen Rahmen. Ein neuer Impuls, der mehr Gewinn versprach, kam durch die Europareise, die Father Thomas durch Frankreich, Italien und Belgien führte, und auf der er die Niederlassungen der Benediktiner und Trappisten besuchte. Der Ordensgründer aus Ceylon sah, wie die europäischen Klöster ihren eigenen Wein produzierten und mit hohem Gewinn weiterverkauften. Wein konnte – im Gegensatz zu leichtverderblichen Früchten – als Produkt in Jaffna und womöglich sogar inselweit angeboten werden. Father Thomas zeigte sich nachhaltig beeindruckt. Leider war Weinbau auf Ceylon ein bis dato unbekanntes Geschäft. Die „bluttrinkenden“ Portugiesen hätten wahrscheinlich – wie in ihren lateinamerikanischen Kolonien – versucht, Reben anzubauen, aber sie waren nicht lange genug auf der Insel geblieben, um einen beständigen Weinbau zu hinterlassen. Nach den Portugiesen kamen die Holländer und die Engländer in ihren Schiffen angesegelt. Beides keine Weinbau-Nationen. Sie setzten auf Kaffee- und Teeplantagen im zentralen Hochland und begnügten sich ansonsten mit Toddy, einem weißlichen Getränk: Palmwein.

Zweimal im Jahr kann hier geerntet werden / Credits: Martin Specht

Wie es der Zufall – oder die Vorsehung – wollte, waren bei Father Thomas’ Rückkehr aus Europa gerade einige Novizen aus Indien in Tholygatty eingetroffen. Father Thomas sprach mit den Mönchen über seine Eindrücke, die er von den Benediktinern mitgenommen hatte. Den Indern war der Anbau von Trauben, Reben und die Herstellung von Wein bekannt. Schon bald trafen die ersten Weinstöcke aus Indien in Tholagatty ein. Ein eigenes Bewässerungssystem wurde gebaut, bei dem die Kanäle aus Beton gefertigt wurden, um kein Wasser zu verschwenden. Das „Weinexperiment“ hatte begonnen. Die Reben trotzten dem Monsun, und sechs Monate später konnte das erste Mal geerntet werden. Nach der Ernte begann man mit der Weinherstellung.

„Das geschieht hier heute auch wieder“, sagt Schwester Mary und schreitet auf ein weißes Gebäude neben der Kapelle zu. „Obwohl der Ort zu einer Wüste geworden war, als wir wieder hierher zurückkehren durften.“ Das Bewässerungssystem war versandet, die Dächer der Gebäude durch Granateinschläge zerstört und der Weingarten komplett überwuchert. Es dauerte Monate, das Kloster wieder bewohnbar zu machen. Zum Glück hatte Father Thomas in den Jahren nach dem Beginn des Weinexperiments Ableger der Reben an die Bewohner außerhalb der religiösen Gemeinschaft abgegeben. Er wollte ihnen eine Einnahmequelle verschaffen. Während die Weinproduktion anstieg und die Nachfrage zunahm, kauften Nonnen und Mönche zusätzliche Trauben von den Bauern an. So sind auf der Halbinsel trotz der Zerstörungen Nachfahren der ursprünglichen Reben erhalten und haben heute wieder einen Platz im Kloster gefunden.

Der starke, erdige Geruch der gärenden Trauben liegt in der Luft, als Schwester Mary den Raum betritt, in dem der Wein entsteht. Ein Gecko verschwindet hinter einem Kruzifix, um dem hellen Licht, das nun von draußen hereindringt, zu entgehen. Die Holzfässer haben den Krieg nicht überlebt. Der Wein gärt in blauen Plastikfässern. Die letzte Ernte hat zwei Tage gedauert. Die Nonnen beschäftigen dazu Männer aus den umliegenden Dörfern. Außerdem helfen die Mönche aus einem benachbarten Kloster mit. Die Praxis, hinduistische Arbeiter während der Weinernte zu bezahlen, hatte schon Father Thomas eingeführt. Für ihn – dem das Kastensystem ein Grauen war – war dies eine subtile Form der Missionierung.

„Wir können zweimal im Jahr ernten“, sagt Schwester Mary im Dämmerlicht. „Die Trauben werden gepresst“, – im Vorraum steht eine Presse mit chinesischen Schriftzeichen – „und der Saft mit Zucker versetzt. Nach sechs Monaten wird der entstehende Wein gefiltert und gärt noch einmal sechs Monate lang. Wir stellen momentan einige hundert Flaschen pro Ernte her.“ Sie hebt den Deckel eines Fasses ein wenig an. Ein unbekanntes Aroma mischt sich mit dem Geruch des entstehenden Weins. „Was ist das Geheimnis?“, möchte ich wissen.

Schwester Mary zeigt den Ordens-Rosé / Credits: Martin Specht„Zimt. Wir tun eine Prise Zimt in den Wein. Nur eine einzige Schwester kennt das Rezept.“ Die genaue Rezeptur für die Weinherstellung wird jeweils nur von einer einzigen Nonne gehütet, die diese dann an ihre Nachfolgerin weitergibt.

Der Rosetto ist mittlerweile auch in kommerzieller Hinsicht wieder ein Erfolg. Seit dem Jahr 2014 können Ausländer Jaffna ohne Genehmigung des Verteidigungsministeriums in Colombo besuchen. Touristen aus Europa, Nordamerika und China kommen in die Stadt und an die fantastischen Strände im Norden der Halbinsel. Das Rosarian Konvent unterhält in Jaffna eine Dependance, der ein der Öffentlichkeit zugänglicher Shop angeschlossen ist. Dort können Interessierte und Enthusiasten den Wein kaufen.

„Vor kurzem“, so die Schwester, „kam ein indischer Geschäftsmann in den Laden und sagte, wir seien die einzigen kommerziellen Anbieter von Wein auf Sri Lanka. Können Sie das glauben?“

Schwester Mary hat Recht. Es gibt einige vermeintlich einheimische Anbieter, die englischen Wein im Land abfüllen und das Produkt dann Ceylon Soundso-soundso nennen. Dieser wird neben dem Toddy und Bananenwein in den Schnapsläden verkauft. Der Sommelier eines Luxushotels in Colombo sagte mir dazu bloß kurz und knapp: „Das ist Essig. Vinegar. Absolut minderwertig. Den werden Sie in keinem guten Restaurant auf der Getränkekarte finden.“ Der Rosetto aus Jaffna ist also auch in dieser Hinsicht schlicht einzigartig.

Als die Sonne hinter den Wipfeln der Palmen verschwindet, geht Schwester Mary noch einmal in den Weingarten. Die Dämmerung bricht schnell herein. Die Nonne steht zwischen den Reben und schaut hinauf zum Himmel. Eine Fledermaus dreht auf der Jagd nach Insekten ihre Runden. Ich bleibe ein Stück zurück und betrachte die Schwester. Sie hat gesagt, der Ort würde jetzt hoffentlich wieder heilen. Es tut den Bewohnern gut, den Wein und die Früchte gedeihen zu sehen. Und so ist die ehemals verbotene Zone heute auch ein heilsamer Ort für ihre Bewohner. Die Menschen, die hierher zurückkehren, sind fast so wie die Weinreben selbst: Hybrid, einer Vielzahl von unterschiedlichen Einf lüssen und Härten ausgesetzt und dabei trotzdem verwurzelt. Schwester Mary sagt, sie müsse nun zur Andacht. Die Schwestern haben einen genau festgelegten Tagesablauf. Pray and work. Bevor sie zur Kapelle geht, schenkt sie mir eine Flasche Rosetto. Im Hintergrund gurgelt das Wasser durch die Kanäle des Bewässerungssystems ...

„We will pray for you“, verabschiedet mich die Nonne. Die Farbe des Himmels geht von einem dunkelnden Blau ins Schwarze über. Man hört den Wind über das Land streichen.

REISE NACH SRI LANKA

Wer den Wein der Nonnen probieren oder kaufen möchte, kann das im Rosarian Shop tun:

Er befindet sich in der Colombuthurai Road No. 48 in Jaffna.

Geöffnet ist er von 8.30 bis 13.00 und 14.00 bis 17.30 Uhr. Täglich außer – angesichts des klösterlichen Lebens wenig überraschend – sonntags.