Kalifornien - Spannender wilder Westen

2012
Wednesday, 26. September 2012 - 12:00
Producer
Wine
Wer nach Kalifornien in Erwartung warmer Temperaturen und dauerhaft strahlender Sonne reist, braucht schon etwas Glück, um nach der Landung in San Francisco nicht enttäuscht zu werden. Denn das Herz des kalifornischen Weinbaus ist vom Pazifik und der weit ins Landesinnere reichenden San Francisco Bay geprägt. Nebel ist daher nichts Seltenes.

Im Sonoma Valley gedeihen die berühmten kalifornischen Weine – auch die Weine der ein oder anderen Berühmtheit wie Francis Ford Coppola

Der positive Seiteneffekt für den Reisenden ist, dass die Hitze nicht zu schlimm wird und angenehm warme Temperaturen nicht nur für die Reben eine angenehme Umgebung schaffen. Tatsächlich ist es der nach Norden durch die Täler von Napa und Sonoma ziehende Nebel, der den Weinbaugebieten ihr großes Potenzial verleiht.
 
Großes Potenzial hat Kalifornien in jeder Hinsicht. So muss man sich auf jeden Fall einen Tag Zeit für San Francisco nehmen. Wer die Cable Cars sich die steilen Straßen hinaufziehen sieht und den salzigen Geruch der San Francisco Bay genießt, der bekommt garantiert Hunger und Durst. In den unzähligen Weinbars zeigt San Francisco sich tief verbunden mit den kalifornischen Weingegenden. An den Wahrzeichen San Franciscos, Alcatraz und der dieses Jahr 75 Jahre alt gewordenen Golden Gate Bridge kommt man natürlich auch nicht vorbei. Die eindrucksvollste Art, die den Eingang zum Pazifik bewachende Brücke zu erleben, ist übrigens per Fahrrad. Wer nach der kleinen Tour Lust auf mehr bekommen hat, für den stellt sich auf der Nordseite der Golden Gate Bridge vor allem die Frage: Welche Route soll ich nehmen? Auf dem Highway No. 1 entlang der Küste oder doch entlang des Highways No. 101 durch das Herz des Sonoma Valleys? Für den Weinliebhaber natürlich keine Frage.
 

Joel Peterson, Ravenswood Winery

Wenn er sich dann die Mayacama Mountains hinauf schlängelt, muss er schon sehr willensstark sein, um keinen Halt beim Tasting Room der Ravenswood Winery zu machen. Hier hat sich Winemaker Joel Peterson seit Jahr und Tag dem Zinfandel verschrieben. In der Vergangenheit war Zinfandel die charakteristische Rebsorte für Kalifornien, doch haben mächtige Cabernet Sauvignons und feine Pinot Noirs sie mittlerweile im Rang der Leitrebsorte abgelöst. Nicht so bei Joel Peterson. Seine Hingabe an die mit der italienischen Primitivo verwandten Sorte zelebriert er mit einer beispiellosen Verbindung mit der Herkunft. Insgesamt sechs „Single Vineyard“- Weine aus Sonoma und Napa bringen das Terroir im Wein hervor. Die zweite Leidenschaft von Peterson gilt übrigens Sportwagen. Wenn man also bei der Rückfahrt von einem Tesla überholt wird, kann man noch einen Augenblick an den Macher der Extrem-Zinfandels denken.
 
Vielleicht nimmt man sich auch ein Beispiel an Peterson und steigt wieder auf das Auto um. Das eröffnet die Gelegenheit, andere Seiten Kaliforniens kennen zu lernen. Wer lässt sich schließlich gerne die Gelegenheit entgehen, die Brandung des Pazifiks zu erleben, wenn er schon so nahe ist, dass er den salzigen Geschmack fast schon durch den Wind transportiert schmecken kann.
 
Äußerst beeindruckend ist auch der Armstrong Redwoods Nationalpark, in dem die Küstenmammutbäume, die von den Einheimischen Redwoods genannt werden, unbeeinf lusst vom Menschen ein Habitat gefunden haben. Die majestätischen Bäume, die bis zu 2 500 Jahre alt werden können, wachsen weltweit nur hier in Küstennähe auf einem Streifen von rund 55 Kilometer Breite und bieten ein urwüchsiges Naturschauspiel.
Nach so vielen Naturerlebnissen kommt auch wieder Durst auf Wein. Sonoma bietet natürlich mehr als nur Zinfandel. Bei der Francis Ford Coppola Winery hat man die Gelegenheit zu einem einzigartigen höchst amerikanischen Urlaubsaufenthalt. Hier entspannt man sich am großen Pool und kann Filmkulissen sowie Requisiten aus Coppolas Filmen begutachten, sei es der Pate, Dracula oder ein Original Tucker-Automobil. Mit der Detailversessenheit eines Regisseurs greift Coppola übrigens auch in die Abläufe seines Weinguts und des angeschlossenen Restaurants mit erfrischend unkomplizierter italienischer Küche ein.
 
Sonoma County, mit 25 000 Hektar Rebfläche etwa so groß wie Rheinhessen
Sonoma County, mit 25 000 Hektar Rebfläche etwa so groß wie Rheinhessen, ist in zwölf American Viticultural Areas (AVA) unterteilt, die der genaueren Herkunftsbestimmung der Weine dienen. Mit die bekanntesten sind das Russian River Valley und das Alexander Valley. Zwischen den AVAs zeigen sich große Unterschiede in Boden und Klima. So sind der Westen und Süden Sonomas tendenziell kühler, weil sie früher am Tag vom klimabestimmenden Nebel heimgesucht werden. Auch für Geologen ist die Gegend ein Paradies. Durch die tektonischen Bewegungen von pazifischer und amerikanischer Kontinentalplatte ergeben sich ständig wechselnde Bodenzusammensetzungen, was natürlich auch dem Spektrum der Weine entgegenkommt.
 
Die Kombination dieser Faktoren macht Sonoma zu einem der interessantesten Plätze auf der Welt für den komplexen Pinot Noir, der hier mit 4 850 Hektar Anbauf läche sogar den Cabernet Sauvignon auf den dritten Platz verdrängt. Besonders interessant ist die AVA Los Carneros im Süden von Sonoma. Nicht nur findet der Pinot Noir hier an den Hängen ideale Bedingungen, Los Carneros ist auch bemerkenswert, weil es eine Grenz-AVA ist, die sowohl zu Sonoma als auch zu Napa gehört. Der zu Sonoma gehörende Teil ist dabei stärker vom Wind beeinflusst und bringt dadurch den typisch kalifornischen fruchtigen Charakter hervor, der die Weine so beliebt macht, während die Weine aus Napa mehr Körper und Struktur mitbringen, was sich natürlich auch interessant verbinden lässt. Der deutsche Auswanderer Walter Schug hat sich hier mit seinem Weingut einen Traum erfüllt und zieht mit seiner tiefen Leidenschaft für Pinot Noir jeden Besucher in seinen Bann.
 
Während Pinot Noir in Sonoma die am meisten angebaute rote Rebsorte ist, spielt sie in Napa nur eine Nebenrolle. Hier sind die berühmten Cabernet Sauvignons beheimatet, die mit ihrer internationalen Klasse die Weinwelt in Atem halten und die Basis für den Ruhm des Napa Valleys gelegt haben. Auch das Napa Valley erstreckt sich in einer Nord-Süd-Richtung, wobei die durchschnittliche Temperatur gegen Norden hin ebenso wie die Höhe zunimmt. Umarmt wird das Napa Valley von den Mayacama Bergen im Westen und Norden und den Vaca Bergen im Osten. Auch Napa gliedert sich in 16 Subzonen, die das vielschichtige Terroir des Gebiets enger abgrenzen.
 
Vielleicht die schönste Art, das Napa Valley zu bereisen – und auf jeden Fall die bequemste – ist der Napa Valley Wine Train. Der liebevoll restaurierte Zug startet in der Stadt Napa und nimmt die Reisenden mit auf einen dreistündigen Trip durch das Tal. Dabei bietet sich natürlich auch die Gelegenheit zu einem stilvollen Essen oder Weinverkostungen. Es lohnt sich auf jeden Fall, einen Blick in den umfangreichen Veranstaltungsplan des Zugs zu werfen, der gerne auch für Weingut-Touren genutzt wird. Wer noch mehr Zeit zur Muße braucht, dem könnte der ursprüngliche Zweck des Wine Trains entgegenkommen, wurde die Eisenbahn historisch doch errichtet, um Städter aus San Francisco in den Kurort Calistoga mit seinen heißen Quellen zu bringen. Auch heute steht die Stadt mit vielfältigem Angebot ganz im Zeichen der Wellness-Bewegung und lädt dazu ein, einen Gang runter zu schalten. Und natürlich steht auch noch der namensgebende Napa River zur Verfügung, der durch das Tal fließt und eine exzellente Gelegenheit bietet, beim Angeln zu entspannen. 
 
In der wunderschönen Weinregion Lodi wächst unter anderem der kalifornische Zinfandel
 
Aber auch die hügelige Landschaft es Napa Valleys ist ein ständiger Blickfang, der den Geist beruhigt und in Genusslaune versetzt. Die Erhaltung der eindrucksvollen Landschaft ist ein wichtiges Unterfangen, weswegen strenge Erosionssicherheitsrichtlinien beachtet werden müssen. Neben solchen staatlichen Regelungen ist der sinnvolle Umgang mit den natürlichen Ressourcen für Kaliforniens Weinbau zu einem der zentralen Themen geworden. Mit umfangreichen Programmen versuchen die kalifornischen Produzenten nachhaltig zu wirtschaften und die Umwelt zu schonen. Landschaftlich reizvoll entstehen so teilweise künstliche Seen, die als Wasserreservoir für die unabdingbare Bewässerung verwendet werden. Bei der eindrucksvollen Black Stallion Winery im Oak Knoll District finden sich übrigens nicht nur sehr gute Rebsortenweine sondern auch wunderschön eingerichtete Bungalows. Vielleicht der schönste Einrichtungsgegenstand ist die Außenküche, die zu einem Riesen-Barbecue am Pool geradezu einlädt.
 
Das Zentrum des kalifornischen Weinbaus liegt aber nur bedingt in Napa Valley. Gerade mal vier Prozent des kalifornischen Weins kommt aus dem Napa Valley. Die größte AVA ist dagegen Lodi mit etwa 40 000 Hektar Anbauf läche. Spezialität von Lodi ist Zinfandel, ganz besonders „Old Vine Zinfandel“ – Zinfandel von alten Reben, und davon findet man in Lodi reichlich. Nicht wenige haben es selbst durch die Prohibition geschafft. Das Weingut Ironstone etwa feierte dieses Jahr den Verkauf der 2009 Centennial Rous Vineyard Reserve, einen Wein von 1909 gepflanzten Rebstöcken. Die alten Weinstöcke strahlen eine ehrfürchtige Atmosphäre in den Weingärten aus, auch durch den Rebschnitt, der ein Wurzeldickicht an die Oberf läche zu ziehen scheint.
 
Lodi ist ein wenig zu dem geworden, was Napa in den 70ern war, als Weinbau noch exotisch anmutete, und sich viele Pioniere ansiedelten, um dort ihre Philosophie im Weinbau zu leben und einzigartige Weine zu erschaffen. Aufgrund der günstigeren Landpreise wirkt Lodi für Einsteiger heute weitaus interessanter, weswegen man neben vielen Erzeugern, die bereits seit mehreren Generationen Wein anbauen, auch echte Exoten findet. Solche wie Jim Moore, ehemals Winemaker bei Robert Mondavi, der heute bei Uvaggio mit italienischen Rebsorten von Moscato über Nebbiolo bis Vermentino experimentiert – mit beachtlichen Resultaten. Angeregt von ihm baut der südafrikanische Winemaker von Peltier Station Teroldego aus. Auch Arrivierte wie Ironstone bleiben in Bewegung und lancierten einen Malbec.
 
Noch ist Lodi eine Gegend für Entdecker und PioniereWer Interesse an einem besonderen Erlebnis hat, der sollte auf jeden Fall auch einen Abstecher in das Livermore Valley machen. Was Wente Vineyards hier geschaffen hat, ist schon einzigartig. Inmitten der Weinberge und vor der Kulisse imposanter Hügelketten wurde in Zusammenarbeit mit der Golf legende Greg Norman ein 18-Loch-Golfplatz erschaffen, der sich in die Idylle perfekt einfügt. Auch für Ornithologen ist der Golfplatz ein beliebtes Quartier, ist der Platz von der amerikanischen Gesellschaft für Vogelschutz Audubon für seine zahlreichen Vogelarten zertifiziert worden, nachdem bei der Teilnahme am Nachhaltigkeitsprogramm eine Erhebung der Pflanzen- und Tiervorkommen durchgeführt wurde. Nach so viel sportlicher Erhebung kann man es sich dann im Clubhaus bei einem Wente Chardonnay gut gehen lassen. Von Juli bis August finden hier Konzerte mit bekannten Künstlern statt, 2012 unter anderem mit Earth, Wind and Fire, John Fogerty, Foreigner und Sheryl Crow.
 
Von hier ist es nur noch eine knappe Stunde bis San Francisco. Wer hier noch etwas Zeit bis zum Rückf lug verbringen will, dem wird garantiert nicht langweilig. Und die ausgeprägte Weinszene der Stadt lässt einen garantiert nicht auf dem Trockenen sitzen.
 
Clemens Gerke

 

 

 

 

 

Information

ALLGEMEINE INFORMATIONEN

 

WEINGÜTER

Die hier vorgestellten Weingüter stellen nur eine kleine Auswahl dar.
 
Black Stallion Winery
4089 Silverado Trail, Napa, CA.
Tel.: 707 253-1400
 
Francis Ford Coppola Winery
300 Via Archimedes, Geyserville, CA.
Tel.: 707 857-1485
 
Ironstone Vineyards
1894 Six Mile Road, Murphys, CA.
Tel.: 209 728-1251
 
Ravenswood Winery
18701 Gehricke Road, Sonoma, CA.
Tel.: 888 669-4679
 
Schug Carneros Estate Winery
602 Bonneau Road, Sonoma, CA.
Tel.: 707 939-9363
 
Wente Family Vineyards
5050 Arroyo Road, Livermore, CA., 
Tel.: 925 456-2300

FLÜGE

Direktflüge von Frankfurt am Main nach San Francisco bieten Lufthansa und United Airlines ab etwa 850,- Euro an (Stand Juli 2012). Von anderen deutschen Flughäfen gibt es nur Verbindungen mit Zwischenstopp.

ÜBERNACHTEN

Sonoma County Vintners Inn
Inmitten alter Reben gelegen, perfekt zum Relaxen. DZ ab 220,- Euro
4350 Barnes Road, Santa Rosa, CA.
Tel.: 707 575-7350
 
Napa River Inn
Liebevoll eingerichtete Zimmer mit Blick auf den Napa River sowie Champagne Sparkling Shampoo verleihen dem Napa River Inn echten Charme. DZ ab 200,- Euro
500 Main Street, Napa, CA. 
Tel.: 707 251-8500

SAN FRANCISCO WEINBARS

RN74
301 Mission Street, San Francisco, CA.
Tel.: 415 543-7474
 
Blush Wine Bar
476 Castro Street
Tel.: 415 5580893

HINFAHR-TIPP

Armstrong Redwoods State Natural Reserve
17000 Armstrong Woods Road, Guerneville, CA
Tel.: 707 869-2958

BUCHTIPP

Die Küche dieses Küstenstaates macht richtig Spaß und lässt sich prima nachkochen – vor allem mit dem sehr ansprechend aufgemachten Kochbuch:
California
Annemarie Lenze, Kosmos Verlag,
29,95 €, ISBN 9783440122440
 
Darin finden Sie die Vielfalt Kaliforniens, beeinflusst von der südamerikanischen Küche (Eintöpfe, Tortillas …), gesegnet mit Fisch und Meeresfrüchten und vielen Landprodukten wie Salat und Geflügel. Die Rezepte sind nach Regionen und Themen sortiert, sehr gut erklärt und mit vielen Zusatztipps versehen.