Rebsorten von A bis Z: Chardonnay

Issue: 
04
2013
Thursday, 26. December 2013 - 11:30
Service
Weinwelt
Er ist das Multitalent, der Alleskönner, das Chamäleon der Weinszene. In fast allen Weinbauländern zu Hause, bei vielen experimentierfreudigen Kellermeistern und ganz bestimmt auch bei Ihnen ein oft gesehener Gast: der Chardonnay.
 
Chardonnay ist eine fest etablierte Größe in der Weinszene. So fest, dass mancher glaubt, das sei schon immer so gewesen. Dabei ist Chardonnay keineswegs ein Traditionalist, sondern ein relativ junger „rising star“. Erst seit etwa 30 Jahren braust die Chardonnay-Manie über die verschiedensten Weinanbaugebiete – und das mit grandiosem Erfolg! 
 
Die ursprüngliche Geschichte des Chardonnays beginnt, wie gewöhnlich bei allen Rebsorten, in Vorderasien. Mit Ausbreitung der Weinkultur kam die Sorte nach Frankreich, wo ihn vor allem die Benediktiner-Mönche im Burgund anpflanzten. Seinen Namen verdankt er vermutlich einer dort gelegenen französischen Gemeinde. Der kleine Ort, mit heute nicht einmal 200 Einwohnern, heißt Chardonnay. Was die wenigsten wissen: Chardon ist das französische Wort für Disteln und Chardonnay damit der Ort der Disteln. Lange Zeit vermutete man, dass der Chardonnay zur Burgunderfamilie gehört, hatte dafür aber keinen Beweis. Erst nach einer DNA Analyse 1999 konnte man sicher sein: Chardonnay ist der Nachkomme einer Pinot-Rebe und der weniger bekannten Weißweinrebsorte Gouais Blanc.
 
Zunächst nur in seiner Heimat Frankreich beliebt, wurde der Chardonnay Ende des 20. Jahrhunderts auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Burgundische Chardonnays wurden zum Export-Topseller und die Nennung der Rebsorte auf dem Etikett hatte für viele Markencharakter. Allein in Frankreich verdoppelte sich die Anbaufläche von 1980 bis 1993 auf 25 000 Hektar. Da die Chardonnay-Rebe in den verschiedensten klimatischen Bedingungen wachsen kann, wurden andere weinbautreibenden Länder schnell darauf aufmerksam. In den 1980er Jahren steigerte sich die Anbauf läche von Chardonnay weltweit um ein Vierfaches, auf fast 100 000 Hektar. Bei so schnellem und so großem Erfolg blieben die Unkenrufe nicht aus: Abfällig als „Allerweltswein“ betitelt, bekam der Chardonnay den Slogan „ABC – Anything but Chardonnay“ (Alles, nur nicht Chardonnay) aufgedrückt. Wirklich schmerzhaft war das nicht! Die Erfolgsstory des Globetrotters Chardonnay ging weiter: Er wird heute in fast allen Weinbau produzierenden Ländern angebaut und erreicht eine Rebf läche von etwa 175 000 Hektar. Die größte Chardonnay-Fläche mit 46 000 Hektar (Stand 2011) besitzt Frankreich und nicht Kalifornien mit 38 500 Hektar (Stand 2010). Auch in Australien (28 000 Hektar/Stand 2010), Südafrika (8 300 Hektar/Stand 2010) oder Neuseeland (3 800 Hektar/Stand 2010) stehen große Flächen. 
 
Die Deutschen reagierten anfangs zögerlich auf die Trendsorte aus dem Nachbarland. Erst 1991 – und damit sehr spät – wurde die Rebsorte hier offiziell zugelassen. Die Anbaufläche beträgt mit 1 388 Hektar (Stand 2011) nur ein Prozent der gesamten deutschen Anbauf läche, trotzdem ist der Chardonnay in der Wahrnehmung relativ präsent. Dass die Konsumenten deutschen Chardonnay mögen, zeigt sich am steten Zuwachs der Rebf läche: Jedes Jahr kommen 50 bis 100 Hektar hinzu. Für den Winzer ist die Chardonnay-Rebe ein verlässlicher Partner: Die Erträge sind reichlich und müssen zur Qualitätssicherung sogar reduziert werden. 
 
Die größte Stärke des Chardonnays zeigt sich aber nicht im Weinberg, sondern im Keller bei der Weinbereitung: Seine Wandelbarkeit! Chardonnay ist wie Knete in den Händen seiner Macher. Durch eine lange, kühle Gärung können feinste, schlanke Weißweine aus ihm gekeltert werden. Eine Lagerung im Holz- oder Barriquefass verleiht ihm würzige, rauchige Noten. Da er ein stabiles Säuregerüst hat, kann er auch zum Basiswein für Schaumwein werden. Im Champagner ist er ein essentieller Bestandteil. Sein Aromenrepertoire ist nahezu unbegrenzt: Er duftet nach tropischen Früchten, Äpfeln und Pfirsichen bis hin zu Lindenblüten, Rosenblättern oder Tabak und Eichennoten von der Fasslagerung. Früher ging der Trend zu vollen, kräftigen Chardonnays. Heute bevorzugt man die schlankere Version, meist trocken ausgebaut. Typisch sind hohe Alkoholgehalte, welche dem Wein einen süßlichen Geschmack verleihen. Edelsüße Weine gibt es kaum.

Synonyme

Pinot Chardonnay, Morillon (Steiermark), Beaunois, Weißer Clevner und Feinburgunder.

Wein-Empfehlungen

2008 1er Cru Montée de Tonnere, Chablis/ Frankreich
Domaine Jean-Paul & Benoît Droin

Eine der besten Lagen im Chablis. Präsentiert sich würzig-mineralisch. Feine, sanft-blumige Nase. Kraftvoll im Mund mit Vanilleanklängen vom Barrique.
Preis: 25,00 Euro
www.jeanpaul-droin.fr

2009 Bell Hill Chardonnay, Canterbury/Neuseeland
Bell Hill Vineyard

Riecht nach frischer Melone und Blüten. Mineralische Noten erinnern an den Geruch nasser Steine. Malolaktische Gärung. Zwölf Monate im Holzfass. Langes Finish.
Preis: 80,00 Euro
www.bellhill.co.nz

2010 Chardonnay Schlossberg R Großes Gewächs, Baden/Deutschland
Weingut Huber

Geprägt von den Muschelkalkböden. Innere Wärme und Tiefe, starke Mineralität. Zwölf Monate im Barrique. Duft nach reifen Früchten und Röstaromen.
Preis: 49,00 Euro
www.weingut-huber.com