Chianti Classico

WEINWIRTSCHAFT
Mittwoch, 7. September 2016 - 15:30
Verkostungen

Die Basistraube für Chianti Classico: Sangoviese

Das Kerngebiet des Chianti Classico gibt es als Weinregion in seinen heutigen Grenzen seit 1716. Grund genug das Jubiläum mit einer Verkostung zu begleiten

Die Toskana, die Heimat des Chianti und im Speziellen des Chianti Classico, ist die wahrscheinlich bekannteste Region Italiens. Dazu tragen nicht nur Landschaft, Städte, Dörfer und die Jahrtausende alte Geschichte der Region bei, auch der Wein hat seinen Anteil daran. In diesem Jahr kann die Region ein denkwürdiges Jubiläum feiern: »300 Jahre Chianti«. Als erste Weinregion der Welt wurde das Chianti-Classico-Gebiet fast unverändert zur heutigen Struktur bereits 1716 abgegrenzt.

Basis der Weinerzeugung ist und bleibt in der Toskana und besonders in der Kernregion des Chianti Classico zwischen Florenz und Siena der Sangiovese, dessen Name verrät, dass er schon den Römern als »Blut des Jupiters« bekannt war und seit mehr als 2000 Jahren in der Toskana angebaut wird. Versuche, den eigenwilligen und mitunter garstig-adstringenten und mäßig roten Sangiovese zu zähmen, sind mannigfaltig. Baron Riscasoli, der Mitte des 18. Jahrhunderts einen Verschnitt mit weißen Sorten unternahm, hatte nichts anderes im Sinn, als einen angenehm trinkbaren Wein zu machen, genauso wie heute Klonenselektion, Verschnitte mit nationalen und internationalen Rotweinsorten, der Ausbau in großen Holz- oder traditionellen Barriquefässern oder das Governo-Verfahren den Sangiovese veredeln sollen. Mit 53.865 Hektar Rebfläche oder einem Anteil von 9 Prozent ist der Sangiovese nach wie vor die wichtigste Rebsorte Italiens und in der Toskana die Basis der Weinproduktion. 

Unbestritten dürfte die Qualität der Chianti-Classico-Weine heute meilenweit von dem entfernt sein, was in früheren Jahren angeboten wurde. Züchtung, Weinbau und Önologie haben gewaltige Fortschritte gemacht, und die Weinberge wurden im gesamten Gebiet des Classico erneuert.

Am Sangiovese als Basis der Weine halten die Mitglieder des Chianti-Classico-Konsortiums in jedem Fall fest und sichern sich damit Eigenständigkeit und Identität: mindestens 80 Prozent muss der Anteil des Sangiovese beim Chianti Classico betragen. Der Verschnitt mit weißen Sorten ist im Gegensatz zum normalen Chianti DOCG beim Chianti Classico seit 2006 nicht mehr erlaubt. Verschnittpartner sind daher meist die einheimischen Sorten Colorino und Canaiolo sowie aus dem Portfolio internationaler Sorten Cabernet Sauvignon, Merlot und in geringerem Umfang Syrah. Doch Verschnitt muss heute nicht mehr unbedingt sein, seit das Konsortium auch die Produktion reinsortiger Sangiovese zugelassen hat, die sich inzwischen bei einigen Weingütern und dem Publikum Beliebtheit erfreuen. Die Hierarchie des Chiantio Classico orientiert sich jedoch nicht an den verwendeten Rebsorten sondern an Reife und Lagerung. Das Gros der Produktion bilden die Jahrgangsweine des Chianti Classico, im Italienischen als »Annata« bezeichnet. Ihnen folgt im darüberliegenden Segment der Qualitätspyramide die Chianti Classico Riserva. Diese Weine müssen, bevor sie in den Verkauf gelangen, mindestens 24 Monate lagern. Die neue Spitze der Qualitätspyramide bildet die Gran Selezione, die erstmals aus Weinen des Jahrgangs 2010 produziert werden konnte. 

Chianti Classico – die Qualitätspyramide

Gran Selezione ist die Antwort des Chianti Classico auf die seit Langem geführte Diskussion um die Supertuscans, die in der Vergangenheit nicht in das Schema des Chianti Classico DOCG gepasst hatten und um die es nach einem anfänglichen Boom zuletzt etwas stiller geworden ist. Die Chianti Classico Gran Selezione erweitern die bisherige qualitative Pyramide um eine Stufe. Die Weine müssen mindestens 30 Monate vor dem Verkauf lagern, davon mindestens drei Monate abgefüllt auf der Flasche.

Während die offizielle Qualitätspyramide der DOCG den Rahmen der Produktion vorgibt, interpretieren die einzelnen Weingüter den Chianti-Stil ganz unterschiedlich. Ob bei Annata, Riserva oder Gran Selezione sind drei grundsätzliche Stilrichtungen zu finden, die sich wie ein roter Faden auch durch die aktuelle Chianti-Classico-Verkostung ziehen: Nummer eins ist der traditionelle Chianti Stil, der frucht-, säure- und tanninbetonten, eher hell, denn dunkel-rubinrot gefärbten Weine, die quasi den klassischen Sangiovese-Typ repräsentieren. Der zweite Stil ist maßgeblich durch die Verwendung internationaler Rebsorten und den Ausbau im Holz geprägt und weist mehr oder minder betonte Lakritz-, Tabak-, Holz- und Vanillenoten neben den typischen Beeren- und Kirscharomen auf, die Cabernet Sauvignon und Merlot dem Sangiovese beisteuern. Die Weine präsentieren sich meist dunkelfarbig, dicht und konzenrtriert. Der dritte Stil ist quasi eine Rückbesinnung auf den Sangiovese, jedoch in modernerer Form mit subtiler Kirsch- und Johannisbeerfrucht, feminin und weniger gerbstoff- und tanninbetont. Alle drei haben ohne Frage ihre Berechtigung und bieten zusammen mit den einzelbetrieblichen Variationen eine Fülle möglicher Weintypen. Egal, aus welcher Stufe der Pyramide er stammt, eines bleibt dem Chianti Classico eigen: Er bleibt stets ein lebendiger, vielschichtiger Spieler und in Nase und Gaumen ein spannender Rotwein.

Die besten Chianti Classico Annata, Riserva und Gran Selezione der Verkostung

Insgesamt 268 Weine stellten die 114 Weingüter zu unserer Chianti-Classico-Verkostung an. Das Gros stammte mit 102 Weinen aus dem Jahrgang 2013, dem die Weine aus 2012 mit 58 und aus 2014 mit 56 Weinen folgten. 118 Weine wurden als Annata- oder Jahrgangsweine eingereicht, 104 als Chianti Classico Riserva, und 46 Weine gehören zur Kategorie Gran Selezione, der neu geschaffenen Spitze der Chianti-Classico-Pyramide. Hermann Pilz

 

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