ProWein, ja oder nein?

Donnerstag, 22. Oktober 2020 - 17:00
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Die Diskussion um die ProWein 2021 und ihre Verlängerung auf fünf Tage bietet Anlass genug, uns in der Branche umzuhören.

»Wenn die Messe stattfindet, werden wir als Mitglied im Messebeirat mit Sicherheit teilnehmen«

Monika Reule leitet als Geschäftsführerin das Deutsche Weininstitut»Wenn die Messe stattfindet, werden wir als Mitglied im Messebeirat mit Sicherheit teilnehmen«, versichert Monika Reule, Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts (DWI). »Wir werden dort sein und das Weinland Deutschland repräsentieren. Unseren Auftritt werden wird den Verhältnissen und Möglichkeiten anpassen, die erlaubt und machbar sind. Was wir heute schon wissen, ist, dass wir unsere Präsentation der jungen Betriebe der Generation Riesling, die quasi in Wohnzimmeratmosphäre stattfindet, nicht durchführen können. Wir werden die freiwerdende Fläche voraussichtlich unseren übrigen Verkostungsaktivitäten zuschlagen«, erläutert Reule einige Überlegungen, was am DWI-Stand stattfinden könnte.

»Die große Frage wird sein, wie der Besuch internationaler Gäste ausfallen wird. Das kann im Moment niemand sagen. Aber aller Voraussicht nach wird dieser nicht wie in den vergangenen Jahren sein«.

 

»Die Messe muss aufpassen, den Messestandort nicht zu diskreditieren, wenn man in Corona-Zeiten die Messe mit Gewalt gegen den Willen eines Großteils der Branche durchziehen will«

Geschäftsführer der Pfalzwein e.V., Joseph GreilingerFür das Weinbaugebiet organisiert die Pfalzwein e.V. den Auftritt ihrer Mitgliedsunternehmen auf der ProWein. Ein Stimmungsbild über eine mögliche ProWein-Beteiligung will sich Geschäftsführer Joseph Greilinger am Freitag, 23. Oktober 2020 einholen, wenn sich mehr als zwei Dutzend Betriebe zu einem Meinungs- und Informationsaustausch treffen. Bisherige Stimmen sehen eine Verlängerung auf fünf Tage schwierig. »Zeit, die in den Betrieben fehlt, inklusive höherer Kosten bei geringeren Besucherzahlen würde das Kosten-Nutzen-Verhältnis erheblich verschlechtern«, sei eines der wesentlichen Argumente.

Eher vorstellbar ist für Greilinger eine Art Pfalzwein-Informationsstand statt der Weingutspräsentationen. Aus anderen Gebieten würden Umfragen eine große Zahl ablehnender Stimmen sammeln. Insgesamt hielte er eine Verschiebung um ein Jahr für sinnvoller, um dann 2022 wieder mit voller Kraft neu starten zu können.

Für seine Entscheidung müsse er auch die Förderrichtlinien berücksichtigen, insbesondere die Frage, ob er eine solche Veranstaltung mit entsprechendem Kostenvolumen planen könne, wenn die Veranstaltung kurzfristig vorher abgesagt werden könnte. Die Messe müsse zudem aufpassen, den Messestandort nicht zu diskreditieren, wenn man in Corona-Zeiten die Messe mit Gewalt gegen den Willen eines Großteils der Branche durchziehen will.

 

»Lieber jetzt eine klare Entscheidung und Verlegung, um dann 2022 die Chance zu haben, richtig Präsenz zu zeigen«

Dr. Andreas Brokemper ist Sprecher der Geschäftsführung von Henkell-Freixenet

Ob die Messe, sich mit der Ankündigung einen Gefallen getan hat, die ProWein auf fünf Tage zu verlängern, fragt sich auch Dr. Andreas Brokemper, Sprecher der Geschäftsführung von Henkell-Freixenet. Wäre es seine Entscheidung, würde er die Messe nicht durchführen, meint Brokemper. Hauptgrund sei die fehlende Planungssicherheit. Internationale Gäste würden aufgrund eingeschränkter Reisemöglichkeiten nicht einreisen können.

»Lieber jetzt eine klare Entscheidung und Verlegung, um dann 2022 die Chance zu haben, richtig Präsenz zu zeigen«, rät Brokemper eindringlich. Selbst wenn jetzt das Virus vor Weihnachten noch eingedämmt werden könnte, drohe im Februar und März eine dritte Welle, die dann mit der normalen Grippezeit einhergehe. Unter solchen Umständen sei es unmöglich eine Messe zu planen.

 

»Der Messe Düsseldorf den Plan ausreden, die ProWein auf fünf Tage auszudehnen und im März zu veranstalten«

Markus Bolk, Geschäftsführer Weinland Baden»Meines Erachtens sollte alles daran gesetzt werden, der Messe Düsseldorf den Plan auszureden, die ProWein auf fünf Tage auszudehnen und im März zu veranstalten«, meint Markus Volk, Geschäftsführer der Weinland Baden Gruppe. »So sehr das wirtschaftliche Interesse verständlich ist; die Weinbranche darf sich dafür nicht hergeben.

Das Risiko liegt größtenteils bei den Ausstellern, es ist heute überhaupt nicht absehbar, wie die Lage im März sein wird, wir müssen aber für Hotels, Standbau etc. Investitionen tätigen, auf denen wir gegebenenfalls sitzenbleiben werden bzw. in diesem Jahr bereits sitzengeblieben sind«, warnt Volk und sieht vor allem Probleme, wer das Risiko trägt: »Kein maßgeblicher Einkäufer sagt mir heute, er kommt; und wenn, kann er immer noch 3 Tage vorher absagen und verliert ein Bahnticket oder eine Hotelübernachtung, während unser Risiko wesentlich höher ist«.

 

»Bei einer kurzfrisitigen Absage aufgrund der Pandemie-Lage hätten wir zwei Jahre viel Arbeit und Geld in die Messe investiert, ohne jeglichen Nutzen«

Ansgar Schmitz, Geschäftsführer Moselwein e.V.»Die Verlängerung auf fünf Tage kommt bei den Teilnehmern an unserem Gebietsstand überhaupt nicht gut an, das Interesse an einer Beteiligung ist daher eher gering«, berichtet Ansgar Schmitz, Geschäftsführer, Moselwein e.V. »Aufgrund der Corona-Lage befürchten viele unserer Winzer auch, dass die wichtigen internationalen Besucher, vor allem aus Asien und Nordamerika, nicht in Düsseldorf sein werden«.

Auch für ihn ist die Frage, ob sich Kosten und Nutzen rechnen: »Die Umsetzung der Hygienevorgaben, vor allem die Abstände zwischen Verkostungstischen und Countern, wäre an unserem Stand auch nur durch Reduzierung der Weingüterzahl oder eine größere Standfläche machbar. Angesichts der zu erwartenden geringeren Besucherzahlen bei gleichzeitig höheren Kosten für Standbau, Hygienemaßnahmen, Hotel, Personal usw. ist die Kosten-Nutzen-Relation wohl bescheiden. Vor dem Hintergrund wäre eine Verschiebung der Messe aus unserer Sicht sinnvoll«, argumentiert Schmitz. »Wir müssen auch das Risiko bedenken, dass die Messe letztlich vielleicht aufgrund der Pandemie-Lage dann doch noch kurzfristig abgesagt werden müsste – dann hätten wir zwei Jahre viel Arbeit und Geld in die Messe investiert, ohne jeglichen Nutzen«. 

 

»Unter den derzeitigen Reisebedingungen werden internationale Besucher nicht anreisen«

Christoph Mack, Vorstandsvorsitzender von Mack & SchühleIn die gleiche Richtung gehen auch die Überlegungen von Christoph Mack, Vorstandsvorsitzender der Mack & Schühle AG, der als Präsident des Bundesverbands Wein und Spirituosen International innerhalb des Verbands eine Taskforce »ProWein« ins Leben gerufen hat, um offene Fragen rund um die ProWein gemeinschaftlich abklären zu können.

Eines der Hauptprobleme ist für ihn die Frage des Besuchs und der Reisemöglichkeiten internationaler Gäste. »Unter den derzeitigen Reisebedingungen werden internationale Besucher nicht anreisen. Wir müssen uns also überlegen, für wen und wie wir unseren Messeauftritt gestalten. Im gegebenen Fall wird das dann auf den Off-Trade ausgerichtet sein«, bekundet Mack. Wie andere auch würde Mack der Messe Düsseldorf aber empfehlen, die ProWein 2021 abzusagen und 2022 kraftvoll neu zu starten. 

 

»Jetzt erwartet man von den Ausstellern nochmals Geld in die Hand zu nehmen, Hotels und Reisen zu buchen ohne eine Garantie zu haben, dass die ProWein tatsächlich stattfinden kann«

Francis Dieudonné, Exportdirektor von Grand Chais de FranceDass eine ProWein 2021 stattfinden wird, glaubt Francis Dieudonné, Exportdirektor der französischen Gruppe »Les Grand Chais de France« nicht. Als einer der größten Aussteller auf der ProWein und Nummer Eins der privaten französischen Weinunternehmen erwartet er ein Anhalten der Corona-Restriktionen und Einschränkungen bis weit ins nächste Jahr, wie es vor kurzem auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, verkündete. Französische Messen, die etwa zum gleichen Zeitpunkt geplant wären, würden abgesagt oder suchten neue Termine Mitte des Jahres. Er könne sich pragmatisch Verkostungen, die An- und Abreise der Besucher nicht vorstellen.

Jetzt die Messe auf fünf Tage auszudehnen, wenn weniger Besucher erwartet würden, sei das falsche Signal. Alle Aussteller hätten hohe Kosen zu tragen gehabt, vom kleinen Weingut mit zehntausend Euro, über größere Betreibe mit ein paar hunderttausend Euro bis zu den Großen, die noch mehr Geld in den Sand gesetzt hätten. »Jetzt erwartet man von den Ausstellern nochmals Geld in die Hand zu nehmen, Hotels und Reisen zu buchen, ohne eine Garantie zu haben, dass die ProWein tatsächlich stattfinden kann«, kritisiert Dieudonné. Die größte Unsicherheit sieht er wie andere darin, dass die Besucher und internationalen Gäste nicht kommen, und ohne diese mache eine Messe keinen Sinn. HP 

 

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