Zerreißprobe für die Weinwerbung Badens

Donnerstag, 15. November 2018 - 16:45
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Wein
Nimmt das Sonnenmännchen bald eine Auszeit? (Foto: Wiciok)

Als brächte die größer als erwartet ausgefallene Weinernte 2018 nicht schon genug Probleme mit Tiefpreisen im preisaggressiven Lebensmittelhandel, steht jetzt auch die Badische Weinwerbung zur Disposition. Etliche namhafte und große Mitglieder wie die Markgräfler Winzer eG in Efringen-Kirchen, der Ortenauer Weinkeller oder die Weingüter Franz Keller in Oberbergen und Joachim Heger in Ihringen haben ihre Mitgliedschaft gekündigt, nachdem auch andere große Betriebe der Gemeinschaft fern bleiben. 

Anlässlich einer Krisensitzung am Dienstag, 13. November 2018 wurde die prekäre Lage analysiert und offenbar ein letzter Rettungsversuch unter Führung der beiden gleichberechtigten Gesellschaftervertreter unternommen, Roland Leininger, Geschäftsführer der WG Oberrotweil, für die Genossenschaften, und Arne Bercher vom Weingut Bercher in Burkheim, der die Weingüter und Weinkellereien vertritt. 

Von den derzeit rund 15.500 Hektar Rebfläche Badens gehören bis heute etwa 11.000 Hektar der gemeinsamen Weinwerbung an und zahlen bis dato 200 Euro pro Hektar, um Geschäftsstelle sowie Werbe- und PR-Maßnahmen der Badener zu finanzieren. Seit Jahr und Tag sind die außenstehenden Trittbrettfahrer Ärgernis der Gemeinschaft.

Lange diskutiert wurde in der Krisensitzung die Frage , ob der Jahresbeitrag von 200 auf 120 Euro gesenkt werden sollte, damit abtrünnige und in der Kündigungsphase befindliche Mitglieder ihre Entscheidung überdenken und in der Gemeinschaft bleiben. Am Ende der Diskussion wurde jedoch mit Mehrheit der rund 100 anwesenden Mitglieder beschlossen, den Beitrag auf dem Niveau von 200 Euro zu belassen.

Sollten die bisherigen Kündigungen Bestand haben, würden 2020 nur noch 7.536 Hektar der Genossenschaften und 1.350 Hektar der Weingüter und Kellereien, also zusammen weniger als 9.000 Hektar, in die Gemeinschaft einzahlen.

Die Aussichten scheinen allerdings nicht wirklich rosig eingeschätzt zu werden, viele Erzeuger zur Umkehr zu bewegen, weshalb eine Befragung aller Betriebe (Genossenschaften, Weingüter und Kellereien) klären soll, inwiefern sie die gemeinsame badische Weinwerbung über 2020 hinaus noch tragen werden. Kommen weniger als 10.000 Hektar zusammen, werde die badische Weinwerbung ihre Aktivitäten Anfang 2020 einstellen, da ab dann die Finanzierung nicht mehr voll gesichert sei. 

Christina Lauber, Geschäftsführerin der Weinwerbung malt als Mahnung ein düsteres Menetekel an die Wand: »Baden sei dann weltweit die einzige Weinregion ohne Weinwerbung«. Soweit wollen die Verantwortlichen es nicht kommen lassen und erinnern an die Winzerkollegen in Württemberg, die mit einem Budget von 4 Mill. Euro bereits heute doppelt so viel ausgeben wie Baden.

Hinweis: In einer ersten Meldung hatten wir berichtet, dass die Mitgliederversammlung bereits beschlossen habe, den Beitrag von 200 auf 120 Euro zu senken. Dem ist nicht so. Der Beitrag bleibe nach Beschluss der Mitgliederversammlung auch in Zukunft bei 200 Euro. hp/gz

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