WIV/Nahe Einkaufsverhalten geändert

Mittwoch, 30. April 2003 - 13:00

»Die WIV hat alle Verträge mit den Winzern an der Nahe aufgekündigt«, schockte Weinbaupräsident Peter Anheuser die Mitglieder des Bauern- und Winzerverbandes an der Nahe anlässlich einer Delegiertenversammlung. »Diejenigen, die auf faire Partnerschaft gesetzt haben, sind ausgeknockt worden. Dieser Akt ist eine Kriegserklärung«, wetterte Anheuser weiter. Kein Verständnis für derlei Äußerungen und Unkenntnis über die wahre Sachlage bei Anheuser vermutet Dr. Herbert Rasenberger, Vorstand »Technik« der WIV-Gruppe, der die Äußerungen Anheusers als »deutlich unter der Gürtellinie« empfindet. Unpassend vor allem deswegen, meint Rasenberger, weil Anheuser selbst über viele Jahre hinweg Vertragspartner von WIV gewesen war und ein »Mehrfaches des Marktpreises« für seine Lieferungen erhalten habe. Aus qualitativen Gründen seien die Bezüge im vergangenen Jahr eingestellt bzw. reduziert worden. Das Verhältnis zwischen Anheuser und Rasenberger ist auf frostige Minusgrade abgekühlt. »So kalt«, höhnen Beobachter, »dass kaltvergorene Weine nur noch von der Service-Kellerei Adam Trautwein (Lonsheim) bezogen werden. »Hinter der Entscheidung steht eine generelle Änderung der Einkaufspolitik bei der WIV-Gruppe, betonte dagegen Wolfgang Trautwein. Einheitliche große Partien aus einer Hand und die Qualität der Weine hätten den Ausschlag gegeben. Auf einer Konferenz mit fünf Kommissionären von der Nahe, die bisher Direktverträge mit etwa 70 Winzern im Umfang von 1 Mill. Liter hatten, war die Aufkündigung der bisherigen Verträge durch den WIV-Vorstand bekannt gegeben worden. In Zukunft wird WIV die von der Nahe benötigten Weißweinmengen ausschließlich über die Weinkellerei Adam Trautwein beziehen. Weinbaupräsident Anheuser vermutet dahinter einen Komplott zu Lasten der Winzer. Statt der bisher bezahlten 53 Cents pro Liter, würde die WIV über Trautwein nur mehr Marktpreise bezahlen und die lägen aktuell bei 33 bis 36 Cents. »Was die WIV im Endeffekt bezahlt, steht jetzt noch gar nicht fest«, schwächte Trautwein ab, das könne erst im Herbst festgelegt werden. Es bestünden allerdings Absichten, den bisherigen Vertragspartnern einen Zuschlag zu bezahlen. Einen Hoffnungsschimmer schöpft Anheuser im Engagement der Winzergenossenschaft Moselland eG, Bernkastel-Kues, die seit Jahren Winzer von der Nahe in ihr Reihen aufgenommen hat. Neben einem verstärkten Engagement der Genossenschaft macht ein weiterer Vorschlag die Runde: Die Nahe könnte sich als vierter Bereich dem Anbaugebiet Rheinhessen angliedern. © (gkm)

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