Weltweite Weinernte 2018 klar im Plus

Donnerstag, 6. September 2018 - 16:45
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Wein
Australien zählt 2018 zu den wenigen Ernteverlierern. Weltweit wird deutlich mehr erwartet (Foto: Michael Bell)

Die weltweite Weinernte 2018 dürfte eine Rückkehr zur normalen Versorgungslage, geringerem Stress für Einkäufer bei der Beschaffung gewünschter Mengen und moderatere Preise sorgen, erklären die Marktbeobachter der Organisation Australia Wine. Sie trauen sich als bisher einzige Organisation, einen ersten Überblick über die aktuelle Ernte 2018 zu liefern. 

Auf der Südhalbkugel konnte im Frühjahr Argentinien mit einem vorläufigen Erntevolumen von 2,55 Mill. Tonnen nach drei kleineren Erntejahren wieder an einen normalen Herbst anknüpfen. Chile vermeldete mit einer Ernte von 1,85 Mill. Tonnen oder 13 Mill. Hektolitern eine um 36 Prozent größere Ernte als 2017. Australien selbst blieb mit 1,79 Mill. Tonnen hinter den beiden Konkurrenten aus Lateinamerika und erntete etwa 20 Prozent weniger Wein als 2017. Auch Südafrika konnte im Frühjahr mit 1,2 Mill. Tonnen oder 15 Prozent weniger infolge der schlimmsten Dürre seit 100 Jahren deutlich weniger Wein produzieren als 2017. 

Die Vereinigten Staaten rechnen im laufenden Herbst mit 3,8 Mill. Tonnen und damit mit einem durchschnittlichen Erntevolumen. Hitze und katastrophale Feuersbrünste, die auch in den Weinregionen wüteten, beeinträchtigen das Ergebnis. 

Für die europäischen Länder nennen die Australier für Spanien eine Ernte von rund 6 Mill. Tonnen oder 40 bis 42 Mill. Hektolitern und für Frankreich von 6,5 Mill. Tonnen bzw. ca. 47 Mill. Hektolitern. Spanien würde damit wieder eine deutlich größere Ernte als in den Jahren nach der Rekordernte von 2013 einfahren, die rund 7 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt läge. Aufgrund der häufigen Regenfälle und des Witterungsverlaufs ist die Ernte in Spanien um rund 14 Tage verzögert. Der Weinbau in Frankreich hatte zwar mit etlichen Wetterunbillen zu kämpfen, mit 47 Mill. Hektolitern liegt die Ernte auf gutem Niveau. 

Einen schwierigen Witterungs- und damit Vegetationsverlauf hatten auch die Weinbauern in Italien zu bewältigen, dennoch dürfte die Ernte nach Schätzungen des italienischen Önologenverbands mit rund 56 Mill. Hektolitern eine der größten Ernten der letzten Jahrzehnte sein. Apulien katapultiert sich mit knapp 11 Mill. Hektolitern vor dem Veneto an die Spitze der italienischen Weinregionen. Die Primitivoversorgung dürfte somit sicher gestellt sein. 

Das italienische Landwirtschaftsministerium veröffentlichte kurz nach dem Önologenverband eine um rund 6 bis 7 Mill. Hektoliter niedrigere Prognose für das Erntevolumen, was von Beobachtern mit politischem Wunschdenken und einer Stabilisierung der Märkte in Verbindung gebracht wird. Die höchst unterschiedlichen Erntemeldungen der letzten Jahre in Italien sollten somit zur Vorsicht mahnen. 

Deutschland dürfte nach aktuellen Recherchen der Redaktion eine sehr große Ernte erwarten. Befürchtete Ernteminderungen durch die lange Trockenperiode erweisen sich nur in Ausnahmefällen zutreffend. Selbst in den trockensten Regionen Rheinhessens, die optisch zeitweise der Sahelzone glichen, fallen die Erntemengen groß aus. Kleinere Erzeugerländer, wie beispielsweise Österreich, berichten über gute Ernteaussichten und einem mit 2,6 Mill. Hektolitern etwas überdurchschnittlichem Volumen.

Summa summarum rechnen die australischen Marktbeobachter mit einer Weltweinernte von 273 Mill. Hektolitern, was rund 2 Prozent über dem langjährigen Mittel und rund 11 Prozent über dem vergangenen Jahr liegen würde. Angesichts eines durchschnittlichen weltweiten Konsums in den letzten Jahren von 240 Mill. Hektolitern kehre der Weltweinmarkt potenziell in eine Überschusssituation zurück.

Mehr zum Thema im Editorial der WEINWIRTSCHAFT in Ausgabe 18/2018. hp

 

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