Vorläufige Beschlagnahmung von Feudo Arancio

Montag, 23. März 2020 - 9:00
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Wein
Dunkle Wolken über den Weinbergen von Feudo Arancio (Foto: Crecelius)

Die Finanzpolizei (Guardia di Finanza) von Trento hat am 20. März 2020 Weinberge und Gebäude der Kellerei Feudo Arancio im Wert von 70 Mill. Euro vorläufig beschlagnahmt. Feudo Arancio erstreckt sich über 900 Hektar Rebfläche in den sizilianischen Provinzen Agrigent und Ragusa und gehört zur Trentiner Gruppe Mezzacorona. 

Laut der Nachrichtenagentur ANSA besteht der Verdacht auf »Recycling von Gütern im Besitz der Cosa Nostra«. Gegen vier Personen wird ermittelt, es soll sich um gesetzliche Vertreter von Mezzacorona handeln.

Ermittlungen der Antimafia-Staatsanwaltschaft

Der Ermittlungsrichter des Gerichts von Trento hatte die vorläufige Beschlagnahme auf Antrag der lokalen Antimafia-Staatsanwaltschaft und in enger Koordination mit der nationalen Antimafia- und Antiterrorismus-Staatsanwaltschaft veranlasst – nach Ermittlungen zur »Infiltration des organisierten Verbrechens in die Trentiner Wirtschaft«.

Über das Rekonstruieren von Gesellschaften, Ermittlungen bei Banken, Dokumentenüberprüfungen und dank Zeugenaussagen auch von zahlreichen Justizmitarbeitern konnte laut ANSA verifiziert werden, dass zwischen 2000 und 2005 eine Handelsoperation stattgefunden habe, über die Mezzacorona die beiden zu Feudo Arancio zählenden Weingüter vom vorherigen Besitzer (Mafioso) gekauft habe. 

Die Güter, soweit die Ermittlungen ergeben haben, gehörten zunächst »Ehrenmännern« aus Salemi, ihre Geschäftsführung wurde dann jedoch an einen Strohmann übergeben, aber sie waren, nach Meinung der Inspektoren, trotzdem im Besitz des damaligen Bosses von Sambuca di Sicilia geblieben. 

Das Südtiroler Nachrichtenportal stol.it gibt an: »Wie die Finanzpolizei mitteilt, habe der Weinproduzent im Trentino vor mehreren Jahren über dubiose Mittelsmänner die Weingüter (900 Hektar) in den Provinzen Ragusa und Agrigent von und mit der Zustimmung der Mafia-Bosse gekauft.«

Mezzacorona wehrt sich

Die Gruppe Mezzacorona reagierte sofort. In einer Meldung wies sie »die Anschuldigungen aufs Schärfste zurück«. ANSA zitiert: »Die Gruppe Mezzacorona hat ihr unternehmerisches Engagement stets korrekt und seriös durchgeführt und zum Schutz ihrer Mitglieder, Mitarbeiter und Aktionäre« Deshalb verlange sie mit »höchster Dringlichkeit von der Justizbehörde, dass die Angelegenheit schnellstmöglich zum Schutz des Einkommens und der Arbeit ihrer 1600 Mitglieder, 480 Aktionäre und 500 Mitarbeiter geklärt werde.« vc

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