Verheerender Hagel in Kaltern

Mittwoch, 11. Juli 2018 - 10:45
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Der Hagel richtete in Kaltern große Schäden an den Trauben an (Foto: Christian Sinn/Kellerei Kaltern)

Am Abend des 5. Juli 2018 hat ein Hagelsturm weite Teile des Anbaugebietes Kalterer See verwüstet. Die Südtiroler Presse spricht von Ernteeinbußen von bis zu 80 Prozent. »Der Hagel hat 30 Minuten lang über ein weites Gebiet gewütet. Die Weinberge sehen furchtbar aus, sowohl die Trauben als auch die Blätter, aber die genauen Schäden sind zu diesem Zeitpunkt schwer einzuschätzen. Es hängt von vielen Faktoren ab, vor allem das Wetter muss mitspielen. Ich glaube an die Lebenskräfte der Natur, und wir sehen bei unseren biodynamisch geführten Betrieb, dass die Pflanzen widerstandsfähiger geworden sind«, erklärt Michael Graf Goëss-Enzenberg, Besitzer des Weingutes Manincor in Kaltern, auf Anfrage der WEINWIRTSCHAFT. 

Er führt aus, dass einige Weinberge jedoch komplett zerstört seien. »Wir hoffen, dass die Pflanzen nicht derart beschädigt wurden, dass der Austrieb im kommenden Jahr beeinflusst wird. 2017 hatten wir schon Ernteeinbußen aufgrund von Hagel, der sich glücklicherweise nicht auf das diesjährige Wachstum ausgewirkt hat. Der Hagel im Jahr 2008 hatte hingegen zwei Jahrgänge vernichtet, wir hatte sozusagen 200 Prozent Verluste«, so Goëss-Enzenberg.

Bei der Kellereigenossenschaft Kaltern will man sich ebenfalls nicht auf konkrete Schadenszahlen festlegen. »Es sind über 200 Hektar, also ein Drittel der Rebfläche, unterschiedlich stark, aber auch bis zur völligen Vernichtung, betroffen. Vor allem die Rebflächen um den See bis zu Höhenlagen von 300-350 Metern haben gelitten. In erster Linie sind die internationalen roten Sorten, Lagrein und Vernatsch verhagelt, aber es hat auch Gewürztraminer und Chardonnay erwischt. Wir profitieren jetzt davon, dass wir eine Genossenschaft mit vielen kleinen Weingärten und Bauern sind, denn es ist viel Handarbeit erforderlich, um die angeschlagenen Trauben herauszuzupfen. Das Wetter spielt derzeit mit und ich bin vorsichtig optimistisch, dass wir noch einiges retten können«, beschreibt Direktor Tobias Zingerle die Lage.

In den Randgebieten des Hagelsturms, der bis nach Tramin und Neumarkt zog, soll sich der Schaden auf 20 bis 40 Prozent belaufen. Selbst Hagelnetze konnten die Trauben nicht schützen, weil der Wind sie so stark bewegt hat, dass die Körner dennoch direkt auf die Trauben prallen konnten.  vc

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