Unterschätztes Erntevolumen

Donnerstag, 13. September 2018 - 17:00
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Wein
Die Lese 2018 läuft in allen deutschen Anbaugebieten auf Hochtouren (Foto: www.deutscheweine.de)

Marktteilnehmer und Beobachter schätzen das derzeitige Erntepotenzial im größten deutschen Anbaugebiet Rheinhessen mit rund 27.000 Hektar Rebfläche auf circa 15.000 Liter pro Hektar. Potenziell wäre somit allein in Rheinhessen eine Ernte von rund 4,2 Mill. Hektolitern möglich. Auch für das Anbaugebiet Pfalz mit knapp 24.000 Hektar kann mit einem ähnlichen Ertragsniveau gerechnet werden, was weitere 3,6 Mill. Hektoliter zur gesamtdeutschen Weinernte beisteuern würde. Nahe, Mosel, Mittelrhein und Ahr ernten ebenfalls reichlich und steuern zusammen wenigstens 1,5 Mill. Hektoliter bei. Die potenzielle Weinernte 2018 in Rheinland-Pfalz dürfte somit deutlich  über 9 Millionen Hektolitern liegen.

Für das Anbaugebiet Baden mit rund 16.000 Hektar Fläche lagen die letzten »verbandsseitig genannten« Ernteprognosen bei 90 bis 95 Hektolitern pro Hektar, wobei Insider den guten Behang und den bisherigen Pressergebnissen entsprechend eher bei 95 bis 100 Hektoliter pro Hektar vermuten. Württemberg mit rund 11.000 Hektar und einem zulässigen Höchstertrag von 110 Hektolitern in Direktzug- und 150 Hekolitern in Steillagen dürfte dieses Niveau ebenfalls auschöpfen, womit die Ernte in Baden-Württemberg auf rund 2,5 bis 2,7 Mill. Hektoliter käme. Die restlichen Gebiete von der Hessischen Bergstraße über Franken, den Rheingau bis zu Sachsen und Saale-Unstrut sind für eine weitere Mill. Hektoliter Wein gut. Alle deutschen Anbaugebiete dürften somit ein Potenzial für eine Ernte von 12 bis 13 Mill.  Hektolitern haben.

Spannende Frage ist derzeit, wie sich die Hektarertragsregelungen auswirken. Die Weinerzeuger stehen in den Gebieten, in denen ein sogenanntes Qualitätsstufenmodell (Nahe, Rheinhessen, Pfalz) im Rahmen der Hektarertragsregelung besteht, vor der Frage, wieviel sie von der Ernte in den Stufen Grundwein (bis 20.000 l/ha), Landwein (bis 15.000 l/ha) oder eben die für Qualitätswein festgelegten Mengen von 105 Hektoliter pro Hektar ausschöpfen (an der Mosel 125 hl/ha). In den übrigen Gebieten ist dem sogenannten Ein-Wert-Modell entsprechend eine Überlagerung von 20 Prozent möglich. Dazu bewegt die Erzeuger die Frage, mit welchen Rebsorten sie den aus der betrieblichen Fläche resultierenden maximalen Betriebsertrag ausfüllen sollen. Derzeit werden in Rheinland-Pfalz Weißweine etwas besser bezahlt als Rotweine (insbesondere besser als die Sorte Dornfelder), weshalb ein Teil der Dornfeldertrauben an den Stöcken hängen bleiben könnte. Wird zuviel Weißwein eingelagert, könnte der Preis drastisch sinken und fehlender Dornfelder den Preis vielleicht im nächsten Jahr in die Höhe treiben. Eine Zwickmühle, die deutlich macht, wie wenig geeignet gesetzliche Regelungen und Beschränkungen in der Landwirtschaft und im Weinbau sind, einzelunternehmerische Risiken und Entscheidungen von oben herab zu steuern. HP

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