Pfälzer Weinwerbung vor Fusion

Donnerstag, 13. September 2018 - 16:45
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Die »Pfalzwein e.V.« rührt künftig die Werbetrommel für das 24.000 Hektar große Anbaugebiet

»Gebietsweinwerbungen in Rheinland-Pfalz gefährdet«, mussten wir Anfang des Jahres in unserem Online-Newsletter und der WEINWIRTSCHAFT melden. Damals wurde heftig gerätselt, wer für Fristenversäumnisse und eine rechtzeitige Notifizierung der regionalen Werbemaßnahmen nach geltendem EU-Recht gegenüber den Brüsseler Behörden verantwortlich gewesen sein könnte. Dem zuständigen Weinbauministerium wurde das Versäumnis angelastet, nicht rechtzeitig die Notifizierung eingeholt zu haben, was Ende 2017 zur Sperrung vorhandener Mittel durch die EU-Kommission für alle Weinwerbeinstitutionen in Rheinland-Pfalz an der Mosel, in Rheinhessen, der Nahe und der Pfalz zur Folge hatte.

Ein gutes halbes Jahr später dringt Licht ins Dunkel. Es könnten die eigenwilligen Entscheidungen einiger Politiker gewesen sein, konkret der Landrätin des Kreises Südliche Weinstrasse, Theresia Riedmaier (SPD), die sich nach zwanzig Jahren Amtszeit im Herbst 2017 aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand verabschiedete.  Dem von ihr favorisierten Modell der regionalen Weinwerbung nach existierten für das rund 24.000 Hektar große Anbaugebiet Pfalz mit den Werbevereinen »Mittelhaardt« und »Südliche Weinstraße« zwei Bereichswerbungen, denen gebietsübergreifend die »Pfalzwein e.V.« vorgeschaltet war – zumindest was die Finanzen betrifft. Das Budget von rund 1,8 Mill. Euro, das von den Winzern in Form parafiskalischer Abgaben erhoben und von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz verwaltet wird, fließt zur Hälfte direkt an die Bereichswerbungen Mittelhaardt und Südliche Weinstrasse weiter und wird dort teilweise EU-rechtswidrig verwendet.

Der rheinland-pfälzische Rechnungshof hat nun in einem eigenen Bericht festgestellt, dass mit dem bisherige Verfahren seit Jahren gegen geltendes EU-Recht verstoßen und die Mittel nicht ausschließlich für die Gemeinschaftswerbung eingesetzt wurden. Eine Ohrfeige für die zuständigen Veranwortlichen. Landrätin Riedmaier war über lange Jahre Vorsitzende des Vereins Südliche Weinstraße und führte, nicht ohne Anerkennung in der Region zu finden, für den Bereich der Südlichen Weinstraße eigene Veranstaltungen und Maßnahmen durch, unter anderem wurden die Bambi-Verleihung des Burda Verlags oder die Filmfestspiele in Cannes beschickt und es wurde eigens Personal unterhalten, das auch für andere Aufgaben etwa im Bereich des Tourismus tätig war.

Geht es nach dem Willen der Funktionäre sollen sich die drei bisher eigenständig agierenden Vereine ab kommendem Jahr unter dem Dach des in Neustadt residierenden Pfalzwein e.V. vereinen, der dann auch für das Personal zuständig ist. Dann könnte auch die momentane Notlösung ein Ende finden, dass jede einzelne Maßnahme durch die Pfalzwein e.V. und deren Geschäftsführer Dr. Detlev Janik beantragt werden muss und die Mittel in toto wieder von der EU-Kommission notifiziert werden. HP
 

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