Neue 100% US-Zölle drohen

Donnerstag, 9. Januar 2020 - 13:45
Handel
Weinhandel
Wenn Weinexporteure an die USA als Land der Träume denken, haben sie einen unruhigen Schlaf (Foto: Fotolia)

Mitte Dezember kam aus dem US-Handelsministerium die Androhung, die Einfuhrzölle auf europäischen Wein um 100 Prozent zu erhöhen. Noch immer geht es in dem Handelsstreit um Strafmaßnahmen für Airbus-Subventionen. »Die Diskussion um die Subventionen für Airbus und Boeing ist genauso alt wie verlogen«, ärgert sich Gerhard Brauer, Vorsitzender des Verbands Deutscher Weinexporteure und geschäftsführender Vorstand der  Ruppertsberger Weinkeller Hoheburg eG. 

Wie ernst es den Amerikanern mit den Zöllen ist, sei aber sehr schwierig zu beurteilen. »Die entscheidenden Personen handeln völlig außerhalb jeder Berechenbarkeit«, gibt Brauer gegenüber WEINWIRTSCHAFT zu bedenken. Man müsse also davon ausgehen, dass die Zölle realisiert werden könnten und das möglicherweise sehr kurzfristig. Ein konkreter Zeitpunkt wurde aus den USA bisher aber nicht genannt. Schon die Zölle im Oktober kamen so schnell, dass deutsche Exporteure bereits Container verschifft hatten, die nicht rechtzeitig vor den Zöllen eingeführt werden konnten.

Die USA würden damit als Exportmarkt unattraktiver, aber es gebe einzelne Unternehmen, die einen großen Teil ihrer Produktion in die USA exportieren würden und es daher schwer hätten schnell zu reagieren. Kombiniert mit den aktuell hohen Fassweinpreisen für Riesling würden sich die Probleme noch verstärken, zumal auch die USA ein Markt mit geringer Preiselastizität seien. 

Die Auswirkungen auf den Markt für Riesling wären dagegen nach Brauers Einschätzung überschaubar. Der Gesamtexport in die USA liege bei 170.000 Hektorlitern. Wenn die Hälfte wegfalle, sei das immer noch weniger als die Ertragsschwankung von 2018 nach 2019.
In der Zolldiskussion sieht Brauer weitere Probleme. Zum einen sei die Weinbranche zu klein, um bei den Entscheidungsträgern ausreichend Gehör zu finden. Zum anderen sei es bezeichnend, dass italienische und österreichische Weine nicht von den Zöllen betroffen seien. Es gehe darum, die Europäer auseinander zu dividieren, so Brauer.

Das einzig Positive, das Brauer in der Zoll-Diskussion festgestellt hat, ist dass sich auch die US-Weinindustrie gegen die Zölle ausspricht. »Die Branche ist eng verwoben. Viele deutsche Exporteure arbeiten auch mit Erzeugern aus den USA zusammen«, sagt Brauer zu den transatlantischen Verbindungen. cg

 

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