Goldbarren-Affäre bei Remstalkellerei

Donnerstag, 30. Januar 2020 - 14:30
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Wein
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Für die Verantwortlichen der Remstalkellerei war der Betrugsverlust bereits abgehakt, die Mitglieder wussten nicht Bescheid

Nach der Unterbrechung ihrer Generalversammlung am 23.1.2020 steht die Remstalkellerei ohne Vorstand und mit nur noch einem Aufsichtsratsmitglied da. Bis auf Rüdiger Borck traten Vorstand und Aufsichtsrat zurück. Zuvor musste der Vorstand auf Nachfrage von Mitgliedern bestätigen, im Jahr 2017 Goldbarren an einen Geschäftspartner übergeben zu haben, der mit diesen verschwunden sei.

Betrug in Höhe von 35.000 Euro

Die Stuttgarter Zeitung berichtet, dass Goldbarren im Wert von 35.000 Euro als Vorab-Provision an den scheinbaren Vertreter einer lettischen Handels-Firma übergeben worden sein. Im Bericht erklärte der ehemalige Vorstandsvorsitzende Claus Mannschreck, dass die Betrüger hochprofessionell mit Marktkenntnis, Steuernummer und Ausweispapieren aufgetreten sein. Der Remstalkellerei seien im Gegenzug regelmäßige Weinexporte mit internationalen Hotelketten in Aussicht gestellt worden – auch im Mittleren Osten, woraus wohl Gerüchte über einen Scheich als Betrüger Nahrung bezogen. Die detaillierten Gespräche, bei der über Füllungen und Abholbedingungen gesprochen worden sei, wären über mehrere Monate gegangen. Der Verlust wurde im Geschäftsjahr 2017 bilanziert.

Der erst nach dem Betrug im Jahr 2018 installierte Geschäftsführer Peter Jung wollte gegenüber WEINWIRTSCHAFT nur bestätigen, dass die Remstalkellerei einem Betrüger aufgesessen sei, dem man 2017 Provision in Form von Goldbarren zukommen ließ. Aktuell läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Betrugs.

Strategische Entscheidungen blockiert

Jung erklärte, dass auch nach dem  vorläufigen Abbruch der Hauptversammlung das Tagesgeschäft bei der Remstalkellerei normal weiter laufe und sich für die Kunden keine Änderungen ergeben. Bei strategischen Entscheidungen sei man durch die Vakanz von Vorstand und Aufsichtsrat jedoch blockiert. Jung erwartet, dass die Generalversammlung Anfang März fortgesetzt wird. Als noch ausstehender Tagespunkt vom 23.1. werde dann die Wahl der Vorstände und Aufsichtsräte durchgeführt.

Strategische Entscheidungen muss die Remstalkellerei aber treffen. So hatte Jung verschiedene Optionen für ein zukünftiges Geschäftsmodell vorgestellt – von einer Fortführung der bisherigen Arbeit bis zur Vollablieferung an die Württembergische Weingärtner-Zentralgenossenschaft WZG. Auch eine Auslagerung des Ausbaus an die WZG bei Beibehaltung des Vertriebs soll diskutiert worden sein.

Welches Modell er als am geeignetsten für die Zukunft sieht, wollte Jung gegenüber WEINWIRTSCHAFT nicht verraten. Eine extreme Dringlichkeit wollte Jung auch nicht erkennen. Aktuell sei die Situation anders als Ende 2018, als hohe Altlasten im Keller gedrückt hätten. Allerdings gab Jung zu, dass man ein Imageproblem im heimischen Kerngebiet habe, was auch an der negativen Presse liege.

Weiterer Aderlass bei Mitgliedern

Nachdem Ende 2018 die WG Stetten ihren Abschied aus der Remstalkellerei beschloss, der Ende 2020 wirksam wird, hat im November 2019 auch die WG Korb und Steinreinach ihren Austritt beschlossen. Sie will nach dem Ende ihrer Mitgliedschaft 2021 Vollablieferer an die WZG werden. Bei den Weingärtner Winnenden liefen Überlegungen über eine Fusion mit der WG Korb und Steinreinach. Allerdings sind beide nicht die größten Genossenschaften der Remstalkellerei. Korb/Steinreinach verfügt über 26 Hektar. Zudem sind nach Informationen Jungs einige der Mitglieder in andere Primärgenossenschaften der Remstalkellerei gewechselt und bleiben somit am Bord.

Verlassen wird die Remstalkellerei dagegen die Leiterin von Personal und Controlling. Von ihrem Vorstandsposten ist Heike Schacherl aus persönlichen Gründen bereits zum 31.12.2019 zurückgetreten, zum 31.3.2020 hört sie auch in der Verwaltung auf. cg 

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