Ermittlungen gegen Axel Welter

Mittwoch, 17. Juli 2019 - 15:45
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Wein
Bio oder nicht, darüber gehen die Meinungen von Staatsanwaltschaft und Kellerei auseinander

Schon seit Monaten kursieren verschiedene Gerüchte um die Ortwin Welter Weinkellerei GmbH & Co. KG in Engelstadt, wobei vielen der Wahrheitsgehalt fehlte. Korrekt ist jedoch, dass Axel Welter die Geschäftsführung niedergelegt hat und auch seine Stimmrechte auf seine Schwester Jeanette Welter überschrieben hat, wie der Anwalt des Unternehmens, Mathias Hauber, gegenüber WEINWIRTSCHAFT bestätigte. So musste die Kellerei auch nicht stillgelegt werden, wie die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach bestätigte. Nur während der Durchsuchungen sei der Betrieb beeinträchtigt gewesen. 

Aktuell arbeitet die Kellerei mit neuer Führung weiter. Die neue Unternehmensspitze besteht aus Jeanette Welter, die zuvor nicht im operativen Geschäft tätig war, sowie den externen Fachleuten Tanja Schneider (Marketing/Vertrieb), Maik Ilgen (Oenologe) und Sven Wagner (kaufmännische Leitung) von Die Weinberater GmbH. Wie Sven Wagner sagt, haben sie die Aufgabe, an der Zukunft des Unternehmens zu arbeiten, den Betrieb wieder auf starke Beine zu stellen und zukunftsfähig zu machen.

Hintergrund der Probleme sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach, über die zuerst die Allgemeine Zeitung berichtete. Ausgangspunkt war demnach eine Weinkontrolle im Oktober 2018, die den Verdacht auf die Vermarktung von Übermengen, die eigentlich der Destillation hätten zugeführt werden müssen, beförderte. 

Die Ermittlungen sollen sich gegen mehrere Personen richten. Zu den Beschuldigten zählen sechs Mitarbeiter der Kellerei, darunter Axel Welter. Die Kellerei selbst wird nach eigenen Angaben nicht beschuldigt.

Das Verfahren der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach beziehe sich auf den Verdacht des banden- und gewerbsmäßigen Betruges sowie der Irreführung nach dem Wein- und Ökolandbaugesetz. So hätte die Kellerei konventionellen Wein als Biowein geführt. 

Nach Schätzung der Staatsanwaltschaft könnte bis zu 1 Mill. Liter Wein irreführend deklariert worden sein, ein geringer Teil fälschlicherweise als Biowein. Auch die Vermarktung von Übermengen soll nach Auskunft der Staatsanwaltschaft nicht der Kern der Ermittlungen sein. Zu den Mengen der nicht destillierten will die Staatsanwaltschaft vor Ende der Untersuchungen keine Angaben machen. 

Wesentliche Vorwürfe betreffen unzulässige Verschnitte von Qualitätsweinen verschiedener Anbaugebiete (z.B. Rheinhessen und Pfalz) sowie unzulässige Verschnitte von Wein aus verschiedenen Qualitätsstufen (z.B. Qualitätswein + Grundwein). Die Ermittlungen betreffen den Zeitraum von 2015–2019 und haben zur Beschlagnahmung von Wein geführt. Wie lange die Ermittlungen noch dauern, wollte Oberstaatsanwalt Michael Brandt nicht abschätzen. Es seien noch umfangreiche Ermittlungen nötig. 

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wein in Umlauf gebracht worden ist. »Dafür bestehen Anhaltspunkte. Die Warenströme werden zurzeit überprüft. Zu den Abnehmern werden aus ermittlungstaktischen Gründen gegenwärtig keine Angaben gemacht«, so Brandt. 

Laut Auskunft von Sven Wagner seien nur wenige Kunden betroffen. Dies liegt fast in der Natur der Sache, da die Kellerei Welter sich insbesondere als Dienstleistungskellerei einen Namen gemacht hat und andere Kellereien mit Wein versorgt.

Der Anwalt des Unternehmens kündigte an, dem Vorwurf des gefälschten Bioweins entgegentreten zu wollen. Man sei der Ansicht, dass es sich sehr wohl um Biowein handele, der fahrlässig mit einem Stoff versetzt worden sei. Die Konzentration sei zudem so gering, dass man auf eine nachträgliche Ausnahmegenehmigung hoffe. 

Sven Wagner ergänzt: »Wir stehen in Kontakt zu allen Kunden und Lieferanten, die Gespräche laufen vielversprechend, die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Wir werden dafür Sorge tragen, dass die Geschäfte geregelt weiterlaufen. Wir arbeiten weiter offen und transparent mit der Staatsanwaltschaft und der Weinkontrolle zusammen. Wir haben alle denkbaren Mechanismen installiert, damit Fehler sich nicht wiederholen und wir das Vertrauen unserer Kunden und Lieferanten zurückzugewinnen.« cg 

Anmerkung der Redaktion: Die Meldung wurde nach neuen Informationen überarbeitet und ergänzt. In der ersten Version der Meldung wurde der Eindruck erweckt, dass es sich bei den Vorwürfen vorwiegend um gefälschten Biowein handelt. Dem ist nicht so.

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