Desaströse Lage bei der Remstalkellerei

Dienstag, 4. Dezember 2018 - 14:45
Hersteller
Wein
Die Lage der Remstalkellerei spitzt sich weiter zu

In einem Brief an die Mitglieder der Remstalkellerei informierten Geschäftsführer Peter Jung und Finanzvorstand Heike Schacherl am 30. November über die »wirtschaftlich desaströse Lage« der Remstalkellerei. Auch wenn es keine Liquiditätsprobleme gebe, müsse die Genossenschaft einige Sofortmaßnahmen treffen. Unmittelbar spüren werden die Winzer dabei das Einstellen der Traubengeldauszahlungen vom 1. Dezember 2018 bis vorerst Februar 2019.

Jung, der seit August 2018 bei der Remstalkellerei angestellt ist, und Schacherl, die 2017 zur Remstalkellerei stieß, kommen in ihrer Bestandsaufnahme zu dem Schluss, dass eine Neubewertung der Jahrgänge 2014 bis 2017 erfolgen muss.

Die Entwicklung des Weinmarkts sei jahrelang fehlerhaft und zu optimistisch bezüglich des Absatzpotentials eingeschätzt worden. Die »deutlich verfehlten Absatz- und Umsatzerwartungen« machten eine Korrektur der vorläufigen Traubengeldauszahlungen der Jahrgänge 2014, 2015, 2016 und 2017 unabdingbar. Schon die Traubengelder für die Jahrgänge 2014, 2015 und 2017 wurden zum Teil aus den Rücklagen der Genossenschaft finanziert.

Das größte Problem sei der Jahrgang 2016. Hier gebe es große Übermengen, und zudem lasse die Qualität zu wünschen übrig. Durch den qualitativ wie quantitativ herausragenden Jahrgang 2018 seien die großen Bestände aus 2016 quasi über Nacht wertlos geworden. »Trotz dieser abzusehenden Marktentwicklung wurde dieses Jahr die Chance verpasst, die entsprechenden Mengen noch zu vertretbaren Preisen offen zu vermarkten«, heißt es.

Auch wenn im Schreiben der Name des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Claus Mannschreck nicht erwähnt wird, muss dies als klarer Vorwurf an seine Stelle gesehen werden, war er doch bis zu Jungs Amtsantritt für die Geschäfte verantwortlich. Mannschreck war im Oktober 2018 vom Amt des Vorstandsvorsitzenden zurückgetreten, offiziell aus persönlichen Gründen.

Die neuen Verantwortlichen stellen Mannschreck jedoch keineswegs als alleinigen Verantwortlichen für die desaströse Lage dar. Das kann sowohl aus der »langfristigen Fehleinschätzung« geschlossen werden, da Mannschreck erst 2017 die Rolle des Vorstandsvorsitzenden übernahm. Noch deutlicher wird es, wenn Jung und Schacherl betonen: »Eines ist jedoch bereits heute sicher: Eine erfolgreiche Zukunft des genossenschaftlichen Weinbaus im Remstal kann es nur dann geben, wenn die bisherigen Gräben zwischen den einzelnen Ortsgenossenschaften überwunden werden und alle an einem Strang ziehen!« Dies ist ein klarer Verweis auf die langjährigen Streitereien um eine Zentralkelter, zu der sich nach wie vor nicht alle Einzelgenossenschaften der Remstalkellerei bekennen wollen.

Jung und Schacherl versprechen, eine Konsolidierung der Remstalkellerei einzuleiten. Zudem wollen sie die bisherige Praxis der Vorbelastung der noch nicht vermarkteten Jahrgänge »im Sinne einer seriösen Unternehmensführung« abschaffen. Über die neue Strategie sollen die Mitglieder auf einer außerordentlichen Generalversammlung im Frühjahr 2019 informiert werden. cg

Anzeige