Bottwartaler Winzer: Radikalschnitt

Donnerstag, 24. November 2011 - 12:00

(cg) Auf einer außerordentlichen Generalversammlung haben die Mitglieder der Bottwartaler Winzer am 23.11.2011 ihre Mitgliedschaften in der Württembergischen Zentralvermarktungsgenossenschaft, Möglingen, (WZG, Zustimmung 92%), der Württembergischen Werbegemeinschaft (WWG, 88%) und dem Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband (BWG, 86%) beschlossen. Gegenüber WEINWIRTSCHAFT betonte die geschäftsführende Vorstandsvorsitzende Anna-Barbara Helliwell, dass der Austritt aus WWG und BWG nur wirtschaftlich begründet sei, um Einsparungen zu erreichen, jedoch nichts mit der Situation drei kleiner Ernten in den letzten Jahren zu tun habe. Bisher beträgt der Anteil der Selbstvermarktung gut 50 Prozent, doch die Vermarktungsstrukturen für die Aufnahme der zusätzlichen Menge stünden bereit, auch wenn hier noch Investitionen zu tätigen seien. »Wir müssen unseren Mitgliedern eine glaubhafte Perspektive geben, und die fanden wir nicht mehr im Verbund«, so Helliwell. Hier habe die Flexibilität gefehlt, die für die Bottwartaler Winzer nötig sei. In der Vermarktung könnten die Bottwartaler zukunftig auch Kooperationer eingehen. Zu der Form möglicher Kooperationen wollte Helliwell sich jedoch nicht äußern. In einer Pressenachricht schreibt die Genossenschaft: »Die Bottwartaler Winzer werden bestimmt jetzt damit konfrontiert, dass man gerade als Genossenschaft nicht derartige Wege einschlagen soll. Wäre in Realität jedoch unter den Württembergischen Genossenschaft Solidarität und Gleichhandlungsgebot wirklich gelebt, wäre es bestimmt nicht zu diesem Punkt gekommen.« WZG-Geschäftsführer Dieter Weidmann sagte gegenüber WEINWIRTSCHAFT, dass es ihm nicht zustehe, die Entscheidung öffentlich zu kommentieren und dass er das demokratische Ergebnis respektiere. »Ich bedaure den Schritt jedoch sehr«, so Weidmann. WWG-Vorstandssprecher Ulrich Breutner hätte seinen Standpunkt gerne auf der Versammlung in Bottwartal vertreten, erhielt jedoch kein Rederecht. »Ich verstehe den Schritt nicht«, erklärt Breutner. »Die WWG hat den Anspruch einen positiven Beitrag für das betriebswirtschaftliche Ergebnis seiner Mitglieder zu bewirken. Betriebswirtschaftliche Gründe sehe ich daher nicht. Auch wenn die privaten Winzer, die keinen Beitrag zahlen, ebenfalls von unserer Arbeit profitieren, so fokussieren wir uns doch ganz klar auf die Genossenschaften. Da die in Württemberg 80 Prozent des Markts ausmachen, erhalten sie durchaus eine faire Leistung von uns. Die Bottwartaler haben außerdem Zufriedenheit mit unserer Arbeit zum Ausdruck gebracht. Der Aufbau vergleichbarer eigener Strukturen erfordert zudem hohe Investitionen.« Breutner hofft, dass es innerhalb der vierjährigen Kündigungsfrist noch zu einem Umdenken bei den Bottwartaler Winzern kommt.

Bild: Anna-Barbara Helliwell, Geschäftsführerin der Bottwartaler Winzer

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