Discountverkostung 2/2019 - Fazit des ersten Verkostungstages

Mittwoch, 31. Juli 2019 - 13:15
Wein
Handel

Fazit des ersten Verkostungstages, 30. Juli 2019

 

Annähernd 1.200 Weine der führenden Discountunternehmen testet die Redaktion der WEINWIRTSCHAFT aktuell in den Verkostungsräumen des Meininger Verlag in Neustadt an der Weinstraße. Seit mehr als 20 Jahren führt die Redaktion diese Tests durch und verschafft der Weinbranche wichtige Informationen über Qualität und Angebotsumfang des Discounthandels, der für rund ein Viertel der in Deutschland konsumierten Weine steht.

Schmales Sortiment, hauptsächlich Eigenmarken, die das Erscheinungsbild von Marken imitieren, Dauerniedrigpreise, lieblose Präsentation, unfreundliches Personal an der Kasse, so gut wie kein Service, die Kundschaft aus dem Prekariat der Bevölkerung, großspurige Werbung, dafür gute Verkehrsanbindung, reichlich Parkplätze und die Garantie, dass der Einkauf in ein paar Minuten vorüber ist, so sah das Erscheinungsbild der Discounter über Jahrzehnte aus. Doch das gehört der Vergangenheit an. Moderne Discountläden glänzen mit schick designter Ladeneinrichtung, viel Glas und Stein wurde die letzten Jahre von den Discountkonzernen verbaut. Das Sortiment wurde erheblich erweitert. Markenartikel gehören heute wie selbstverständlich dazu und das Preisgebaren mit höheren Regal- und niedrigen Aktionspreisen unterscheidet sich nicht mehr von den Vollsortimentern.

Auch am Weinregal haben die Discounter aufgerüstet. Dort wo Marken schon immer das Angebot prägen, wie etwa im Schaumweinbereich, haben die Discounter bekannte Marken ins Sortiment gehievt. Rotkäppchen Sekt oder Freixenet Cava sind heute fast überall zu finden.

Unsere Verkoster diskutierten angeregt die Weine

Dazu wurde das Weinsortiment von ehemals 30 bis 40 Weinen glatt verdoppelt. Alle wichtigen Herkünfte finden sich heute in den Sortimenten. In manchen Fällen wird es reichlich unübersichtlich und für den Kunden wird auch im Discounthandel aufgrund mangelnder Information der Kauf zur Qual der Wahl. Grund genug ein wachsames Auge darauf zu werfen, was angeboten wird und wie es um Qualität und Authentizität der Weine, Schaum- und Perlweine steht.

Doch was zählen wir im engeren Sinn zum Discounthandel? Dazu gehören die sechs führenden Discounter: Aldi Süd, Aldi Nord, Lidl, Netto, Penny und Norma. Sie sind mit ihren Filialen bundesweit insgesamt rund 16.000 mal vertreten. Ein Normdeutscher erreicht theoretisch in weniger als 10 Minuten den nächsten Discounter. Mehr Versorgung geht kaum.

Der Einkauf für den Weintest erfolgt zweimal pro Jahr im Winter und im Sommer in jeweils zwei Outlets im nördlichen und südlichen Verbreitungsgebiet der sechs Discounter. Im Durchschnitt offeriert ein Discountlanden somit rund 100 Weine und schäumende Weine. Stillweine, also solche, die ohne das Blubbern von Kohlensäure auskommen waren es diesmal 960 Weine und davon entfielen 340 oder 35 Prozent auf Weine aus Deutschland. Weine aus Italien, Frankreich und Spanien folgen auf den weiteren Plätzen. Aber auch Weine aus allen Osteuropäischen Ländern und den Überseeländern (Argentinien, Australien, Chile, Neuseeland, Südafrika und den USA) sind in den Discountsortimenten zu finden.

Am ersten Tag standen exakt 443 Weine überwiegend aus Frankreich, Italien und Österreich auf den Probentischen, die von den versierten Verkosterteams der WEINWIRTSCHAFT unter die Lupe genommen wurden.

433 Weine standen am ersten Tag zur Verkostung bereit

Wichtige Kategorien, die auch mit mehr als zwei oder drei Weinen vertreten sind bilden im Frankreichsortiment Weine aus Bordeaux, von der Rhone, dem Languedoc-Roussillon oder der Champagne. Aus der Champagne waren immerhin 15 Weine in den Discountläden zu finden, die am ersten Verkostungstag auf den Tischen standen und Bewertungen zwischen 11,5 und 15 Punkten oder in Schulnoten zwischen ausreichend und gut erhielten. Der Kunde kann also mal Glück haben und im Discounthandel einen brauchbaren Champagner ergattern, es kann sich aber auch um eine Niete handeln. Die Chancen stehen 50 zu 50.

Die Roten aus Bordeaux glänzten nicht wirklich. Eine wirkliche Typizität die erkennbar Merlot oder Cabernet Sauvignon widerspiegeln würde, war bei wenigen Weine zu erkennen. Solide abgeschnitten hatten Weine aus dem Languedoc-Roussillon sowie Weine von der Rhone, vor allem dann wenn die klassischen Cuvéepartner mit der Rebsorte Mourvèdre ergänzt waren.

Im Italiensortiment bilden die Proseccos und weißen Frizzante eine wichtige Kategorie, die dann schmecken, wenn sie aus gesundem Traubenmaterial stammen und frisch auf den Tisch kommen. Das scheint allerdings Wunschdenken. Viele Proseccos stammten noch aus älteren Jahrgängen, sofern überhaupt einer auf den Etiketten angegeben war. Sensorisch, also die Empfindung der Weine in Nasse und Mund war dann meist eher enttäuschend. Die Weine wirkten alt gezehrt, reif und mit viel Süße und Kohlensäure aufgepeppt. Das Preis-Genuss-Verhältnis dürfte eher unterdurchschnittlich sein. Das gilt auch für viele der Weißweine aus Italien, die in Form von Herkunftsweinen aus dem Veneto (Soave, Pinot Grigio) und allen mögliche anderen Herkünften vom Peimont bis zu Umbrien oder Apulien und Sizilien (Grillo) auf den Tischen standen.

Weine der Rebsorte Primitivo, die derzeit aufgrund des beliebten Appassimento-Stils in der Gunst der Verbraucher stehen, wiesen eher eine durchschnittliche Qualität auf. Auch hier ist das Preis-Genuss-Verhältnis nicht wirklich überzeugend.

Ganz ordentlich präsentierten sich diesmal Weine aus Österreich, vor allem die Grünen Veltliner. Während die Roten, die überwiegend aus der Sorte Zweigelt angeboten wurden, sich eher mager präsentierten. Einzelergebnisse gibt es wie immer nach Abschluss des dreitägigen Verkostungsmarathons und Veröffentlichung der Ergebnisse in der Fachzeitschrift WEINWIRTSCHAFT auf den Internetseite des Meininger Verlags.
 

Hermann Pilz

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