Ausgabe 03/2017

Freitag, 10. Februar 2017 - 9:00

Welches Bio darf’s denn sein?

WEINWIRTSCHAFT Ausgabe 03/2017

Bio hat zwei Gesichter. Das eine Bio ist in vielen Fällen die logische Konsequenz aus unbedingtem Qualitätsstreben, nach balancierten Weinen mit individuellem Herkunfts­charakter im engsten Sinn. Der Weg dahin führt über lebendigen Boden. Und der Weg zu lebendigem Boden führt über ökologische Bewirtschaftung. Mit allem Für und Wider. Stichworte höhere Frequenz beim Traktoreinsatz, Kupfer und so weiter. Es gibt nun einmal kein Schwarz und Weiß im Weinbau. Doch der Antrieb ist positiv, weil qualitätsgetrieben. Im Verband VDP.Die Prädikatsweingüter sind inzwischen 50 von 196 Betrieben öko-zertifiziert, viele davon arbeiten »sogar« biodynamisch. Umstellungsbetriebe nicht mitgerechnet. Dazu gesellen sich eine ganze Reihe weiterer, erstklassiger Betriebe, die nicht dem Verband mit dem Vogel angehören. In Österreich sieht es ähnlich aus. Gefühlt 50 Prozent der hundert besten Weingüter bewirtschaften dort zertifiziert biologisch-organisch oder -dynamisch ihre Weinberge. Diese Bioweine von weit mehr als 100 Weingütern auf beiden Seiten der Grenze verleihen dem Bio- oder Öko-Begriff die Wertigkeit, die er verdient. Sehr gute, individuelle Qualität, hohe Preise, internationale­ Anerkennung. Gleiches gilt für zahlreiche Bio-Betriebe in Frankreich, Italien und weiteren Ländern.
Das andere Bio ist Marketinginstrument. Bio als Verkaufsinstrument für Massenware. Bio als Marke, dort, wo der Erzeuger als Absender fehlt, der eigentlich mit seinem Namen für Qualität und Inhaltsstoffe bürgen sollte. Doch da spielt die Natur, zumindest in unseren Breiten, nicht immer mit. Siehe 2016, das Jahr, in dem sogar die Piwis an ihre Grenzen stießen.

Eine Aussage aus Bio-Kreisen halte ich für mehr als bedenklich: Piwis sollen auf Dauer die einzige Lösung im ökologischen Weinbau sein? Will der Bio-Weinbau mit den Piwis zurück in die frühen 90er-Jahre? Damals sah man beim Blick auf die Ausstattung von Ökoweinen und beim vorsichtigen Schnuppern am Glas – vom Geschmack ganz zu schweigen – schon regelrecht Strick­pullover, Batik-Shirt und Sandalen vor dem inneren Auge. Hand aufs Herz! Hat irgendjemand jemals einen einzigen großen Piwi-Wein getrunken? Nett und ordentlich, ok, das kann funktionieren. Zum Beispiel mit Cabernet Blanc, wenn man auf pyrazinige Weine steht. Aber wirklich auf Top-Niveau? Schwamm drüber, schließlich sollen die Piwis ja helfen, umweltschonenden und somit nachhaltigen Weinbau zu betreiben. Nicht jeder will ständig sehr gute Weine trinken und ist bereit, dafür auch sehr gutes Geld zu bezahlen. Besonders schwierig ist in vielen Fällen allerdings die Namensgebung, die sich an den großen Rebsorten anlehnt und den Verbraucher wenn nicht täuscht, dann zumindest irritiert. Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc zu kennen und unterscheiden zu können, gehört für einen Weinfachmann und ambitionierten Laien zur Grundausstattung. Aber seit einigen Jahren soll man sich auch noch Cabernet Cortis und Cabernet Hitzliputzli merken. Oder Pinotin, der im Glas soviel mit einem richtig guten Pinot zu tun hat, wie Dornfelder mit Pomerol. Schlimm genug, dass es im konventionellen Bereich immer noch die Fake-Cabernets wie Cabernet Mitos und Cabernet Dorsa gibt.
In Österreich wurden jüngst zwei neue Piwis vorgestellt. Donauriesling und Donauveltliner. Mal ganz davon abgesehen, dass ich es merkwürdig fände, einen Donauriesling aus dem südsteirischen Sausal zu trinken. Aber nicht jeder Konsument hat ja einen Sinn für geografische Details. Mich stört viel weniger der Wortteil Donau, als der Wortteil Riesling und Veltliner. Eine Begründung für die Zulässigkeit des Veltlinerbegriffs ist als gemeinsamer Nenner die Traminer-Genetik. Der Donauveltliner habe immerhin 13 der 19 Chromosomen vom Traminer erhalten, sei mit diesem also ähnlich eng verwandt wie der Grüne Veltliner. Da stellt sich mir die Frage: Warum heißt der neue Piwi dann nicht gleich Donautraminer? Würde doch viel besser passen. Ach ja, liegt vielleicht daran, dass man bei der ­Vermarktung vom guten Ruf und der Bekanntheit des Grünen Veltliners profitieren möchte.
 

Sascha Speicher
Stellv. Chefredakteur Weinwirtschaft
speicher@meininger.de

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WeinKompakt

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ProWein  Der Countdown ist eingeläutet

Biowein-Anbau

Die Bio-Fläche wächst weiter – auch im Weinbau. Bei den Erzeugern gibt es aber Konflikte zwischen Süd- und Mitteleuropäern über die richtige Praxis im Weinberg

Biowein-Handel

Im Handel bleibt Bio eine wichtige Größe. Beim Wein gibt es jedoch eine Kluft zwischen Discount und dem Rest

Italien-Spezialisten

Für einige italienische Erzeuger ist der deutsche Markt so wichtig, dass sie den Vertrieb gleich selbst übernehmen

Extra: MUNDUS VINI BIOFACH

Die Siegerweine

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Foto: NürnbergMesse / Thomas Geiger
10. Februar 2017 - 9:45

Die Spitzen-Bioweine aus aller Welt