Verkostung: Amarone

MEININGERS WEINWELT
Ausgabe: 
02
2018
Dienstag, 6. März 2018 - 10:45
Verkostungen

Gewaltig, massiv, opulent …

Amarone ist etwas ganz Eigenwilliges. Der Rotwein aus angetrockneten Trauben ist konzentrierter und üppiger als alles, was sonst so aus Most gemacht wird. Hier einige der besten Wärmflaschen für Ihren Winter am Kamin.

Foto: linomax/Fotolia.com

Valpolicella ist jedem Pizzeria-Gast als leichter, unkomplizierter Sommer-Rotwein bekannt. Der Amarone della Valpolicella hingegen ist genau das Gegenteil: höchst aromatisch, komplex in jeder Hinsicht, extrem stoffig und voluminös, dass einem fast die Luft wegbleibt. Die so gar nicht in unsere Light-Ära passen wollende Wein-Bombe ist aber erfolgreich. Die Erzeugung von Amarone wurde seit dem Jahr 2000 verdreifacht. Zwei Drittel gehen in den Export, das meiste in die USA, mit einigem Abstand gefolgt vom deutschen Markt. Im Land der leichten Weißweine ist demnach auch der voluminöseste aller Rotweine bei den Weintrinkern herzlich willkommen.

Das steckt in Amarone

Wie erreicht nun der Amarone seine hohen Gradationen? Da die Zuckergehalte der Moste durch die Trocknung und somit durch die Konzentration der Trauben sehr hoch sind, klettern natürlich auch die Alkoholgrade in die Höhe. Das Gesetz schreibt einen natürlichen Mindestgehalt von 14 Volumenprozent vor (wo gibt’s das sonst?), der in der Regel aber überschritten wird. Unter unseren etwas über 100 verkosteten Proben wies ein kleines Drittel 15 Volumenprozent auf, ein weiteres 15,5 Volumenprozent und das letzte gute Drittel 16 Volumenprozent und mehr. Bei sechs Amarone stand sogar 17 Volumenprozent auf dem Etikett.

Man ist immer wieder erstaunt, wie gut diese Amarone die hohen Alkoholgrade wegstecken. Kaum eine Probe war zu mächtig oder gar brandig. Vielmehr sorgen die opulente Aromatik, ein Schuss Säure und vor allem das kräftige Tanningerüst für Konturen. Zudem ist Amarone in der Regel trocken. Dabei richtet sich der maximal erlaubte Restzucker nach dem Alkoholgehalt. Bei 14 Volumenprozent darf er höchstens 12 Gramm Restzucker aufweisen, bei 16 Volumenprozent 14 Gramm. Unter unseren Proben waren Zuckerwerte über zehn Gramm die Ausnahme, drei Viertel der Weine lagen unter acht Gramm, der Rest zwischen acht und zehn. Jeder achte Amarone war sogar international trocken (unter vier Gramm).

Damit das alles verdaulich ist, wird auch für die Säure ein Mindestgehalt vorgeschrieben, der bei mindestens fünf Gramm festgeschrieben ist. Es fällt auf, dass die am besten bewerteten Weine in der Säure relativ hoch waren. Und wenn nicht, dann waren sie in Restzucker und/oder Alkohol moderat.

So trinkt sich Amarone am besten

So viel Wein verlangt eigene Trinkmodalitäten. So sollte man unbedingt ein großes Glas wählen, damit das vom Alkohol getragene opulente Aroma Platz hat. Als Trinktemperatur wird meist 18 Grad empfohlen. Wir raten, ihn auf mindestens 16 Grad runterzukühlen (ruhig ein bisschen mehr), damit der Alkohol nicht so warm dominiert. Die Flasche unbedingt zwei Stunden vor dem Genuss öffnen und am besten dekantieren.

Das ideale Pairing: Amarone und Fleischgerichte

Das Ganze schmeckt am besten zu Fleischgerichten. Das passt vielleicht auch nicht so ganz in unsere Zeit, aber irgendwo muss die Urgewalt eines Amarone ja hin. Ideal ist er zu Wild (Extraktsüße statt Früchte zum Rehrücken) oder zu sonstigen kräftigen Fleischgerichten. Der Amarone umschmeichelt samten jede Röstnote vom Gargut und durchschneidet locker jeden Fettstreifen vom durchwachsenen Steak oder von der krossen Entenbrust. Auch gereifte, charaktervolle Käse begleitet er gerne. Zu diesem Gaumenschmaus empfehlen wir eine handverlesene Auswahl verschiedener Amarone, von „leicht“ bis traditionell kraftvoll, von jung bis gereift. Für die Top-Bewertungen (die Hälfte der probierten Weine erhielten 90 Punkte und mehr!) muss man meist mindestens 35 Euro hinlegen, wobei wir aber auch ein paar Schnäppchen für Sie entdecken konnten. „Classico“ bedeutet übrigens nur, dass die Trauben aus fünf Dörfern der Kernregion nördlich von Verona stammen, sind aber qualitativ nicht automatisch besser. Entscheidend ist vor allem die Qualität der Winzer, deren Fleiß und Know-how. Wir haben sie für Sie gefunden.

Michael Hornickel

Prämierte Weine

91
Verkostet am: 
14.11.2017
AZIENDA AGRICOLA MONTE ZOVO, CAPRINO VERONESE (VERONA) (Italien)
90
Verkostet am: 
14.11.2017
Casa Vinicola Zonin, Gambellara

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