Kräuter-Experimente

Felicitas Then - Gruß aus der Küche
Ausgabe: 
04
2016
Mittwoch, 22. Juni 2016 - 10:00
Kolumne
Felicitas Then

Foto: Ben Fuchs

Manchmal, so scheint mir, haben wir im Kochalltag einfach vergessen, dass es frische Kräuter gibt. Ein wenig so, wie wenn man die Oma schon lange nicht mehr angerufen hat. Dabei ist das Telefonat, wenn man dann zum Hörer greift, ganz wunderbar, erfrischend und herzerwärmend – genau wie der Einsatz von frischem Würzkraut. Rührt der oft spärliche Einsatz daher, dass wir gar nicht so recht wissen, welches Kraut zu welchem Gericht passt? Schnittlauch auf dem Rührei, das passt. Basilikum zum Dekorieren von Tomate-Mozzarella ist klar. Aber wohin mit Kerbel, Salbei oder Zitronenthymian? In anderen Ländern sieht der Umgang mit Kräutern ganz anders aus. In arabischen Regionen etwa wird die Petersilie wie eine allgegenwärtige Küchen-Königin gewürdigt.

In unseren Köpfen scheint das Bild des mickrigen Petersilien-Bouquets neben dem triefenden Schnitzel noch zu fest zu sitzen ... Das erklärt wohl auch, warum Petersilie in meinem türkischen Geschäft um die Ecke als riesiger Strauch verkauft wird, im Gegensatz zu den verpackten Mini-Portionen im herkömmlichen Supermarktregal.

Dasselbe gilt übrigens für Koriander oder Minze in Asien. In Vietnam zum Beispiel wird zu fast jedem Gericht ein Kräuter-Berg gereicht. Dort macht man sich nicht die Mühe, die Blätter vom Stiel zu zupfen. Ganze Büschel Koriander werden Foto: Ben Fuchsin die Suppe getunkt oder in die Sommerrolle gewickelt. Hier hingegen gewöhnt man sich nur langsam an den seifig scheinenden Geschmack des köstlichen Koriander-Krauts, verwendet wird er allenfalls gezupft und fein gehackt im Glasnudelsalat.

Meine Frühlingsempfehlung lautet deshalb: Experimentieren wir mehr mit frischen Kräutern! Hier einige Anregungen: Härtere Sorten wie Rosmarin oder Salbei eigenen sich hervorragend, um damit Fleisch oder Gemüse beim Braten zu aromatisieren. Frischer Lorbeer darf ruhig auch mal mit in den Auflauf. Dill passt nicht nur zu Fisch, sondern auch zu Erbsen, Möhren oder Bratkartoffeln. Eine Butter mit Liebstöckel und Knoblauch bringt völlig neue Geschmackserlebnisse auf den Grilltisch und auch Süßes kann Kräuteraroma vertragen.

So passt Rosmarin gut zu gebratenen Pfirsichen, Thymian macht sich wunderbar in Mürbeteig-Keksen und Basilikum peppt das selbst gemachte Erdbeereis auf. Und wenn wir uns dann durch alle Kräuter gekocht haben, fangen wir damit an, den Thymian in den Aperitif zu werfen und Basilikum mit Gin Tonic zu mixen. Aber dazu mehr in einer anderen Kolumne ...

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