Auf ein Glas mit Juliane Eller und Stefan Winter

»Wir trinken privat fast keinen eigenen Wein«
Ausgabe: 
02
2020
Freitag, 10. April 2020 - 8:00

Welche Weine lagern im privaten Keller der beiden? Klar, schon Flaschen aus den eigenen Weingütern … Doch bei Juliane Eller (Juwel Weine, Alsheim) und Stefan Winter (Weingut Winter, Dittelsheim) landen nach Feierabend in erster Linie andere Gewächse im Glas.

Interview: Christine Neubecker

Wie viele Flaschen habt ihr ungefähr?
Stefan: Das sind schon um die 1000 Flaschen mittlerweile.
Juliane: Das hört sich vielleicht viel an, aber wenn du eine gewisse Jahrgangstiefe haben willst, bestellst du direkt mehrere Flaschen von einem Wein.

Und von wem kommen die meisten Weine?
Juliane: Von Stefan! Er ist, was das betrifft, von uns beiden der größere Freak (lacht).

Dabei habt ihr hauptsächlich Weine von anderen Betrieben, wie kommt’s?
Stefan: Du willst dich ja an etwas orientieren und weiterentwickeln – wir trinken privat fast keinen eigenen Wein.
Juliane: Das ist ein riesiger Punkt: Wann trinken wir privat schon unsere Weine? Kaum, denn du musst einfach wissen, wie die richtig guten Sachen schmecken. Das hört sich zwar komisch an, aber man kann es auch als Weiterbildung betrachten …
Stefan: … sonst wirst du irgendwann kellerblind.

Und was die Stilistik angeht, seid ihr euch einig?
Stefan: Wir haben schon ähnliche Vorlieben, wir suchen oft Finesse, Eleganz und Lagencharakter
Juliane: … nichts was man kauen muss und was super schwer ist. Uns schmeckt schon das gleich, aber du hast mich wahrscheinlich dahingehend erzogen
Stefan: … ohne, dass du es gemerkt hast (lacht).

Von was könnt ihr nicht genug im Keller haben?
Juliane: Riesling!
Stefan: Da vor allem Rheinhessen, Pfalz, Nahe, ein Stück weit Rheingau
Juliane: … und Mosel.
Stefan: Wir sind generell schon sehr weißweinaffin!
Juliane: Bei Rotweinen sind wir relativ dünn besetzt.

Internationale Weine habt ihr keine?
Juliane: Doch, Frankreich.
Stefan: Gerne Champagner, so viel es geht. Da haben wir einen relativ großen Durchlauf (lacht).

Was ist euer größter Schatz im Keller?
Stefan: (blickt zu Juliane)
Juliane: Steilvorlage! (lacht)
Stefan: Alles, was hier unten liegt, fasziniert uns. Der 1996 Krug Champagner ist aber schon etwas Besonderes. Das ist, glaube ich, die einzige Flasche, die wir hüten wie einen Schatz. Es gibt noch diverse andere Beispiele, wie die 1998er Huxelrebe Beerenauslese vom Weingut Keller aus Dalsheim.

Wie groß ist die Hemmschwelle sowas überhaupt mal aufzumachen?
Stefan: Eine Hemmschwelle haben wir in der Richtung eigentlich kaum.
Juliane: Bei mir war das früher viel extremer, da habe ich immer gesagt, die Weine können wir jetzt nicht aufmachen. Aber irgendwann bist du an dem Punkt, da machst du’s einfach. Du musst es nur mit den richtigen Leuten im richtigen Moment tun.

Strikt getrennt oder „was mein ist, ist dein“ – was ist euer Motto bei der Weinlagerung?
Juliane: Auf jeden Fall „was mein ist, ist dein“! Meine größte Herausforderung ist immer, Stefan noch beeindrucken zu können mit Sachen, die er noch nicht kennt. Das ist andersrum ein bisschen einfacher (lacht).

Bei so einem großen Lager liegt es nahe, dass ihr eure Weine am liebsten gereift trinkt. Welche Jahrgänge kommen derzeit bei euch ins Glas?
Stefan: Mittlerweile kann ich sagen, dass wir unter mindestens drei Jahren Reife fast nichts mehr trinken.
Juliane: 2015 ist momentan für mich persönlich richtig gut.

Topsecret: Gibt es Weine, die bei euch lagern, von denen besser niemand wissen sollte?
Juliane: Dann dürfen wir es hier nicht sagen … nein (lacht) es gibt nichts!
Stefan: Zumindest keine Flasche, die so viel wert ist wie ein Kleinwagen.

In welchem Keller wärt ihr gerne mal eingeschlossen?
Juliane: Da gibt’s einige, aber ich wäre tatsächlich gerne mal in der Sansibar eingeschlossen.
Stefan: Das ergibt Sinn! Oder auch bei Franz Keller. Vor Kurzem waren wir mal im Tantris, in dem Keller könnte man auch schon mal einen Abend verbringen.

www.juwel-weine.de
www.weingut-winter.de

 

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