Deutsche Sauvignon Blancs mit Herkunftscharakter und/oder Handschrift

MEININGERS SOMMELIER
Verkostungen

Fruchtig-frische Sauvignons sind seit Jahren eine echte Cash-Cow für viele deutsche Erzeuger. Zeit für den nächsten Schritt, denn die Sorte kann bekanntlich weit mehr. Wir haben deutsche Sauvignon Blancs mit Charakter gesucht.

Fotos v.l.n.r. oben: Frank und Thomas Pfaffmann (Stephanie Langohr), Jürgen Hofmann (Weingut Hofmann), Markus Drautz (Rainer Kwiotek), Philipp Kuhn (Oliver Götz), Rainer Schnaitmann (Peter D. Hartung), Sabine Mussler mit Team (Weingut Mussler), Oliver Zeter (Weingut Zeter)

Sauvignon Blanc, weniger als 5 Gramm Restzucker, mit Herkunftscharakter und/oder Handschrift. So lauteten die Vorgaben von Seiten der Sommelier- Redaktion. 36 Winzer fühlten sich berufen und schickten uns insgesamt 53 verschiedene Sauvignon Blancs. Die meisten aus den Sauvignon-Hochburgen Pfalz (23), Württemberg (11) und Baden (10), aber auch Rheinhessen, der Mittelrhein und Franken waren vertreten. Qualitativ begegneten sich die deutschen Anbaugebiete auf Augenhöhe; Prozentual wurden etwa gleich viele Sauvignons aus der Pfalz, Württemberg, Baden und Rheinhessen mit 90 Punkten oder mehr bewertet. 92 Punkte, die höchste Punktzahl dieser Verkostung, erreichten Philipp Kuhn aus der Pfalz und Rainer Schnaitmann aus Württemberg. Für Philipp Kuhn ist die Rebsorte zwar mengenmäßig nicht so bedeutend wie Burgunder oder Riesling, allerdings steckt viel Herzblut in seinen Sauvignons. Er war Anfang der 90er- Jahre einer der Ersten, der die Sorte in der Pfalz anbaute. Was damals im Dirmsteiner Mandelpfad als Versuchsanbau begann, ist heute eine der ältesten Sauvignon-Anlagen in Deutschland. Auch Rainer Schnaitmann ist Sauvignon-Pionier. Zwar wurde die Sorte im Remstal traditionell schon früher kultiviert, die Weingüter Schnaitmann und Aldinger gehörten aber zu diejenigen, die ihr in der Region zu neuem Ansehen verhalfen. Heute profitieren Philipp Kuhn und Rainer Schnaitmann von ihren vergleichsweise „alten“ Reben. Sie vergären ihre Sauvignons spontan, setzen auf ein langes Hefelager und den Ausbau im Holz. Vier Eckpfeiler, die viele unserer Favoriten gemeinsam haben.

Die Kombination Holz und Sauvignon haben in Deutschland vor einigen Jahren die Weingüter von Winning und Oliver Zeter etabliert. Ihre Sauvignons gehörten zu den ersten bekannten Vertretern dieser Stilistik. Auch bei unserer Verkostung kamen fast alle Sauvignons, die Top-Bewertungen erhielten, aus neuen bzw. gebrauchten Barriques, Tonneaux oder größeren Holzfässern. Bei fast allen Weinen war das Holz gut integriert, nur selten wirkte ein Wein überladen. Ein Sauvignon ohne Holzkontakt, der sich dennoch im 90-Punkte-Bereich platzieren konnte, war der Sauvignon Blanc „Ei“ vom rheinhessischen Weingut Hofmann. Jürgen Hofmann berichtet: „Ich habe vor zwei Jahren im Trentino Sauvignon Blancs aus Betoneiern probiert. Das hat mich neugierig gemacht, wie sich unser Sauvignon darin entwickeln würde.“ Jürgen Hofmann hat den Sauvignon Blanc „Ei“ während einer dreitägigen Maischestandzeit mit Trockeneis gekühlt, gekeltert und anschließend mit etwa 10 Prozent Trauben im Betonei spontanvergoren.

Der kleine „Sponti-Stinker“, den viele der Weine hatten, steht der Rebsorte Sauvignon besonders gut. Spontangärung ist allerdings kein Muss, es tummeln sich auch einige reinzuchtvergorene Weine unter unseren Favoriten. Bei der Verkostung waren Sauvignons der unterschiedlichsten Bodentypen vertreten, von Muschelkalk über Löss-Lehm, Buntsandstein, Granitverwitterung ... Generell schienen die Weine aber eher von ihrer Machart als vom Terroir geprägt zu sein. Oliver Zeter, der in Südafrika sein „Sauvignon-Blanc-Schlüsselerlebnis“ hatte und die Sorte seit seiner Rückkehr in der Pfalz anbaut, erklärt: „Sauvignon ist nicht allzu lagenabhängig. Durch entsprechende Maßnahmen im Weinberg und im Keller kann auf einen bestimmten Weinstil hingearbeitet werden.“

Während es sich bei fruchtig-frischen Sauvignons (die wir bei dieser Verkostung ja ausklammern wollten) empfiehlt, diese möglichst schnell nach dem Füllen zu trinken, hatten wir den Eindruck, dass es bei vielen der von uns verkosteten Weine in den nächsten Jahren nochmal richtig spannend wird. Markus Drautz vom württembergischen Weingut Drautz-Able gehört zu den deutschen Sauvignon- Spezialisten. Er bewirtschaftet die älteste Sauvignon-Anlage im Weinbaugebiet Württemberg aus dem Pflanzjahr 1987. Den Reifeverlauf seines Sauvignon Blanc „Hades“ beschreibt er folgendermaßen: „Nach der Füllung verschließt sich der Wein meist für etwa ein Jahr, danach rückt die Frucht in den Vordergrund. Erst nach drei bis fünf Jahren wird das Holz immer besser eingebunden und ein großer Wein entsteht. Leider erleben die meisten Flaschen diesen Moment gar nicht.“

Dass das Entwicklungspotenzial der Weine sehr unterschiedlich ausfällt, lässt sich schon einige Stunden nach dem Öffnen der Flaschen erahnen: Während einige Sauvignons über Nacht regelrecht zerfielen legten andere nochmal richtig zu. Thomas Pfaffmann vom Weingut Wageck bestätigt: „Ältere Jahrgänge unserer Réserve brauchen immer viel Luft um sich zu entfalten. Eine zu schnelle Bewertung wird dem Wein nicht unbedingt gerecht. Spannend ist, die Flasche bis zu vier Wochen nach dem Anbrechen immer wieder nachzuverkosten.“

Text: Janina Wilsch

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