Toni Askitis knackt die Pyramide

Ausgabe: 
02
2016
Mittwoch, 1. Juni 2016 - 16:15
Events
Branchentermine
Wie im Vorjahr zeichneten die VDP.Prädikatsweingüter und meiningers sommelier bei der Eröffnung der Mainzer Weinbörse den VDP.Traubenadler Sommelier aus. Nachdem es 201hg5 um die Jahrgangstiefe auf der Weinkarte ging, lautete das Thema in diesem Jahr: Wer setzt die Lagen- und Herkunftsklassifikation der VDP.Prädikatsweingüter am besten auf seiner Weinkarte um. Bei einem knappen Kopf-an-Kopf-Rennen hatte am Ende Toni Askitis, Inhaber des D’Vine in Düsseldorf, die Nase vorne. Das Thema lag auf der Hand: Die Vielzahl an charaktervollen Lagen mit einer großen Vielfalt an Böden und Mikroklimata gehören unbestritten zu den besonderen Stärken und Merkmalen des deutschen Weins. Und mit der VDP. Klassifikation engagieren sich die VDP.Prädikatsweingüter mit Leidenschaft, das Thema Herkunft ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.
 
Die Herausforderung für die Sommeliers bei der Umsetzung der Lagen- und Herkunftsklassifikation des VDP besteht neben einer guten Balance aus Guts- und Ortsweinen, sowie Weinen aus Ersten und Großen Lagen (mit einer
angemessenen Jahrgangstiefe) auch in der ebenso korrekten wie für den Gast
übersichtlichen Darstellung auf der Weinkarte. Die VDP.Prädikatsweingüter
haben durch diverse „Klassifikations-Weiterentwicklungen“ in den letzten Jahren die Umsetzung für die Gastronomie nicht gerade leicht gemacht hat. Stichwort Erste Lage – Große Lage, Erstes Gewächs – Großes Gewächs, dreistufiges Modell – vierstufiges Modell. Doch wie schwer das Lagenthema tatsächlich auf der Karte umzusetzen ist, wurde der Jury, die sich aus Vertretern des VDP-Vorstands, der VDP-Geschäftsstelle und der Redaktion zusammensetzte, eigentlich erst bewusst, als die eingereichten Karten analysiert wurden. 
 
Preisverleihung an Toni Askitis durch Steffen Christmann und Sascha Speicher (Foto: VDP)
 
Die drei, denen diese Quadratur des Kreises am besten gelungen ist, wurden auf der Mainzer Weinbörse ausgezeichnet. Am besten umgesetzt hat das Thema nach Ansicht der Jury Toni Askitis. „Es macht einfach Spaß, mit den verschiedenen Lagen zu spielen und den Gast mit den Unterschieden zu begeistern. Die Weine haben Identität, zeigen Herkunft, und zwar auch nach langer Reifung“, sagt der Sommelier und Inhaber des D‘Vine. Und wer bei ihm gegessen hat, weiß, dass er es ernst meint. Auf keiner anderen Karte wurde versucht, so detailliert und korrekt die Klassifikation umzusetzen und richtig zu deklarieren. VDP.Große Lage, GG, VDP.Erste Lage, bis hin zum Logo der 1 mit Traube. Dazu bei vielen Weingütern die gesamte Pyramide vom Gutswein, über den Ortswein, zum Teil auch Erste Lage bis zum Großen Gewächs. 
 
Den zweiten Platz belegte Christoph Geyler mit der Weinkarte des Rutz. Geyler, der erst seit 2014 der verantwortliche Sommelier des Rutz ist, wies ganz fair darauf hin, dass diese Karte das Ergebnis von 15 Jahren Arbeit ist. Im wichtigsten Punkt setzt er die Tradition seiner Vorgänger fort: „Passion und Liebe ist vor allem der deutsche Riesling. Und keine andere Sorte kann in ihrer Vielseitigkeit die Lage so widerspiegeln.“ Womit wir beim Thema wären. Die Stärke der Karte liegt ganz klar in der Breite und Tiefe des Angebots an Großen Gewächsen und mehr oder weniger restsüßen Weinen aus Großen Lagen, die in einigen Fällen auch näher und vor allem sehr anschaulich erklärt werden. Vielfalt der Lagen, Jahrgangstiefe, bis hin zu raren Versteigerungsweinen, hier ist das Rutz definitiv unschlagbar. Weniger ausgeprägt ist die Umsetzung der Hierarchie mit allen vier Stufen inklusive VDP.Guts- und Ortsweinen und VDP.Ersten Lagen. Auch wenn punktuell immer wieder ein Guts- oder Ortswein der offerierten Weingüter angeboten wird, spielen doch die Großen Lagen die Hauptrolle.
 
Der dritte Platz ging an Philipp Oltersdorf vom Hotel Deimann in Schmallenberg. Das liegt mitten im Sauerland, also nicht gerade im pulsierenden Zentrum der deutschen Weinkultur. Und so ist der Ansatz von Philipp Oltersdorf wohl alternativlos: „Viele Gäste kennen die Klassifizierung des VDP noch gar nicht bzw. beschäftigen sich nicht damit. Ich empfehle den Hausgästen gerne
am ersten Tag einen VDP.Gutswein. Am zweiten Tag steigern wir uns qualitativ bis zum VDP.Großen Gewächs." Die Karte spiegelt genau diesen Ansatz wider. Uns überzeugte besonders die gute Mischung aus Guts- und Ortsweinen, einigen Ersten Lagen und Großen Gewächsen oder restsüßen Weinen aus Großen Lagen. Die gesamte Klaviatur, ansatzweise auch mit einer gewissen Jahrgangstiefe. Kleiner Kritikpunkt ist, dass die Stufen VDP.Ortswein, VDP.Erste Lage und VDP.Große Lage nicht korrekt in der Weinkarte bezeichnet werden. Dennoch eine wirklich überzeugende Karte und angesichts der namhaften Konkurrenz ein vielleicht etwas überraschender, aber nach Ansicht der Jury absolut verdienter Dritter Platz. Sascha Speicher

Anzeige