Verteilte Stärken

Dienstag, 12. September 2017 - 16:00
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Markus Wöhrle punktet mit den weißen Burgundersorten (Foto: foto kai gebel.2ld.eu | idee roberto valentino.bcr24.de)

Franken punktet mit Silvaner, die Pfalz mit Weißburgunder, Baden mit Grauburgunder und Chardonnay. Beim Spätburgunder hingegen ist das Spitzenfeld bunt gemischt. So lässt sich ein grobes Fazit bei den sonstigen Sorten aus regionaler Perspektive ziehen. Während beim Riesling besonders die verschiedensten Schieferböden in Verbindung mit dem Können des Winzers für Höchstbewertungen sorgen, sieht das Bild bei den sonstigen Sorten ganz anders aus. Die Pinotsorten fühlen sich nunmal auf Kalk in allen Varianten sowie Gips(keuper) oder Buntsandstein besonders wohl. Unter den Elf bestbewerteten Großen Gewächsen aus Spätburgunder ist nur Meyer-Näkels Kräuterberg auf Schiefer gewachsen. Spätburgunder vom Schiefer bleibt Geschmackssache. Die einem mögen die warmen Gewürznoten und die feurige Frucht der Schiefer-Pinots, andere bevorzugen die Eleganz, Frische und Engmaschigkeit, die nur die besten Pinots von kalkigen Böden auszeichnet.

Das Weingut Huber bleibt der Pinot-König mit vier Weinen, die mit 93 oder mehr Punkten bewertet wurden. Nur ein Großes Gewächs, den Schlossberg, hat Benedikt Baltes ins Rennen geschickt und zusammen mit Hubers Wildenstein die Bestnote erzielt. Diese beiden Spätburgunder sind Weltklasse! Dazu gesellen sich die weiteren Pinotstars: Rudolf Fürst, Friedrich Becker, Klaus-Peter Keller und das Weingut Aldinger, dem 2015 ein grandioser Gips „Marienglas“ gelungen ist. Im Feld der 92-Punkte-Pinots ist das Weingut Erst Dautel gleich zweimal vertreten, was bestätigt, dass Württemberg beim Spätburgunder inzwischen richtig gut aufgestellt ist. Angesichts dessen verwundert die Stagnation beim Lemberger. Hier fehlt es vielen GGs einfach ein wenig an Eleganz und Spannung. Zurück zum Pinot und zum Rheingau-Aufsteiger des Jahres. Urban Kaufmann ist in der Lage Hassel nicht nur der beste Riesling seit ewigen Zeiten gelungen, sondern auch ein exzellenter Spätburgunder.   

Die sieben besten Silvaner Großen Gewächse stammen von sechs verschiedenen Winzern, was zeigt, wie breit die Spitze in Franken inzwischen ist. In Sachen Komplexität und Langlebigkeit ganz klar Deutschlands Weißweinsorte Nummer zwei hinter dem Riesling. Weiß- und Grauburgunder sind dagegen bekanntlich bei vielen Weingütern die absoluten Top-Seller, vor allem im Gutsweinbereich. Sie treffen den Publikumsgeschmack und viele Weingüter richten sich stilistisch konsequent nach diesem, zum Teil bis auf die GG-Stufe. Das ist keineswegs verwerflich, sondern kaufmännisch. Vermutlich deshalb wurden von den 71 Weiß- und Grauburgunder-GGs, die im September auf den Markt kamen, gerade einmal 30 in Wiesbaden gezeigt. Das sind 42 Prozent (zum Vergleich: beim Riesling wurden 75 Prozent präsentiert, beim Silvaner 73 Prozent). Die nationale Spitze der Weiß- und Grauburgunder ist jedoch meilenweit von Beliebigkeit entfernt. Der Beste von allen ist der Kirschgarten 2016 von Philipp Kuhn. Auf dem gleichen Niveau bewegen sich die beiden Chardonnay-GGs von Huber. Auffallend stark präsentierte sich die Kollektion des Weinguts der Stadt Lahr bzw des Weinguts Wöhrle, wie der Betrieb inzwischen heißt. Sowohl Weiß- wie Grauburgunder und Chardonnay gehören zum Besten, was an Großen Gewächsen aus diesen Sorten erzeugt wurde. Die detaillierten Verkostungesergebnisse der Produzenten gibt’s in der nächsten Ausgabe von meiningers sommelier. sas

 

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