Nachwuchs - Sommelier 2012

Dienstag, 8. Mai 2012 - 12:00
Gastronomie

Ich habe meine Schulunterlagen nochmal länderweise durchgearbeitet und meine persönlichen Notizen beachtet“, erzählt Verena Hof von ihren Vorbereitungen auf den Wettbewerb Nachwuchssommelier 2012. Zum elften Mal hatte das SOMMELIER MAGAZIN gemeinsam mit der Deutschen Sommelier Union, der Hotelfachschule Heidelberg und der Wein- und Sommelierschule den Wettbewerb zum Nachwuchssommelier ausgeschrieben.

 

Was 2002 bei der Erstauflage als Zielsetzung des Wettbewerbs festgelegt wurde, gilt bis heute: Zum einen sollen junge Sommeliers die Möglichkeit erhalten, erste Wettbewerbserfahrungen zu sammeln – und zwar auf Augenhöhe mit den anderen Teilnehmern. „Es kann kaum motivierend sein, während eines Wettbewerbs gegen erfahrene Sommeliers anzutreten, die mit ihrer Souveränität und ihrer Vertrautheit mit einer Wettbewerbssituation schon alle Vorteile auf ihrer Seite haben“, so Kristine Bäder, Chefredakteurin des SOMMELIER MAGAZINS und Organisatorin des Wettbewerbs.

 

Zum zweiten hat die direkte Zusammenarbeit mit den beiden Schulen in Deutschland, die eine staatlich anerkannte Ausbildung zum Sommelier anbieten, den Sinn, auch eben diese Ausbildung zu fördern. Deshalb durften von Beginn an nur Absolventen der beiden Schulen an dem Wettbewerb teilnehmen.

 

Knapp 20 Teilnehmer hatten sich in diesem Jahr ein Herz gefasst und waren nach Neustadt gereist, um sich dort mit den Kollegen zu messen. Aufgabe Nummer eins für alle Teilnehmer: ein schriftlicher Test, bei dem 30 Fragen rund um das Thema Wein, aber auch zu anderen Bereichen beantwortet werden mussten, wie beispielsweise Tee, Mineralwasser oder Bier. Zum Abschluss musste außerdem ein Wein verkostet werden, und zwar der 2010 Grüner Veltliner Hollenburger Lusthausberg Kremstal DAC Reserve vom Weingut Josef Dockner. Die Ergebnisse im schriftlichen Teil waren homogen wie selten, Totalausfälle wie in der Vergangenheit gab es diesmal nicht.

 

Trotzdem reichte es natürlich nur für die sechs Besten aus dem ersten Teil bis ins Finale. Während sich also die Teilnehmer am Mittagsbuffet stärkten, ermittelte die Jury – Stefan Braun (Wein- und Sommelierschule), Dominik Trick (Hotelfachschule Heidelberg), Christine Balais (Deutsche Sommelier-Union), Norbert Rosen (S. Pellegrino), Gerhard Elze (Österreich Wein), Stefanie Kress (VDP) und Kristine Bäder (MEININGER VERLAG) – die Finalisten. Die Ergebnisse waren knapp, am Ende waren es drei Damen und drei Herren, die sich im zweiten Teil der praktischen Herausforderung stellen sollten: Laura Menges, Verena Hof, Patrick Michael Kolb, Robin Spitz, Lars Vogel und Rebekka Weickert.

 

Das Finale begann mit einer nur scheinbar leicht lösbaren Aufgabe. In fünf Gläsern waren verschiedene Weißweine ausgeschenkt, dazu bekamen die Kandidaten eine Liste mit fünf Rebsorten, die nun den einzelnen Weinen zugeordnet werden mussten. Doch obwohl die Weine relativ eindeutig zu erkennen waren, bereitete es den meisten Kandidaten erhebliche Schwierigkeiten, Silvaner, Riesling, Müller- Thurgau, Scheurebe und Grauburgunder eindeutig zu erkennen. Schon hier erarbeitete sich Verena Hof einen Vorsprung, weil sie alle Weine richtig zuordnen konnte.

 

Weiter ging es mit dem zweiten Teil: die klassische Blindprobe. Je ein Weiß- und Rotwein aus Italien – ein Nero d‘Avola und ein Vermentino – sollten ganz nach gängigem Verkostungsschema beschrieben werden. Also Farbe, Geruch und Geschmack, Speisenempfehlung, Serviertemperatur, Lagerfähigkeit und eine Zuordnung zum richtigen Jahrgang, Rebsorte und der Herkunft. Obwohl das in der Ausbildung nach dem immer gleichen Schema geübt wird, taten sich doch alle Kandidaten schwer, die gefragten Informationen zu geben. Eine Speisenempfehlung gab es fast immer, Jahrgang und Herkunft fast nie. „Ich konnte mich bei den Blindproben sehr schlecht auf die Rebsorte beziehungsweise ein Land festlegen“, sagt auch Verena Hof im Nachgang. Auch das Zeitlimit von zehn Minuten für zwei Weine war für einige Kandidaten ein Problem, die sich zu sehr in Details verloren statt konsequent und direkt den Wein zu beschreiben.

 

Eine fehlerhafte Weinkarte stellte die dritte Herausforderung für die Kandidaten dar. Etwa 15 Rot- und Weißweine waren aufgelistet, doch nicht immer mit den richtigen Angaben. Ein Rotwein stand unter der Überschrift Weißweine, Jahrgänge stimmten nicht, da die Weine noch nicht auf dem Markt waren, oder die Weine waren den falschen Regionen oder DOCs zugeordnet. Eine Aufgabe, die nicht nur eine Menge Konzentration erfordert, sondern auch das tiefer gehende Wissen der zukünftigen staatlich geprüften Sommeliers auf die Probe stellt. Laura Menges von der Hotelfachschule Heidelberg konnte hier komplett überzeugen und mit großem Abstand die meisten Fehler auf der Karte ausfindig machen.  Am Schluss dann eine Aufgabenstellung, die die klassischen Aufgabenbereiche der Arbeit im Restaurant betriff t: der Service am Gast. In diesem Jahr mussten die Kandidaten eine Flasche Rotwein dekantieren – mit Kerze und Karaffe. Dabei galt es nicht nur, den perfekten Service zu managen, sondern gleichzeitig auch noch Fragen des Gastpaares zur Weinkarte und dem Dekantiervorgang zu beantworten und dabei auch die Uhr nicht aus den Augen zu verlieren. Denn spätestens nach zehn Minuten mussten die Gäste ihren Wein genießen können und außerdem ihre Neugier gestillt sein. Deutlich wurde hier, dass die Praxis zwar bei den meisten kein Problem ist, es dennoch sichtbare Unterschiede in der Gastbetreuung und auch in der Sicherheit der Handgriffe gibt.

 

Die Jury machte es sich am Ende nicht einfach mit ihrer Entscheidung. Die Stärken der Kandidaten waren auf die verschiedensten Teile des Finales verteilt, einen eindeutigen Favoriten schon allein vom ersten Eindruck festzulegen war nahezu unmöglich. Also blieb nur die reine Punkteauswertung und bei der hatte dann Verena Hof die Nase vorne – vor Robin Spitz und Laura Menges. „Diese Auszeichnung motiviert mich sehr und bestätigt mich in meinem Tun als Weinliebhaberin und Servicekraft“, so die frischgebackene Siegerin. Für die Gewinnerin geht es nun nach Italien. Sponsor S. Pellegrino hat nicht nur einen Besuch in der Zentrale des Unternehmens – der Villa Panna in der Lombardei – auf dem Programm sondern Besuche bei einigen der besten Weingüter der Toskana und einen Abstecher zur Europameisterschaft der Fußballköche. „Bisher hatte ich noch nicht viele Berührungspunkte mit Italien. Aber auf der Reise werde ich off en sein für Neues und hoffe, die Weine verstehen zu lernen, wenn ich vor Ort bin“, freut sich die Gewinnerin schon auf die Reise.

 

Für Robin Spitz geht es nach Österreich. Die Österreich Wein, von Beginn an Sponsor des Nachwuchswettbewerbs, lädt den jungen Sommelier zu einer Reise zur VieVinum nach Wien ein und wird ihn auch im Rahmenprogramm mit einigen spannenden Winzern und ihren Weinen bekannt machen.

 

Der VDP ist traditionell der Pate für Platz drei und für Laura Menges bedeutet das nicht nur ein Jahr mit exklusiven Einladungen zu VDP Veranstaltungen, sondern auch einen Besuch des Ball des Weines in Wiesbaden inklusive einer Übernachtung.

 

Für Verena Hof stehen im April nun erst einmal die Abschlussprüfungen zur IHK-geprüften Sommelière an der Wein- und Sommelierschule an, ob sie dann in Zukunft weiter an Wettbewerben teilnehmen wird, hat sie noch nicht entschieden.

Kristina Bäder

Credits: Inge Miczka

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