Guter Wein. Mehr Wert statt weniger Preis.

Kolumne: Martin Kössler
Ausgabe: 
03
2015
Freitag, 28. August 2015 - 8:00
Kolumne

Martin KösslerWir bieten nur Weine, die von namhaften und weltbekannten Winzern und Weingütern stammen und sorgen mit bis zu 60 Prozent Preisnachlass dafür, dass Premiumweine für jedermann bezahlbar sind ...« Aktionen wie diese sind derzeit gang und gäbe im Weinhandel. Sie machen vor keinem Etikett Halt und insbesondere das arg gebeutelte Spanien scheint fast nur noch über Ramsch-Aktionen verkäuflich zu sein; mit großen Namen bestückte Aktionsverkäufe mit bis zu 50 Prozent Abschlag sind traurige Regel.

Leichenfledderei in wirtschaftlich schwierigen Zeiten oder die Zukunft des Weinhandels? »Premium« und vermeintlicher »Spitzenwein« als inflationäre Ramsch-Ware? Vieles, was im Wein einst Aura hatte und klingender Name war, wird heute in großen Mengen produziert und über entsprechende Resterampen an Kunden verhökert, die kaum darüber nachzudenken scheinen, dass Nachlässe in solcher Höhe nicht wirklich seriös sein können. So führt man »Premium« ad absurdum, lässt Marken verkommen zu hohlen Hüllen und zwingt die Gastronomie zum Umdenken, weil sie mit Weinen, die prominent verramscht werden, nicht anzutreten braucht.

Sie muß nicht davon ausgehen, dass jeder Gast um das Marktgeschehen weiß, doch durch die banale Konzentration auf den Preis hat Wein viel von seiner Faszination verloren. Uns alter Weinbaunation scheint das Gefühl für seine Wertigkeit abhanden zu kommen. Im Selbstbedienungsregal kann er seine Geschichte nicht erzählen und in kaum einer der unzähligen Kochshows im Fernsehen findet er überhaupt statt. Kein Kochbuch thematisiert Trinken und Essen auf Augenhöhe. Müssen wir uns da nicht wundern, dass der deutsche Weinhandel nur verkauft, was von alleine geht, und der Weintrinker verunsichert, schlecht informiert und wenig offen für Wein in seiner Vielfalt und Entwicklung ist? So hat Wein keine Zukunft. So ist weder der besondere Reiz unserer Steillagen zu vermitteln, noch die profunde Kompetenz jenes harten Handwerks im Weinberg, das sich den Herausforderungen des Klimawandels stellen muss, um nicht mit der chemischen Keule und großem Aufwand an Technik reagieren zu müssen.

Wir müssen unseren Gästen erläutern, was Wein hochwertig und charaktervoll, vielfältig und individuell »anders« macht. Wir müssen den Mehr-Wert im Genuss plausibel machen, weil mehr Weinerlebnis im Glas mehr Geld kostet. Dazu müssen wir Wein so transparent wie möglich machen und erklären wie sein Preis entsteht, was ihn billig oder teuer macht, worin der Unterschied zwischen Technik, Natur und Kultur im Wein liegt und wie sich aus all dem seine Wertigkeit generiert. Wir brauchen keinen Kampf um den besten Preis, wir brauchen Worte für Qualität im Glas, damit Wein zum Erlebnis wird. Das setzt Engagement und Kompetenz ebenso voraus, wie Glaubwürdigkeit und Leidenschaft. Damit das Handwerk im Wein Zukunft hat in der Gastronomie.

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