Hop, hop, hurra!!!

Freitag, 6. März 2020 - 12:45
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Der neue Collab Brew von Bitburger gemeinsam mit den Craf-Pionieren von Sierra Nevada: das Triple Hop’d Lager. Foto: Bitburger Braugruppe

Mit dem „Triple Hop’d Lager“ bringt die Bitburger Brauerei gemeinsam mit den Craftbier-Pionieren Sierra Nevada aus den USA ein limitiertes Bier in den Handel. Das hell-goldene und naturbelassenes Lagerbier ist dreifach mit Cascade-Hopfen aus der Eifel sowie Centennial- und Chinook-Hopfen aus den USA gehopft und mit Bitburger Siegelhopfen verfeinert. Bei 5,8 Prozent Alkohol weist das untergärige Bier einen fruchtig-hopfigen Geschmack und eine harmonisch in den Malzkörper eingebundene Bittere auf. „Triple Hop’d Lager“ ist ab sofort in der 0,33-l-Dose auf www.bier-deluxe.de und www.beyondbeer.de, vom Fass in einigen Gastronomieobjekten sowie ab Ende März exklusiv bei Rewe erhältlich.

Über die Hintergründe des Collab-Brews mit Sierra Nevada hat Jan Niewodniczanski, Geschäftsführer Technik und Umwelt der Bitburger Braugruppe, in einem Interview mit Marika Schiller, Chefredaktion CRAFT, gesprochen (erschienen in CRAFT 3/19).

 

„Wir sind Pioniere“​​​​​​​

Die Bitburger Braugruppe und eine US-amerikanische Craft-Brauerei –  wie passt das denn zusammen?
Nun (lacht), diese Frage bewegt sicher viele. Doch wir haben viel mehr gemeinsam, als man vielleicht auf den ersten Blick meinen könnte. Dies haben Ken Grossman und ich in unseren Gesprächen immer wieder festgestellt. Unsere Brauereien sind hundertprozentig unabhängige Familienunternehmen, die sehr langfristig agieren. Wir beschäftigen uns vor allem damit, wie wir das Unternehmen in die Zukunft führen und messen unsere Erfolge nicht nur in Quartalsergebnissen oder Hektolitern. Wir setzen uns auch mit unserem Umfeld auseinander und hinterfragen unser Tun. So ist etwa Nachhaltigkeit sowohl für Bitburger als auch für Sierra Nevada ein sehr wichtiges Thema und fest in unserer Unternehmensstrategie verankert. Auch als Brauer ticken wir ähnlich. Wir sind Verfechter von kompromisslos guter Qualität und das fängt bei den Rohstoffen an. Und wir sind Pioniere, wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten. Ken Grossman gilt als Vorreiter und Impulsgeber der heutigen Craftbier-Bewegung und inspiriert Brauer weltweit. Bei uns liegt die Pionierzeit schon ein paar Jahre zurück: So war es mein Ururgroßvater, der im Jahr 1913 vor dem Reichsgericht in Leipzig erstreiten konnte, dass aus der Herkunftsbezeichnung „Pilsener“ eine Sortenbezeichnung wurde. 

Sierra Nevada hat schon mit  einigen anderen deutschen Brauern kollaboriert. Wie haben Sie zusammengefunden?
Grossman und ich kennen uns schon länger von verschiedenen Besuchen in Amerika und schätzen uns sehr. Im Grunde war es nur eine Frage der Zeit, ein gemeinsames Projekt anzudenken. Als er mich dann vor ungefähr einem Jahr wegen 
einer Zusammenarbeit ansprach, sagte ich sofort ja. Auch wenn wir schon einige Collaboration- Projekte mit der Marke Craftwerk erleben durften, war mir klar, dass dies für Bitburger selbst und auch für eine deutsche Brauerei dieser Größenordnung eine Premiere sein würde. Aber wenn Sierra Nevada anfragt, dann muss man mit der Marke Bitburger antworten. Die Brauerei ist für mich die absolute Ikone der Craftbier-Bewegung in den USA.

Für das Projekt galt es 7.000 Kilometer zu überbrücken. War das insgesamt nicht alles sehr aufwändig?
Eigentlich nicht wirklich. Meinem Ururgroßvater ist es ja auch gelungen, im Jahr 1893 Bitburger Bier pünktlich zur Weltausstellung nach Chicago zu schippern... Nein, im Ernst. Die meisten Dinge lassen sich heute doch gut auch über größere Distanzen organisieren. Das Einzige, was uns jedoch tatsächlich Kopfzerbrechen bereitet hat, das war die Sache mit der Hefe. Würde es gelingen, einen lebenden Organismus heil und auch noch gesetzeskonform nach Amerika zu schicken? Dass unsere Hefe von unseren Brauern Diva genannt wird, deutet auf ihr empfindliches Wesen hin. Sie musste also sicher transportiert und bei Laune gehalten werden.

Bei einem Collab Brew gibt jeder Brauer etwas von sich selbst in das Bier hinein, besondere Zutaten,  aber auch etwas von seinem Können, seiner Philosophie. Aus welchem  Zeug ist nun das Festbier?
Das Geheimnis eines Collab Brews ist, dass er Teile des genetischen Codes der beteiligten Brauereien in sich trägt, die ihn dann letztlich auch ausmachen. Ich habe mich im Vorfeld sehr intensiv damit beschäftigt, welche Teile wir von Bitburger hineingeben wollen. Und da gab es für mich zwei Dinge, nämlich den Aromahopfen unseres Hopfenbauers Andreas Dick aus der Südeifel und unsere eigene Hefe. Bei der Auswahl des Hopfens ging es auch darum, dass dieser gut kombinierbar mit dem Flavor-Hopfen der amerikanischen Kollegen sein musste. Schließlich wollten wir eine schöne Drinkability erreichen. Herausgekommen ist ein relativ dunkles Bier vom Typ Märzen mit floralen Noten, knapp 6 Volumenprozent Alkohol, 14 Prozent Stammwürze und 23 Bittereinheiten. Für den großen Sud im Juli wollen wir das Rezept noch etwas feiner abstimmen. Mir persönlich ist es etwas zu dunkel geraten.

Nun wurde den Fans über Social Media ganz schön der Mund wässrig gemacht, zu haben ist das Bier aber zunächst nur in den USA. Wie lange müssen sich die Bierfreunde hierzulande gedulden?
Wir werden einen Container mit Fässern nach Deutschland holen und das Bier in ausgewählten Locations an den Hahn bringen. Sozusagen als Appetizer für  den gemeinsamen Sud mit Sierra Nevada im Jahr 2020.  

Es wird also ein Craftbier unter  dem Label Bitburger geben?
Ja, tatsächlich, wenn Sie es so nennen wollen, ein Craftbier mit Bitburger Wurzeln. Die zeitliche Planung steht bereits. Im November wird gebraut, Anfang 2020 soll das Bier am Markt sein. Wahrscheinlich wird es traditionell und obergärig sein, hier gehen wir zurück zu unseren Ursprüngen. Und da jeder Brauer etwas hineingibt, was seine Marke ausmacht, wird natürlich der Hopfen eine Rolle spielen. Sicher werden wir kalthopfen, aber nicht so extrem, dass es den deutschen Biertrinker umhaut.

Sie sind selbst ein Weltenbummler in Sachen Bier und waren viele Jahre  rund um den Globus unterwegs. Sie lieben es, ihren Horizont zu erweitern. Mit dem Collab Brew schaut auch Bitburger über den Tellerrand. Welche Effekte erhoffen Sie sich? Ich halte Craftbier grundsätzlich für einen wichtigen Impulsgeber für uns Brauer. Ob man nun klein oder groß ist, spielt keine Rolle. Bei diesem Collab Brew geht es für uns vor allem um kollegiale und soziale Aspekte. Gemeinsam eine Rezeptur zu entwickeln und das Bier dann zusammen zu brauen, hierbei geschieht etwas mit allen Beteiligten. Man schafft 
zwar etwas Temporäres, Vorrübergehendes, ein Kunstwerk, wenn man so will, mit  Happening-Charakter. Und doch wird sicher etwas bleiben etwas Nachhaltiges.

Welche Impulse sind denkbar? Was könnten sie für Bitburger insgesamt bedeuten? Ich möchte nicht vorgreifen. Aber als Unternehmer denken wir langfristig. Als Bitburger Braugruppe wollen wir weltoffen sein. Mit dem Collab Brew können wir den amerikanischen Brauern auch unsere Wertschätzung entgegenbringen. Schließlich waren die Impulse der amerikanischen Craftbier-Bewegung für Deutschland extrem wichtig.

Apropos: Der mediale Rummel um Craftbier hat deutlich nachgelassen und auch die Zahlen belegen eine Konsolidierung. Hat Craftbier seine Chancen auf dem deutschen Markt schon verspielt? Wurde das Potenzial überschätzt?
Nein, das sehe ich nicht so kritisch. Wie gesagt, die Craftbier-Bewegung ist für Deutschland sehr wertvoll. Und das gilt nach wie vor. Zeitlich jedoch wurde hier von vielen Akteuren zu kurz gedacht. Der deutsche Markt hat im globalen Vergleich ganz eigene und andere Voraussetzungen. Hier gab es nicht wie in den USA eine konsolidierte Marktsituation. In Deutschland mit seinen vielen privaten Brauereien wurde immer auf hohem Niveau gebraut. Das macht einen eklatanten Unterschied und wurde in den Erwartungen an Craftbier zu wenig berücksichtigt. Es gibt aber immer noch ein Momentum. Es ist also der richtige Augenblick für Veränderungen. Auch wenn alles viel langsamer geschieht als angenommen - die Richtung stimmt und das ist entscheidend. 

Wenn die Ernüchterung eine Chance ist, welche Hebel müssten jetzt vor allem bewegt werden? Seitens der Brauer, des Handels, der Gastronomie?
Für die Brauer gilt, kontinuierlich mit Qualität zu überzeugen. Und dahinter setze ich drei Ausrufezeichen. Längst ist klar, dass ein schickes Etikett und ein cooler Name nicht reichen, um Erfolg zu haben. Vom Handel wünsche ich mir mehr Durchhaltevermögen, hier beobachte ich eine gewisse Hilflosigkeit. Eine entscheidende Rolle spielt auch die Gastronomie. Das Personal muss Kenntnis von der Materie haben. Wenn mir der Barkeeper einen langen Vortrag zum Thema Gin halten kann, jedoch nicht weiß, was ein obergäriges von einem untergärigen Bier unterscheidet, dann muss ich mich schon wundern. Die wichtigste Veränderung allerdings muss in den Köpfen der Konsumenten passieren. Qualitativ hochwertige Lebensmittel haben ihren Preis. Während in Deutschland andere Statussymbole Priorität haben, gehört der Genuss hochwertiger Produkte in vielen anderen Ländern zum Savoir-vivre. 

Auf eine gelungene Premiere: Ken Grossmann (Mitte) und sein Sohn Brian (links) mit Jan Niewodniczanski. Foto: Marco Schmitz / Die Textagentur

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