„Energie freisetzen“

Ausgabe: 
04
2019
Freitag, 27. September 2019 - 12:30
Bier
Service

Weber möchte signalisieren: Traut euch, probiert euch aus. Ihr dürft auch scheitern. Foto: Ben Fuchs

 

Die Dinge auf den Kopf zu stellen und komplett neu zu denken, das erfordert Mut. Weil man alles verlieren – oder gewinnen kann. Christian Weber, Generalbevollmächtigter der Karlsberg Brauerei KG, hat sein Unternehmen umgekrempelt. Strukturell und personell. Für 2018 hat das der Brauerei ein Umsatzplus von zehn Prozent gebracht. Ein Gespräch über Bewusstheit, Nähe und einen Spirit, der alle mitnimmt.

Interview: Marika Schiller

Herr Weber, wer nicht wagt, der nicht gewinnt – so sagt man. Und Sie haben gewagt und gewonnen. Dafür sind Sie einen schweren Weg gegangen. Waren Sie sich ihrer Sache immer so sicher? 
Nun, zum einen glaube ich daran, dass die Dinge, auf die wir uns jetzt konzentrieren, nach vorne funktionieren. Dazu gehört aber auch, sich zu trennen, von dem, was nicht mehr funktioniert. Was früher richtig war und gut, muss heute nicht zwangsläufig passen. Alles hat seine Zeit. Natürlich ist nicht alles absehbar. Und so ist einiges auch anders gekommen als gedacht.

Was genau haben Sie angepackt, was haben Sie verändert?
Insgesamt war das eher ein Prozess, etwas, das gereift ist. Und zwar auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Vom Gefühl war es so, auf einen Punkt zuzulaufen, sich hin zu einem Ziel zu bewegen. Und bereit zu sein, sich auf den Weg einzulassen, auf Dinge, die nicht vorhersehbar sind. Einen Masterplan gab es nicht, wir haben also nichts abgearbeitet oder wussten, wie es kommt. Die größten und wichtigsten Veränderungen sind von innen heraus entstanden. Ursprünglich hatten wir eine zentrale Struktur, alle Tochterunternehmen wurden von Homburg aus geführt. Heute haben diese Unternehmen eigene Geschäftsführer und damit mehr Eigenverantwortlichkeit und Selbstständigkeit. Dass Verantwortung mit Druck assoziiert wird, dass man sich vor allem rechtfertigen muss, wenn etwas nicht klappt oder man sich dafür sogar schuldig fühlt, das empfinde ich als schade. Verantwortung kann sehr viel Positives bedeuten, sehr viel Energie freisetzen und Neues anschieben. Dazu gehört natürlich Vertrauen.

Sie haben auch auf Menge verzichtet…
Ja, haben wir. Wir mussten für uns die Frage beantworten, woran wir glauben. Ist es die Menge oder die Marke? Ab 2015 haben wir unser Handelsmarkengeschäft hinterfragt und konsequent Menge abgebaut. Dass diese Entscheidungen richtig waren, hat das letzte Geschäftsjahr mit einem Umsatzwachstum von 10 Prozent und vor allem wesentlich besseren Ergebnissen gezeigt. Waren es zu Spitzenzeiten 3,1 Mio. Hektoliter, brauen wir heute noch 1,8 Mio. Hektoliter. Die Differenz ergibt sich aus den Handelsmarken.

Seit einem Jahr setzt die Brauerei auf einen vollkommen neuen Look. In den 70er Jahren abgeschafft, findet sich heute wieder der Brauerstern auf dem Etikett, die Brauer und ihre Arbeit stehen im Fokus. Die Anmutung ist schlicht und handwerklich. Warum dieser Umschwung?
Auch dies war ein Prozess. Zunächst haben wir uns intensiv mit unserem Urpils auseinandergesetzt und uns gefragt, was das Bier eigentlich ausmacht, was sein Charakter ist. Schnell wurde klar, dass wir nicht ein Produkt allein untersuchen können, dass es um das ganze Sortiment geht, um all unsere Biere. Was ist ihnen gemein, was verbindet sie? Zum einen die Historie, die Geschichte unserer Brauerei – so kam der Brauerstern ins Spiel. Und zum anderen die Menschen, die diese Biere brauen, die hinter unseren Produkten stehen. Es wird viel über die Rohstoffe gesprochen und das ist sicher richtig. Wir aber wollten die Menschen betonen, ihr handwerkliches Können. Unser Heimatmarkt ist das Saarland. Hier kennt jeder jeden. Mit ihrem Gesicht und ihrem Namen für die Marke Karlsberg zu stehen, für das, was sie täglich tun, das erfüllt die Brauer mit Stolz. Und damit können auch die Konsumenten was anfangen. Das ist glaubwürdig. Natürlich entspricht der Relaunch auch dem Zeitgeist. Aber die Menschen greifen doch nicht allein wegen der Optik zu einem Produkt, sie wollen ein Ver­sprechen eingelöst haben.

Das komplette Interview lest ihr in der
aktuellen Ausgabe 4/19 von Meiningers CRAFT.

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