Ausgabe 03/2020

Freitag, 19. Juni 2020 - 8:00

Im selben Boot

Meiningers CRAFT 3/20 (Foto: Sierra Nevada Brewing)

Sie hat uns alle mit voller Wucht getroffen. Sie hat Ängste ausgelöst und Unsicherheiten. Sie hat drastische Umsatzeinbußen und Kurzarbeit beschert – und die Frage aufgeworfen, wie es jetzt weitergeht. Die Corona-Pandemie hat alles, wirklich alles auf den Kopf gestellt. Unser privates Leben, die Gesellschaft, die Wirtschaft. Die ganze Welt. Dabei dürften wir die ersten Wochen mit dem Virus alle ähnlich empfunden haben:  den Moment des Schocks, den Taumel und dann das kreative Aufbegehren, die Flut an neuen Ideen, die Lust am neuen Miteinander.

Fasziniert und voller Freude haben wir gesehen, wie erfinderisch und unermüdlich die Brauer der Krise begegnet sind: Sie haben nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sie haben neu gedacht. Haben Projekte angepackt, die sonst im Tagesgeschäft liegen geblieben sind, ihre Onlineshops ausgebaut, digitale Tastings und Brauereiführungen veranstaltet. Auch wenn sich damit die Einbußen in Gastronomie und Export nur schwer kompensieren lassen, können Bindung und Treue der Kunden gestärkt werden. Wer in der Krise zusammensteht, den bringt so leicht nichts auseinander!

Auch unser Verlag ist gefordert, Konzepte umzugestalten und Themen vollkommen neu anzupacken. Der diesjährige Meininger’s International Craft Beer Award musste verschoben werden und geht nun unter ver - än derten Vorzeichen und unter Einhaltung sämtlicher Sicherheitsauflagen vom 7. bis 10. Juli über die Bühne. Die vielen Einreichungen, das positive Feedback der Brauer und Verkoster lassen uns fest daran glauben, dass sich hochwertige Braukunst auch in der Krise behaupten können wird.

Genießt die Geschichten unserer neuen Ausgabe. Haltet zusammen und bleibt gesund. Wir sitzen alle im selben Boot.

Eure

Marika Schiller
Chefredakteurin Meiningers CRAFT
[email protected]

Inhalte dieser Ausgabe

S.26_SZENE_SALZBURG (Foto: Tourismus Salzburg GmbH / G. Breitegger)
Bloß keine Hektik

Die Verbindung von Tradition und Moderne – klingt nach einer abgedroschenen Phrase! In der Bierkultur Österreichs und insbesondere in Salzburg gilt dies jedoch auf nahezu perfekte Weise. Hier gibt es Braumeister, deren Geschichte viele Jahrhunderte zurückreicht, die aber den Zeitgeist auf den Punkt treffen und dabei auf höchste Qualität setzen. Hektik indes ist ihnen ein Graus.

S. 36_SZENE_RHEINLAND-PFALZ (Fotos: Eulchen Brauerei; Bitburger Braugruppe / Hardy Welsch; Philip Trocha Photography)
Lust am Genuss

Einst schlug in Mainz das Herz der Pfälzer Bierkultur. Nachdem es in den 90er Jahren fast stillstand, klopft es nun umso heftiger. Gerade die Landeshauptstadt hat sich zu einem echten Hotspot für Liebhaber von Craftbier entwickelt. In Rheinland-Pfalz gibt es viele junge Betriebe, aber auch solche mit langer Tradition. Ein Streifzug durch die Szene.

S. 44_MARKT_HELLES (Foto: Akhenatonimages - Stock.Adobe.com)
Highway to Hell

Kaum ein klassischer Bierstil befindet sich wohl auf einem derart anhaltenden Höhenflug wie das Bayerisch Hell. Das süffige Bier, das vom Freistaat Bayern aus die ganze Republik erobert hat, findet sich heute auf den Balkonen jeder Studenten-WG. Ob in München, Dresden oder Berlin. Es ist einfach herrlich unkompliziert. Fehler indes verzeiht das Helle dem Brauer nicht.

S. 62_MARKT_MALZ (Foto: Gerhard Kopatz)
„Lernen, wie Brauer ticken“

Neue Sorten, Qualitäten und Packgrößen – die Craftbier-Bewegung forderte auch von Mälzereien neu zu denken. Palatia Malz aus Heidelberg nahm diese Challenge an, strukturierte um und investierte. Mit ihren Produkten beliefert das vor 120 Jahren gegründete Familienunternehmen heute Brauer auf der ganzen Welt. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Dr. Axel Göhler über die Freude an nachhaltigem Wachstum, den Zeitgeist der Szene und Verbindlichkeit in Zeiten der Krise.

S. 74_MARKEN_KUNDMÜLLER (Fotos: Peter Dörfel)
Mit jeder Faser

Manchmal ist es gut, wenn Söhne nicht auf ihre Väter hören. Als Roland Kundmüller mit 18 Jahren auf die Idee kam, ein Bockbier zu brauen, warnte ihn der Vater:  „Lass das bleiben – das braucht doch kein Mensch.“ Heute hat die fränkische Brauerei Kundmüller mit ihrem „Weiherer Bier“ 26 verschieden Sorten im Angebot – davon 15 Craftbiere.  Bei nationalen und internationalen Wettbewerben sind sie stets vorne dabei.