Ausgabe 01/2020

Freitag, 8. November 2019 - 8:15

Keep cool!

Meiningers CRAFT 1/20

Als Craftbrauer mit einem Konzern kooperieren – darf man das? Ist das Verrat am Berufsethos? Was soll das überhaupt?! Als publik wurde, dass sich Crew Republic mit AB Inbev zusammentut und der Brausturm Bierverlag mit Bitburger, gab es einen riesen Aufschrei in der Szene. Ja, es gab Entsetzen. Aber nicht nur. Die Meinungen gingen deutlich auseinander: Entrüstet waren die einen, die anderen wiederum schwankten zwischen Verständnis und Sorge. Fragen, aber auch Emotionen und Unsicherheiten, die wir gerne in einem Interview mit den Jungs von Crew Republic thematisiert hätten. Leider wollen sich die Münchner im Moment nicht dazu äußern. Wir finden: Jeder Schritt nach vorne verlangt Mut! Es bleibt die Entscheidung jedes Einzelnen, wie er sich positionieren will, wie groß er sein will und mit welchen Mitteln er das erreichen will. Die deutsche Craft-Szene sortiert sich und kapiert, dass in der Braubranche mit harten Bandagen gekämpft wird. Crew Republic und Brausturm wollen ihre Marktrelevanz ausbauen, sie wollen wachsen und lassen sich finanziell unter die Arme greifen. Das ist kein Verrat, sondern eine legitime wirtschaftliche Entscheidung. Geht die Rechnung auf, haben wir alle was davon: gute Biere, eine fantastische Auswahl und nationale Verfügbarkeit.

Wunderbar ist die Fülle an Themen, die diese Ausgabe lesenswert machen: Max Krieger von Riedenburger verschreibt sich Bio-Bieren und alten Getreidesorten wie schon sein Vater, die Marke Quartiermeister will auf beispielhafte Weise dem Gemeinwohl dienen, Rauchbiere polarisieren und Grünhopfenbiere betören und Stulle zum Bier schmeckt einfach gut. Kommt mit nach Cincinnati in den USA, wo deutsche Auswanderer einst das Lagerbier großmachten und ins belgische Leuven, wo sich eigenwillige Brauer nur so tummeln

Eure

Marika Schiller
Chefredakteurin Meiningers CRAFT
schiller@meininger.de

Inhalte dieser Ausgabe

S. 24_SZENE_CINCINNATI
Die Königin des Westens

Es war das Lagerbier deutscher Einwanderer, das Cincinnati im 19. Jahrhundert Ansehen und Wohl-
stand brachte. Nach Jahren des Niedergangs infolge der Weltkriege und des Alkoholverbots wird die Braugeschichte von Cincinnati heute weiterge-
schrieben – von enthusiastischen Craftbrauern, die sich vor allem im Süden der 300.000 Einwohner-Stadt im Szeneviertel Over-the-Rhine niedergelassen haben.

S. 32_MACHERIN_SABINE WEYERMANN
Die Visionärin

Nah dran an: Sabine Weyermann. Der Boom des Pils und der Ruf nachhellen Malzen zwingt Weyermann in den Achtzigern fast in die Knie. Die Craftbier-Bewegung in den USA wiederum wird für die Mälzerei aus Bamberg zum Motor. Unter Führung von Sabine Weyermann avanciert das Unternehmen zum globalen Branchenführer für Spezialmalze.

S. 38_SZENE_LEUVEN
Zurück in die Zukunft

Nur 30 Autominuten von Brüssel entfernt liegt die heimliche Hauptstadt Belgiens. Zumindest in Sachen Bier. In Leuven haben der weltweit größte Brauerei-
konzern AB InBev und dessen Premiummarke Stella Artois ihren Sitz. Vor allem aber schaut die Stadt auf eine pralle Bier- und Brauereihistorie zurück, die bis heute die Stadt prägt. Und die im Schatten des Riesen ihren zarten Neuanfang erlebt.

S. 66_TREND_RAUCHBIERE
Rauchzeichen

Entweder man liebt sie oder mag sie gar nicht: Rauchbiere polarisieren. Einzig zwei Braustätten in Bamberg darren ihr Malz noch selbst über offenem Feuer und kultivieren damit die traditionelle Produktion des jahrhundertealten Bierstils. Aber auch deutsche Jungbrauer geben Rauchzeichen und überraschen mit eigenen Interpretationen.

S. 92_MARKEN_EDER & HEYLANDS
Der Seppel macht's

Die Eder & Heylands Brauerei in Unterfranken ist traditionell im besten Sinne und braut Biere vor allem für die Menschen in der Region. Ihre Marke „Schlappeseppel“ indes ist national bekannt. So ungewöhnlich der Name, so ausgezeichnet das Bier und die Geschichten, die sich um die Herkunft ranken. Ein Besuch.