#7 Schwester Doris Engelhard

Ausgabe: 
03
2020
Dienstag, 4. August 2020 - 12:15

Teil 7 unserer Serie „Frauen & Bier“ aus der aktuellen CRAFT 3/20: Schwester Doris Engelhard; Foto: Klosterbrauerei MallersdorfTeil 7 unserer Serie „Frauen & Bier“ aus der aktuellen CRAFT 3/20: Schwester Doris Engelhard; Foto: Klosterbrauerei Mallersdorf

 

Die Bierbranche wird zwar von Männern dominiert. Aber es gibt auch längst erfolgreiche Frauen im Bier-Business. Nicht alle stehen im Rampenlicht, auf der Bühne, die sie gewiss verdienen.  Und so sagen wir: Spot an! Sieben Frauen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise und mit großer Leidenschaft dem Thema Bier verschrieben haben.

Text: Regine Marxen

 

SCHWESTER DORIS ENGELHARD
Braumeisterin in der Klosterbrauerei Mallersdorf

Schwester Doris Engelhard, Jahrgang 1949, besuchte von 1962-66 die klösterliche Realschule in Mallersdorf, bereits mit dem Plan im Kopf, ins Kloster zu gehen. 1971 trat sie als Novizin in den Orden der Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie zu Mallersdorf ein. 1967 begann sie in der Klosterbrauerei Mallersdorf ihre Lehrzeit als Brauerin und Mälzerin, ihre Gesellenprüfung legte sie in der Brauerschule in Ulm ab. Sie gilt als Deutschlands letzte brauende Nonne.

Schwester Doris, wie sind Sie zum Bier gekommen?
Nach der Realschule wollte ich in der Landwirtschaft lernen, dies war aber nicht angesagt. Als ich gefragt wurde, ob ich Brauerin werden wollte, machte ich das.

Was schätzen Sie am meisten an diesem Getränk?
Bier ist ein gesundes Getränk, sofern man es nicht sinnlos in sich hineinschüttet. Außerdem habe ich im Lauf der Jahre diesen Beruf lieben gelernt. Weniger schön ist, dass durch die sinnlose Trinkerei unser Beruf in Misskredit gerät, als ob wir die Leute betrunken machen würden. Jeder trinkt selber. Außerdem ist es schade, dass häufig Bier mit „saufen“ in Verbindung gebracht wird, Wein und stärkere Getränke nicht.

Schwester Doris und das Bier – wie würden Sie die Beziehung beschreiben?
Bierbrauerin ist mein Beruf.  Und dieser macht mir Freude, auch weil ich mit Bier meinen Mitschwestern ein gutes und nahrhaftes Getränk geben kann. Ich kann mich mit diesem Getränk identifizieren.

Sie sind Deutschlands einzige Klosterbraumeisterin. Gibt es da manchmal Akzeptanzprobleme bei Kollegen, Mitarbeitern oder gar Kunden?
Nein. Ich glaube, wenn man authentisch bleibt, wird einem dies auch abgenommen. Außerdem bin ich nun lange genug in der Branche.

Wünschen Sie sich, dass mehr Klosterschwestern die Profession des Brauens lernen?
Das wäre schön. Leider gibt es sehr wenig junge Leute, die sich für dieses Leben im Kloster entscheiden. Ich wäre schon froh, wenn sich bei uns eine junge Mitschwester finden würde, die meine Arbeit übernimmt.

Wer unterstützt Sie in der Brauerei?
Ich habe noch einen Brauer, eine Mitschwester mit 85 Jahren, die den Bierverkauf macht und auch sonst noch mithilft. Außerdem stundenweise eine Aushilfe.

 

Die Autorin
Regine Marxen gehört zu den umtriebigen Frauen in der Bierbranche. Die freie Journalistin und Beerkeeperin schreibt nicht nur über Bier, sie spricht auch darüber: Die Hamburgerin ist einer der beiden Co-Founder des Interview-Bierpodcasts HHopcast, der seit 2017 Brauer, Bierverlage und Bierfans zu Wort kommen lässt.
www.hhopcast.de

 

 

Foto: Andrea Lang

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