#2 Sünje Nicolaysen

Ausgabe: 
03
2020
Dienstag, 30. Juni 2020 - 13:15

Teil 2 unserer Serie „Frauen & Bier“ aus der aktuellen CRAFT 3/20: Sünje Nicolaysen; Foto: Cécile Ash Photography
Teil 2 unserer Serie „Frauen & Bier“ aus der aktuellen CRAFT 3/20: Sünje Nicolaysen; Foto: Cécile Ash Photography

 

Die Bierbranche wird zwar von Männern dominiert. Aber es gibt auch längst erfolgreiche Frauen im Bier-Business. Nicht alle stehen im Rampenlicht, auf der Bühne, die sie gewiss verdienen.  Und so sagen wir: Spot an! Sieben Frauen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise und mit großer Leidenschaft dem Thema Bier verschrieben haben.

Text: Regine Marxen

 

SÜNJE NICOLAYSEN
Bierbuch-Autorin und Texterin

Sünje Nicolaysen (43) ist Beerkeeper, Texterin und Autorin aus Hamburg. Mit „Der ultimative Bier-Guide“ hat sie ein Standardwerk für BierEntdecker verfasst. Derzeit arbeitet sie an ihrem zweiten Buch, das sich an Heimbrauer richtet.

Sünje, wie bist du zum Craftbier gekommen?
Biertrinkerin war ich schon immer, aber es gab einen Schlüsselmoment im Altes Mädchen in Hamburg. 2014 war das. Ich hatte bis dahin Craftbier nur mit Abstand beäugt, mich aber an dem Abend zusammen mit einer Freundin durch die Karte getrunken und wir landeten irgendwann bei Bier Nummer „8“ der Brauerei Trappistes Rochefort. Von da an hab‘ ich mich langsam wegbewegt von Jever & Co.

Was schätzt du am meisten an diesem Getränk?
Die Vielfalt. Ich kann ganz nach Lust und Laune, nach Jahreszeit und Anlass das für mich perfekte Bier raussuchen. Heute lieber ein süffiges Golden Ale, ein spritziges Saison oder vielleicht doch ein Stout mit Schokonote? Das ist auch genau das, was ich Craftbier-Neulingen immer vorschwärme.

Du bist ein echtes Nordlicht. Der Norden und das Bier – wie würdest du die Beziehung beschreiben?
Ich würde sagen: Aus nordisch herb wird langsam nordisch vielseitig. Wir hier oben sind nicht gerade für unsere Offenheit bekannt, aber ich hab das Gefühl, dass sich immer mehr Norddeutsche mit dem Thema Bier auseinandersetzen. Natürlich gibt es noch genug Sturköpfe, die sich an grünen Buddeln festklammern. Aber Beispiele wie Simian Ales im kleinen Elmshorn oder die Wittorfer Jungs in Neumünster zeigen, dass sich auch Nordlichter, spätestens wenn eine kleine Brauerei in der Stadt eröffnet, die Geschichte von Biervielfalt erzählen lassen und plötzlich zu Stammgästen und Kunden werden.

Was motiviert dich, dich weiter mit Bier zu beschäftigen und gleich noch ein Bierbuch zu schreiben?
Dahinter steckt eine Mischung aus Neugier, Faszination und etwas Wahnsinn. Seit Erscheinen von „Der ultimative BierGuide“ habe ich Nachrichten bekommen von Lesern, die sich total über das Buch gefreut haben. Das motiviert enorm. Dazu kommt: Es ist ein wahnsinnig leckeres Thema! Die Idee, ein Buch über das Brauen zuhause zu schreiben, stammt von Jörg von besserbrauer, meinem Co-Autoren. Ich war noch gar nicht wieder bereit, denn Bücherschreiben ist sehr zeitintensiv und man verdient damit bekanntlich kein Geld.

Haben Frauen es schwerer in der Bierbranche als Männer?
Ich hatte ganz zu Beginn ein paar Schwierigkeiten, aber ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich eine Frau bin. Womöglich war es auch der Tatsache geschuldet, dass ich als Außenstehende mit dem Buch um die Ecke kam. Ohne eine nachweisbare bieraffine Vergangenheit. Da wurde mir mal von einem Typen aus der Bier-Szene ins Gesicht gesagt, dass das Buch nichts taugt. Ansonsten würde ich sagen: Es gibt so viele tolle engagierte Frauen im Bier-Business, die sich mit Leidenschaft als Sommeliere, Journalistin oder Brauerin dem Thema widmen. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie weniger gehört werden. Ganz im Gegenteil.

 

Die Autorin
Regine Marxen gehört zu den umtriebigen Frauen in der Bierbranche. Die freie Journalistin und Beerkeeperin schreibt nicht nur über Bier, sie spricht auch darüber: Die Hamburgerin ist einer der beiden Co-Founder des Interview-Bierpodcasts HHopcast, der seit 2017 Brauer, Bierverlage und Bierfans zu Wort kommen lässt.
www.hhopcast.de

 

 

Foto: Andrea Lang

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